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Interview der Woche
Vereine für die Zukunft fit machen

Elke Rottmüller wirbt für das Ehrenamt und dafür, dass sich die Vereine für die Zukunft stabil aufstellen.
Elke Rottmüller wirbt für das Ehrenamt und dafür, dass sich die Vereine für die Zukunft stabil aufstellen. FOTO: Svenja Hofer
Kaiserslautern. Die neue Präsidentin des Sportbundes Pfalz will auch eng mit den benachbarten Verbänden zusammenarbeiten. Von Svenja Hofer

Elke Rottmüller ist seit Mai neue Präsidentin des Sportbundes Pfalz. Erstmals führt eine Frau den 2071 Vereine starken Dachverband, der im kommenden Jahr seinen 70. Geburtstag feiert. Die gebürtige Kaiserslautererin spricht im Merkur-Interview über ihre Ziele in dem neuen Amt und Herausforderungen, denen Sportbund und Vereine heute gegenüberstehen.

Frau Rottmüller, Sie waren dem Sportbund Pfalz keine Unbekannte. Nicht erst seit 2014, als Sie Vizepräsidentin „Marketing“ im Dachverband wurden, waren Sie diesem verbunden. Wie wurden Sie nun in Ihrer neuen Rolle als Präsidentin aufgenommen?

Elke Rottmüller: Ich muss sagen, das lief wirklich sehr gut. Es fiel mir aber auch nicht schwer, da ich über Jahrzehnte hinweg den Kontakt zum Sportbund gepflegt hatte. Ich bin ja gebürtig aus Kaiserslautern und habe schon vor 30 Jahren als Marketing-Mitarbeiterin bei der Sparkasse für Fördergelder sorgen können. Und diese Zusammenarbeit ist lange bestehen geblieben. Auch als ich nach einigen Jahren der Abwesenheit beruflich in die Pfalz zurückkehrte, hat man sich beim Sportbund an mich erinnert, und direkt ist der Kontakt zu mir aufgenommen worden. Und jetzt bin ich im Präsidium gelandet (lacht).



Sie sind nun seit einigen Monaten im Amt, haben sich mit den Aufgaben und Herausforderungen vertraut gemacht. Welche Ziele gehen Sie mit dem Sportbund an?

Rottmüller: Ich bin ja auch im Präsidium des Landessportbundes Rheinland-Pfalz. Und auch hier gibt es einiges zu tun. Mir ist es wichtig, und das ist auch das Ziel von uns allen, dass alle in Rheinland-Pfalz an einem Strang ziehen. Die Zusammenarbeit aller Bünde – Pfalz, Rheinhessen und Rheinland sowie dem LSB selbst – soll ausgebaut werden. Es findet ein reger Austausch statt. Wer hat welche Ideen, wer hat was in petto, wer geht welche Projekte an? Es gibt hier sehr gute Übereinstimmung. Wir haben uns seit meinem Amtsantritt nun schon häufiger getroffen. Es ist wichtig, eng zusammen zu arbeiten, um auch dem Land klar sagen zu können, was wir uns für den Sport wünschen. Und es ist gut, wenn hier alle das gleiche wollen. Und auch im Sportbund Pfalz müssen wir uns Gedanken machen, wie man Vereine für die Zukunft rüsten kann.

Welchen Herausforderungen müssen sich Sportvereine in der heutigen Zeit stellen?

Rottmüller: Es gibt viele Themen. Nicht nur das in diesem Jahr vorherrschende der Europäischen Datenschutzverordnung, die ich im Schlaf aufsagen kann. Das waren die bestbesuchten Seminare in diesem Jahr. Jeder musste sich damit auseinandersetzen. Durch die Digitalisierung der Welt kommt es zu immer weiteren Veränderungen. Da müssen auch Vereine und der Sportbund mitgehen können. Daher freut es mich sehr, dass wir im Präsidium auch zwei jüngere Kollegen neu dabei haben mit Tristan Werner – mit 32 Jahren als Küken – und Rainer Bieling mit seinen 40 Jahren. Damit ist auch hier eine Perspektive gegeben. Die, mit gewohnten Strukturen zu arbeiten, aber auch mit jüngeren Kollegen, die neue Ideen einbringen. Sie sind in der digitalen Welt groß geworden. Anders als wir, die in der Schule noch mit Rechenschieber gearbeitet haben.

Gibt es sonstige Probleme, mit denen sich Vereine auseinandersetzen müssen?

Rottmüller: Wichtig ist zum Beispiel die Frage, wie Vereine sinnvoll in Sportstättenbau investieren, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Wie kann man finanziellen Mehrbelastungen begegnen und Fördermöglichkeiten ausschöpfen. Wichtig ist es mir auch, junge Leute für das Ehrenamt zu gewinnen, sie von dieser Arbeit in Vereinen zu begeistern. Mit modernen Möglichkeiten. Oft heißt es einfach: „Die Zeit haben wir nicht.“ Aber es gibt viele Möglichkeiten, auch von Zuhause aus zu unterstützen. Es muss aber einfach etwas für den sinnhaften Genetationenwechsel in den Vereinen getan werden, um diese für die Zukunft auf sichere Beine zu stellen. Das gleiche gilt auch für die Sportkreise. Sinnvolle Nachfolgen sind wichtig, um Netzwerke nicht zu zerbrechen.

