| 23:20 Uhr

Handball-Oberliga
Löwen machen sich Leben lange selbst schwer

Mit Volldampf Richtung Tor: Philipp Hammann (rechts) überragte beim Sieg seines SV 64 Zweibrücken gegen die HSG Kastellaun/Simmern mit zehn Treffern.
Mit Volldampf Richtung Tor: Philipp Hammann (rechts) überragte beim Sieg seines SV 64 Zweibrücken gegen die HSG Kastellaun/Simmern mit zehn Treffern. FOTO: maw / Martin Wittenmeier
Zweibrücken. Dank eines Kraftaktes haben die Oberliga-Handballer des SV 64 Zweibrücken ihr Heimspiel gegen die HSG Kastellaun-Simmern gewonnen. Zuvor hatten die Hausherren reihenweise beste Möglichkeiten ausgelassen. Von Roman Kuhn

Am Samstagabend benötigte die erste Männermannschaft des SV 64 Zweibrücken im Oberliga-Heimspiel gegen die HSG Kastellaun-Simmern einen Kraftakt, um sich in den letzten zehn Minuten entscheidend auf 33:29 (18:15) abzusetzen. Zwar gerieten die Zweibrücker Löwen in der heimischen Ignaz-Roth-Halle nie in Rückstand, doch die robusten Gäste aus dem Hunsrück blieben bis zuletzt auf Schlagdistanz. Beste Spieler bei den 64ern waren Torhüter Benni Berz, Spielmacher Tim Schaller und Linkshänder Philipp Hammann. Der Außenspieler war mit zehn Treffern auch gleichzeitig der erfolgreichste Torschütze.

SV-Trainer Stefan Bullacher brachte es beim anschließenden Pressegespräch treffend auf den Punkt: „Wir sind heute der glückliche Sieger. Kastellaun war uns körperlich klar überlegen und wir haben deshalb unsere Zweikämpfe nicht gewinnen können. Warum sie in der Tabelle so weit unten stehen, versteht ja sowieso kein Mensch. Wir haben nicht unser bestes Spiel gemacht, sind in Anbetracht unserer personellen Lage mit dem Ergebnis aber total zufrieden“.

So sahen es wohl auch die meisten der etwa 260 Zuschauer. Im Aufeinandertreffen zweier personell geschwächter Mannschaften bestachen auf beiden Seiten vor allem die Torhüter. Der Zweibrücker Benni Berz zeigte, ebenso wie sein Pendant auf Seiten der HSG, Luca Korbion, etliche starke Paraden. Beide Keeper bügelten so mehrfach die Fehler ihrer Vorderleute wieder aus. Überhaupt hatten die Löwen erhebliche Probleme, Zugriff auf die Rückraumspieler aus Kastellaun zu bekommen. Im international besetzten Ensemble, bei dem durch den Ausfall von Hendrik Walb der zweitligaerfahrene Dejan Dobardzijev sein Comeback gab, schafften es die 64er nicht, den Tunesier Helaoui, den Litauer Zigelis und den Kroaten Popovic zu kontrollieren. Dieses Trio schaffte es immer wieder, große Lücken in den Zweibrücker Abwehrverband zu reißen oder den bosnischen Zwei-Meter-Hünen am Kreis, Adnan Kulovic, in Szene zu setzen.



Im Gegenzug setzten die Hausherren auf Tempohandball. Nach jedem Gegentor versuchten die Schützlinge von Trainer Bullacher mit dem taktischen Mittel der „schnellen Mitte“ zum Erfolg zu kommen. Hier konnten die pfeilschnellen Philipp Hammann und Tim Schaller häufig Nadelstiche setzen.

Im Positionsangriff fanden die Hausherren allerdings auch gute Lösungen, um die ständig wechselnden Abwehrformationen auszuhebeln. Egal, ob die Gäste mit einer defensiven 6:0- Deckung, mit einem offensiven Positionsverteidiger oder mit einer Mann bezogenen 3:3-Deckung agierten, die junge Zweibrücker Mannschaft ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und fand taktisch immer wieder den richtigen Schlüssel.

Einziges Manko im Angriffsspiel der Löwen waren unnötige technische Fehler und zu viele vergebene Großchancen. So vergaßen sie es nach ausgeglichenem Beginn (5:5/10.) beim Zwischenstand von 12:7 nach 20 Minuten eine kleine Vorentscheidung herbeizuführen. Kastellaun blieb auf Schlagdistanz und beim Halbzeitstand von 18:15 wurden die Seiten gewechselt.

Der zweite Durchgang begann dann genauso, wie der erste geendet hatte. Niklas Bayer traf zum 19:15. Danach eroberten die 64er wieder den Ball. Bayer knallte das Leder krachend an den linken Pfosten. Kastellaun traf zum 19:16. Wieder traf Bayer millimetergenau – allerdings diesmal die andere Seite des Gebälks. Die HSG erzielte das 19:17. Philipp Hammann scheiterte an Luca Korbion und die Gäste trafen zum 19:18. Anstatt in wenigen Minuten den Widerstand der Rheinländer zu brechen, waren diese wieder voll im Spiel und glichen in Überzahl sogar aus (19:19/37.).

Erst in den letzten zehn Minuten der Begegnung gelang es den Gastgebern, sich aus der Umklammerung zu lösen. Durch einen 7:3-Lauf schafften sie es schließlich, aus dem zwischenzeitlichen 26:26 (50.) einen schwer erkämpften 33:29-Sieg zu machen.

Nach dem Spiel blieb die Erkenntnis, dass sich die Truppe um Tim Schaller, der wiederum klug Regie führte, dass Leben unnötig schwer gemacht hat. Mit etwas Pech wäre sogar ein unangenehmeres Ergebnis möglich gewesen. Durch den Sieg behauptete der SV 64 aber seinen dritten Tabellenplatz und tritt nächste Woche zum letzten Spiel der Hinrunde bei den Handballfreunden aus Illtal an.