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Kittel ist einfach nicht zu stoppen

Lille. Vier Etappen ist die Tour de France alt. Und Marcel Kittel gewann gestern nach einem engen Schluss-Spurt schon seine dritte Etappe. Der Thüringer ist derzeit der beste Sprinter – dabei nahm seine Karriere erst vor drei Jahren so richtig Fahrt auf. Stefan Tabeling,Andreas Zellmer (dpa),Ruben Stark (sid)

Die Marcel-Kittel-Show geht auch auf Frankreichs Straßen weiter. Der deutsche Sprintstar holte sich gestern nach der Rückkehr aus England bereits seinen dritten Tagessieg auf der vierten Etappe der 101. Tour de France . Kittel siegte nach 163,5 Kilometern von Le Touquet-Paris-Plage nach Lille knapp vor Alexander Kristoff (Norwegen) und dem Franzosen Arnaud Demare. Vorjahressieger Chris Froome erlitt bei der ersten Etappe auf dem europäischen Festland bei einem Sturz Blessuren am Oberschenkel und Handgelenk. Er erreichte trotzdem zeitgleich mit Kittel das Ziel.

Der 26-jährige Thüringer Kittel zog mit seinem insgesamt siebten Etappensieg bei der Frankreich-Rundfahrt mit dem früheren Toursieger Jan Ullrich gleich. Mehr deutsche Tagessiege haben nur noch Erik Zabel (12) und Rudi Altig (8) auf ihrem Konto. "Ich bin so stolz, aber Rekorde interessieren mich nicht. Ich habe das letzte Fünkchen Kraft, das noch in mir war, herausgeholt. Wenn die Ziellinie 20 Meter früher gekommen wäre, hätte es wahrscheinlich anders ausgesehen", sagte Kittel nach seinem dritten Triumph, der diesmal deutlich knapper ausfiel.

Träger des Gelben Trikots bleibt der Italiener Vincenzo Nibali, der weiter zwei Sekunden vor den restlichen Favoriten um Froome und dem zweimaligen Champion Alberto Contador (Spanien) liegt.

Für Andy Schleck , Sieger von 2010, ist die Tour bereits beendet, der Luxemburger stieg vor der vierten Etappe aus. Er hatte sich bei einem Sturz auf der dritten Etappe Verletzungen am rechten Knie verletzt.

Kittel dominiert derzeit die Sprint-Elite, scheint unschlagbar. Vorgezeichnet war ihm dieser Weg nicht. Im Nachwuchs war Kittel ein ansehnlicher Zeitfahrer, 2010 immerhin WM-Dritter der U23-Klasse, doch kein Sieggarant. Schon immer hatte Kittel Talent, Vater Matthias, in der DDR einst selbst Radrennfahrer hatte es ihm in die Wiege gelegt.

Seine überragende Begabung für den Sprint erkannte aber erst vor drei Jahren der Niederländer Merijn Zeeman Anfang 2011 bei der eher unbedeutenden Tour de Langkawi in Malaysia. Dort sollte Kittel in seiner erste Profisaison für Kenny van Hummel einen Sprint vorbereiten. Der gebürtige Arnstädter spurtete allerdings so schnell, dass weder der Niederländer noch irgendein Konkurrent sein Hinterrad halten konnte. Trainer Zeeman arbeitete hart mit dem Thüringer und formte aus ihm auch einen Kapitän. Inzwischen ist er quasi die ideale Symbiose von Kraft, Explosivität und Stehvermögen. Zudem löst die Anspannung in einem Hochgeschwingkeitssprint, das Drängeln und Schieben bei ihm keine Unsicherheit aus. Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin sagt über Kittel : "Wenn das Chaos ausbricht, ist er noch in der Lage, sich alleine durchzuboxen."