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Leichtathletik
Hussong will noch einen drauflegen

 Voller Fokus auf die WM: Dennoch will LAZ-Speerwerferin Christin Hussong auch in der Diamond League schon das Letzte aus sich rausholen.
Voller Fokus auf die WM: Dennoch will LAZ-Speerwerferin Christin Hussong auch in der Diamond League schon das Letzte aus sich rausholen. FOTO: dpa / Valentin Flauraud
Zweibrücken . Bisher läuft die Saison für Christin Hussong richtig rund. In Lausanne hat die Speerwerferin des LAZ Zweibrücken kürzlich mit Saisonbestleistung von 66,59 Metern ihr erstes Diamond-League-Meeting gewonnen. Doch die 25-Jährige will in diesem Jahr noch mehr. Von Svenja Hofer

Christin Hussong macht kein großes Aufheben um ihre Person. Auch nach dem EM-Titel im vergangenen Jahr sei sie „die gleiche Person geblieben“. Verändert hat sich seither allerdings nicht nur die öffentliche Wahrnehmung der Speerwerferin des LAZ Zweibrücken. Auch die Erwartungen von außen – und die eigenen Ansprüche – sind gestiegen.

Geht der Blick auf die bisherige Saison zurück, so dürfte Christin Hussong zufrieden sein. Hat ihr in den ersten, konstant guten Wettkämpfen, der Ausreißer nach oben noch gefehlt, so hat die 25-Jährige diesen bei ihrem ersten Sieg eines Diamond-League-Meetings in Lausanne vor zwei Wochen feiern dürfen. Mit der Saisonbestleistung von 66,59 Metern – ihrer zweitbesten Weite überhaupt – hat sie sich nicht nur auf Rang drei der europäischen und Rang fünf der Welt-Jahresbestenliste, sondern auch an die Spitze der begehrten Diamond-League-Wertung gesetzt.

In der Rolle der Gejagten sieht sich Hussong dadurch vor dem nächsten Meeting der Serie am Samstag in London allerdings nicht. „Im Diamond-League-Finale Ende August in Zürich beginnt ja alles wieder bei null“, erklärt die Herschbergerin. Außerdem seien alle vorderen Athletinnen sehr stark – in der Diamond League allemal. „Es ist natürlich aber ein schönes Gefühl, sich in der Serie etabliert zu haben.“



Dabei mag Christin Hussong die Herausforderung, sich stets mit den besten Werferinnen der Welt zu messen, sich immer auf absolutem Toplevel zeigen zu müssen. „Ich finde das gut. In Deutschland ist die Konkurrenz neben Annika Fuchs (SC Potsdam, 63,68 m), die gerade Gold bei der U23 EM gewonnen hat, nicht mehr so groß“, erklärt die LAZ-Athletin, dass sich die Zeiten im Vergleich zu ihren Anfängen im Aktivenbereich geändert haben, als sie sich allein in Deutschland mit Linda Stahl, Christina Obergföll und Katharina Molitor messen musste. „Da muss man sich nun andere Konkurrenz suchen. Immer alleine vorne bei Meetings zu werfen, macht jetzt auch nicht so viel Spaß.“ Daher sei es eine große Chance, sich immer mit der Weltspitze duellieren zu können. „Und dann vielleicht auch mal zu sehen, hoppla, die war jetzt aber noch einen Tick besser, da muss ich bis Doha noch ein bisschen an mir arbeiten.“ Doch auch Selbstbewusstsein und Sicherheit kann Hussong aus den Kräftemessen ziehen. „Natürlich tun solche Wettkämpfe wie Lausanne mit dem ersten Diamond-League-Sieg gut. Einfach zu sehen, dass man mit den Besten nicht nur mithalten, sondern sie auch schlagen kann“, sagt die ehrgeizige Speerwerferin mit einem Lachen.

Eine ganz große Stärke von Christin Hussong in diesem Jahr: ihre Konstanz. In jedem ihrer Wettkämpfe hat sie bisher die WM-Norm (61,50 m) locker überworfen. „Genau das war auch das Ziel von mir und meinem Vater/Trainer, konstant die Weiten abliefern zu können, die fürs WM-Finale in Doha reichen“, erklärt die Europameisterin und schiebt nach: „Ich bin auch ein bisschen stolz, dass mir diese Konstanz so gut gelungen ist.“ Wenn es auch Wettkämpfe gab, in denen der Ausreißer nach oben eben gefehlt hat. Aber vor zwei Jahren noch wäre sie mit diesen Meetings „absolut happy“ gewesen. „Das ist schon echt Jammern auf hohem Niveau. Wie etwa nach Luzern, als ich auf der Heimfahrt dachte, 64,62 Meter, das ist schon okay, aber noch nicht perfekt“, erzählt Hussong.

Näher dran war da schon der Wurf aus Lausanne. Doch auch diese Weite, mit der sich Hussong nah an ihre Bestmarke von 67,90 Metern herangepirscht hat, soll noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Nicht erst bei den Weltmeisterschaften Ende September, Anfang Oktober in Doha will sie noch einen drauflegen. „Es ist auch jetzt noch mehr drin. Es wäre ja schlimm, wenn ich sagen würden: So, Lausanne war schon perfekt – der Wurf war auch wirklich gut –, mehr geht jetzt aber nicht mehr.“ Christin Hussong will nicht erst in Doha, sondern schon jetzt in London „das letzte aus sich rausholen“. Natürlich wolle sie bis zur WM körperlich topfit sein, dort alles rauskitzeln und um eine Medaille mitkämpfen, „aber ich habe jetzt die Chance, überall zu werfen. Das war in der Vergangenheit nicht so“. Gerade in die Diamond-League-Serie hereinzukommen, sei als junge Athletin sehr schwer. So sehr die vielen Meetings auch schlauchen, will sich Hussong diese Möglichkeit nicht nehmen lassen.

Bis zur Weltmeisterschaft sei ja schließlich auch noch ein bisschen Zeit. Nach London stehen zwei Wochen später zunächst die deutschen Meisterschaften in Berlin, dem Stadion ihres EM-Triumphes an. Danach ist eine Woche Urlaub geplant. Nur eine kurze Verschnaufpause, bevor das Diamond-League-Finale ansteht. „Und danach geht der volle Fokus auf die WM.“