Der Sportbund versteht sich als Dienstleister für die über 2100 pfälzischen Vereine. Wo muss und kann die größte Hilfestellung geleistet werden?

Rottmüller: Der Sportbund kann bei vielen Themen behilflich sein. Nicht nur in Sachen Datenschutzverordnung, die in diesem Jahr wie gesagt dominiert hat. Wir bieten Seminare und Schulungen in allen möglichen Bereichen an, die moderne Vereinsarbeit betreffen. Das alles auch nicht nur in der Theorie. Auch für Übungsleiter und Sportangebote haben wir ein sehr ausgefeiltes Seminarprogramm, das sich an alle möglichen Teilnehmer richtet. Was mir auch sehr am Herzen liegt, ist das Sportabzeichen. Das finde ich eine sehr gute Sache. Zumal man froh sein muss über jeden, der sich heute noch bewegt. Hier hat jeder die Chance, sich zu messen. Vereine müssen aber einfach auch mit der Zeit gehen. Sie müssen sich den Aufgaben und veränderten Anforderungen stellen, um für die Zukunft sicher zu sein. Am Ende muss klar sein, dass Sport im Verein am schönsten ist. Und wenn nur zur dritten Halbzeit mit einem guten isotonischen Getränk (lacht).

Für viele, auch die ältere Generation spielt gerade auch das Beisammensein ja eine große Rolle.

Rottmüller: Ja, auch ältere Menschen wollen noch Sport treiben. Vereine müssen ihnen eine Plattform bieten und genauso offen sein für Neues. Sicher müssen Vereine nicht jede Sau durchs Dorf treiben, aber wenn sich eine neue Trendsportart auftut, dann muss man auch bereit sein, sie seinen Mitgliedern anzubieten. Um damit vielleicht junge neue Mitglieder zu gewinnen.

Waren Sie dem pfälzischen Sport von jeher verbunden?

Rottmüller: Ja, angefangen hat das alles in Kaiserslautern. Als Marketingbeauftragte bei der Sparkasse. Als ich vor kurzem beim Tennisverband Pfalz auf einer Sitzung war, wurde ich gefragt, ob ich mich erinnere, wie lange wir schon zusammenarbeiten; wir sind auf das Jahr 1989 gekommen. Als 1988 der Rheinland-Pfalz-Tag in Kaiserslautern stattgefunden hat, hatte der Kontakt zum Sportbund begonnen. Das ist lange her. Zwischen 1998 und 2009 war ich beruflich in der Republik unterwegs, als ich zurückkehrte, hat mich Martin Schwarzweller (Sportbund-Geschäftsführer) gleich wieder kontaktiert.

Waren oder sind Sie selbst auch sportlich aktiv?

Rottmüller: Im zarten Alter von sechs Jahren habe ich Schwimmen gelernt und war beim KSK Kaiserslautern. In einem Hallenbad, das es heute nicht mehr gibt. Mit nur noch zwei Schwimmbädern in einer Stadt wie Kaiserslautern gibt es auch hier ein Problem. Später habe ich beim Tennisclub Caesarpark Tennis gespielt. Danach bin ich zum Freizeitreiten gekommen. Und mein Vater war 40 Jahre lang Pressereferent beim 1. FC Kaiserslautern. Auch da war ich dem Sport immer verbunden. Am Anfang habe ich mit Schulfreundinnen in der Westkurve gestanden. Ich war bei dem legendären 7:4-Sieg gegen die Bayern auf dem Betzenberg dabei. Wenn man jetzt von außen sieht, wie sich das alles entwickelt hat, tut es einem richtig leid. Im zarten Alter von 50 Jahren habe ich dann mit dem Laufen an der frischen Luft angefangen – und das habe ich bis heute auch beibehalten.

Was steht zum Ausklang des Jahres noch für den Sportbund auf dem Programm? Können Sie schon einen Ausblick auf 2019 geben?

Rottmüller: Ein wichtiger Termin ist Ende Dezember der Hauptausschuss, in dem der Haushalt verabschiedet wird. Da ist sicher mit spitzer Feder zu rechnen, da das Land ja geradeaus fährt. Auch, wenn es seit Jahren zwar das gleiche an Unterstützung gibt, bedeutet es unterm Strich dann doch weniger. Zudem wird auch unser Jahresprogramm für 2019 vorgestellt, in dem der Sportbund Pfalz 70 Jahre jung wird. Dieses Jubiläum wollen wir am 9. September auch gebührend feiern.

Dieses Gespräch führte
Svenja Hofer.

Die neue Präsidentin des Sportbundes Pfalz, Elke Rottmüller, hat im Mai den Staffelstab von Dieter Noppenberger entgegengenommen.
Die neue Präsidentin des Sportbundes Pfalz, Elke Rottmüller, hat im Mai den Staffelstab von Dieter Noppenberger entgegengenommen. FOTO: Sportbund Pfalz