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Pferdesport
Jubel und Enttäuschung bei Lokalmatadoren

Großer Andrang bei der Siegerehrung auf dem Landgestüt.
Großer Andrang bei der Siegerehrung auf dem Landgestüt. FOTO: Cordula von Waldow
Zweibrücken. Spannende Wettbewerbe bei dreitägigem Spring- und Dressurturnier im Landgestüt. Reiter der Region räumen bei Pfalzmeisterschaft ab. Von Cordula von Waldow

Enttäuschte Hoffnungen treffen auf überraschende Podestplätze. Am Finaltag der Meisterschaften im Dressur- und Springreiten auf dem Zweibrücker Landgestüt änderten sich am Sonntag noch so manche Platzierungen. Nach drei langen Tagen – jeweils von sieben Uhr bis zum Teil spät in die Nacht wurden ausgetragen – endeten die Kämpfe um Bestmarken und Medaille mit der Mammutmeisterehrung vor der von der Abendsonne zauberhaft angestrahlten Kulisse des historischen Landgestüts. In insgesamt 20 Kategorien wurden die Meisterschärpen, Silber- und Bronzemedaillen vergeben.

Am Sonntagnachmittag erlebten Zuschauer in Dreierreihen von der schattigen Allee aus, in Liegestühlen und von Logenplätzen aus den sportlichen Krimi, den sich die 15 Reiter-Pferde-Paare im Stechen des schweren S-Springens boten. Für alle ging es um den Sieg, für drei von ihnen auch um den Pfalzmeistertitel. Die nur wenigen Hindernisse verlangten enge Wendungen und beherztes Gasgeben zwischen den Sprüngen. Samantha Theis (RFV Zeiskam) legte mit dem zehnjährigen Zweibrücker Uno Momento eine sehr schnelle Zeit von 33,31 Sekunden vor. Dem Luxemburger Victor Bettendorf, der bereits das schwere Springen am Vortag gewonnen hatte, gelang es mit Adagio vom Lunkeshof (31,10 sek) als Erstem, diese zu unterbieten Die Zuschauer fieberten mit. Würde es Niklas Betz vom RFV Limbach nach dem Ausscheiden von Lokalmatadorin Anne Oberle gelingen, darunter zu bleiben? „Sch...ade“ kommentierte er seinen Ritt, als die Anzeigentafel bei 31,63 Sekunden stehen blieb. Bettendorf selbst hätte sich mit Colquiche du Gibet selbst schlagen können, verzeichnete jedoch einen Abwurf. Auch Brian Klimutta (Kaiserslautern) benötigte mit dem achtjährigen Zweibrücker Claudio über 34 Sekunden. Dennoch strahlte der Titelverteidiger als Gesamtvierter am Ende, als er erneut die Pfalzmeisterschärpe umgelegt bekam.

Ähnlich spektakulär gestaltete sich das Finale der Children, Ponyreiter und Reitern der Leistungsklasse fünf am Sonntagmorgen bei einer Springprüfung Klasse A**. Mit der zwölfjährigen Landesmeisterin Children, Marika Oberle vom RFV Zweibrücken und der elfjährigen Landesmeisterin Pony, Charlotte Stuppi vom RSV Käshofen bewarben sich gleich zwei junge Amazonen der Region um den Titel der U14. Beide lieferten schnelle Runde – bis zum letzten Hindernis. Stuppis Reitpony Mirrio sprang durch den blauweißen Hochweitsprung hindurch, Oberles Hannoveraner Grafchristo riss die vordere Stange. Für Marika Oberle reichte es nach zwei blitzsauberen Runden an den Vortragen zum Vize-Titel. Stuppi tröstete sich auf dem vierten Platz mit der zweiten Meisterschärpe in der Ponyklasse, die sie mit Concord fehlerfrei erritt. Drei Nullrunden und die schnellste Zeit verhalfen auch Johanna Rubly vom RFV Zweibrücken und ihrer selbst gezogene Stute Maja sowie Alisha Klein vom gastgebenden Gestüt Etzenbacher Mühle auf Waldora S zur Meisterschärpe. Beide ritten in Klasse L, die 17-jährige Johann bei den Junioren, Alisha Klein in Leistungsklasse 4. Beide wurden, wie die übrigen Pfalzmeister, im Wassergraben getauft.



Malte Lehmann vom RFV Zweibrücken gewann, für ihn selbst unerwartet, mit seinem sechsjährigen Schimmel Haarlem Bronze bei den Junioren mit nur einem Hunderstelpunkt Rückstand auf Vize-Meisterin Lena Maria Lieser (Zeiskam). Überrascht war auch Katharina Burgard (RFV Bundenbacherhöhe): „Ich bin geritten, wie jedes andere Turnier auch.“ Erst im abschließenden M-Springen drückte sie mit ihrer selbst gezogenen Stute Waretina aufs Tempo, als sie merkte, dass außer ihr nur Stefan Schmalenberger (Kaiserslautern) fehlerfrei war. „Er war dann einen Tick schneller“, lachte sie und freute sich über ihren Vize-Meistertitel in Leistungsklasse drei. In der Leistungsklasse fünf war Sarah Neger von der VRG Südwestpfalz überglücklich. Mit dem Spring- und Voltigierpferd Möbel Martin‘s Instore Girl gewann sie mit drei Nullrunden auf A-Niveau Bronze in der Pfalzmeisterschaft.

Eine Enttäuschung gab es bei den Dressurreitern. Nachdem sie zwei Prüfungen der mittelschweren Klasse M gewonnen hatte, lag Hanna Spangenberger vom RFV Zweibrücken mit Fürst Gutenberg in Führung. Ein ganz anderes Richtertrio wertete das Paar im Finale aber ganz ans Ende des 17-köpfigen Starterfelds. „Ihnen gefielen wir wohl überhaupt nicht“, sagte die junge Amazone enttäuscht. Damit landete sie auf dem Vize-Rang vor ihrer Schwester Luise, die auf Sansiro kontinuierlich den dritten Platz gehalten hatte.

Auch im Rahmen der offenen Wertungsprüfungen erreichten die Reiter der Region gute Ergebnisse. Dazu gehört der Doppelsieg der Zweibrückerin Anne Oberle, die mit ihrem Deckhengst Ferruccio gleich beide M-Springen gewann. Die eigentlichen Sieger jedoch sind die Gastgeber und das Landgestüt. Der RSC Gestüt Etzenbacher Mühle erhielt großes Lob von allen Seiten. Das Landgestüt punktete einmal mehr durch die Top-Bedingungen der Ebbe-Flut-Böden in den Reithallen und auf dem Platz sowie seinem einzigartigen Ambiente.

Davon überzeugen können sich auch die Teilnehmer beim Großen Preis der Saarpfalz, den der RSC vom 24. bis 26. August zum zweiten Mal ausrichtet.

Die Zuschauer in der Allee fiebern mit dem Limbacher Niklas Betz. Für ganz vorne reichte es im schweren S-Springen mit Stechen dieses Mal nicht.
Die Zuschauer in der Allee fiebern mit dem Limbacher Niklas Betz. Für ganz vorne reichte es im schweren S-Springen mit Stechen dieses Mal nicht. FOTO: Cordula von Waldow