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Kleine Verschnaufpause

Puh, der erste Block ist geschafft. Die Deutschen haben die Vorrunde – nicht gerade glorreich, wie ich finde, aber doch souverän – über die Bühne gebracht.

So manche Ermüdungserscheinung einiger europäischer Teams hat sich während der ersten zwei Wochen scheinbar über die tausende Kilometer weite Entfernung hinweg auch in die Sportredaktion übertragen. Welch ein Glück eigentlich, dass nicht nur die Profis in Brasilien am Freitag am spielfreien Tag kurz durchschnaufen konnten, sondern auch wir eine erste kleine, aber feine Fußballpause bekamen. Wobei, ich muss sagen: Obwohl die WM vor dem Start bei mir keine große Euphorie ausgelöst hatte, das Fieber nicht wirklich steigen ließ, hat sie mich in der Gruppenphase doch gepackt. Lahmes Gekicke, wenig Tore hatte ich in der Schwüle von Brasilien erwartet. Ich wurde eines Besseren belehrt. Das Zuschauen machte Spaß, viele Tore, viele Überraschungen, heiße Costa Ricaner und bissige Uruguayer. So war es am Freita schon in der Redaktion irritierend, im Hintergrund nicht die leisen Fangesänge, Pfiffe des Schiedsrichters oder Torschreie der Kollegen, die näher zum Fernseher sitzen, zu hören. Noch seltsamer allerdings das Gefühl, abends beim Umdrehen des Schlüssels in der Wohnungstür kein einziges Geräusch aus dem Wohnzimmer zu hören, beim Aufstoßen der Tür keine Nationalhymne singenden Spieler auf dem Bildschirm zu erblicken. Stille. Mein Freund ist schon auf der Couch eingeschlafen - er nutzt die spielfreien Minuten zum Ausruhen für das, was nun noch folgen mag. Doch irgendetwas fehlt hier noch. Diese Stille. Aah, da bemerke ich es. An diesem Abend werde ich nicht von den Kommentatorenstimmen eines Steffen Simon oder Bela Rethy empfangen - eine Wohltat. Auch für mich eine angenehme kleine Verschnaufpause.