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Triathlon
In Rekordzeit in die deutsche Triathlon-Elite

  In diesem Sommer nahm Noelle Werner auch an der deutschen Triathlon-Meisterschaft bei den „Finals“ in Berlin teil. Dort landete die 15-Jährige bei den Erwachsenen in den Top 10 – und das in ihrer ersten kompletten Triathlon-Saison.
In diesem Sommer nahm Noelle Werner auch an der deutschen Triathlon-Meisterschaft bei den „Finals“ in Berlin teil. Dort landete die 15-Jährige bei den Erwachsenen in den Top 10 – und das in ihrer ersten kompletten Triathlon-Saison. FOTO: Evelina Werner
Zweibrücken. Noelle Werner war eine der vielversprechendsten jungen Schwimmerinnen in der Region. Trotzdem wechselte die heute 15-Jährige 2018 zum Triathlon. Die Ergebnisse in ihrer ersten kompletten Saison in der neuen Sportart stärken den Eindruck, dass ihre Perspektive dort noch viel strahlender aussieht. Von Mirko Reuther

In der Natur sein. Freiheit spüren. Nicht mehr nur die Kacheln am Beckenboden zählen. Das sind die Gründe, die Noelle Werner aufführt, wenn sie erklärt, wie sie 2018 vom Schwimmen zum Triathlon kam. „Im Endeffekt hat mir der Triathlon einfach mehr Spaß gemacht“, meint die 15-Jährige Zweibrückerin resolut – und klingt nicht so, als ob ihr diese Entscheidung heute noch großes Kopfzerbrechen bereitet.

Dabei hatte sie mit dem Schwimmen bereits im Alter von zweieinhalb Jahren begonnen. Mutter Evelina hatte ihre Tochter zum Babyschwimmen bei den Wassersportfreunden Zweibrücken mitgenommen. Und Noelle war dabei geblieben. Und das immens erfolgreich.

Zahlreichen Siegen auf regionaler Ebene folgte die Qualifikation für die Süddeutschen Meisterschaften 2014. Werner stand im saarländischen Landeskader und nahm noch im Sommer 2017 an der deutschen Jugendmeisterschaft der Schwimmer in Berlin teil. Sie wurde dort Zwölfte ihres Jahrgangs über 1500 Meter. Werner galt als großes Talent. Sollte sie diese Perspektive aufgeben für eine Zukunft in einer Sportart, in der sie noch keine Meriten erworben hatte?



„Ich wollte mich zuerst nicht festlegen, habe Schwimmen und Triathlon parallel betrieben. Aber irgendwann habe ich mir gesagt: Du musst dich entscheiden. Sonst wird beides nix“, erzählt Werner, deren zwei Jahre älterer Bruder Nick dem Schwimmen treu geblieben ist und für die WSF Zweibrücken in diesem Jahr an den deutschen Freiwassermeisterschaften teilgenommen hat. „Klar unterstützen wir uns gegenseitig. Er war schon oft bei meinen Triathlon-Wettkämpfen – und umgekehrt“, sagt Werner.

Vor allem ihre Schule, das Sportgymnasium Rotenbühl in Saarbrücken, habe Einfluss darauf genommen, über den Beckenrand zu schauen und sich nicht ausschließlich auf das Schwimmen zu konzentrieren. „Ich habe für meine Schule einmal im Jahr an einem Laufwettkampf teilgenommen. Und den habe ich irgendwie immer gewonnen. Der Direktor hat dann wohl ein Lauftalent in mir gesehen“, berichtet Werner. Auch dass der ehemalige saarländische Landestrainer der Schwimmer, Hannes Vitense, Ende 2017 vom Stützpunkt in Saarbrücken nach Neckarsulm gewechselt war, habe sie in ihrer Entscheidung bestärkt, ergänzt die Athletin. Denn „mit dem Neuen bin ich nicht so gut zurechtgekommen“.

Ihre Wahl hat sie nie bereut. Denn schon in ihrer ersten Saison als Triathletin, die bei ihrem Einstieg schon in vollem Gange war, wurde sie 2018 Dritte bei den deutschen Jugendmeisterschaften. Warum ihr die Umstellung so leicht gefallen sei, könne sie selbst nicht so recht erklären, sagt Werner und muss schmunzeln. Lediglich mit dem Radfahren habe sie zu Beginn Probleme gehabt: „Die hohe Geschwindigkeit bergab – da war ein wenig Angst im Spiel.“

Diese hat sie allerdings schnell in den Griff bekommen. Bei der Jugend-DM in diesem Jahr in Grimma konnte sie ihre Leistung aus der Vorsaison noch einmal toppen und wurde Zweite. Das habe sie selbst überrascht, weil sie zuvor beim Deutschland-Cup „nur Siebte“ (Werner) geworden war und bei der anschließenden DM beim Massenstart der Schwimmer „ziemlich verprügelt“ worden sei. Doch dann konnte sie gerade beim Radfahren und dem Laufen – den Disziplinen, die sie nicht von Kindesbeinen an verfolgt hatte – aufholen und stürmte auf Rang zwei.

In diesem Sommer nahm die Athletin des LAZ Saarbrücken, die in der Triathlon-Bundesliga aber für das Kölner Team KTT01 an den Start geht, sogar an der Triathlon-DM beim Multisportevent „Finals“ in Berlin teil. Das sei nochmal „eine andere Hausnummer“ als ihre üblichen Wettkämpfe gewesen. „Da läuft man mit Olympia-Teilnehmern auf einer Strecke und hat erstmal richtig Respekt. Aber wenn der Startschuss fällt, vergisst man das alles“, erzählt Werner. Hand in Hand mit ihrer Kölner Teamkollegin Sophie Rohr kam sie in Berlin über die Ziellinie. Und das als Acht- beziehungsweise Neuntplatzierte. In der Altersklasse U23 wurde die erst 15-Jährige sogar Siebte.

Noelle Werners Leistungen sind nicht unbemerkt geblieben. Seit ihrem dritten Platz bei der Jugend-DM 2018 wird sie in einem vorläufigen deutschen Nationalkader geführt. Ab dem kommenden Jahr steht sie dank ihrer starken Leistungen 2019 dann im „richtigen“ Nationalkader, erklärt sie

Mit einem 18. Platz beim Europa-Cup in Zagreb ist ihre Saison Mitte September zu Ende gegangen. „Froh über die Verschnaufpause“ sei sie, denn „das erste komplette Jahr im Triathlon war härter als ich gedacht habe“. Für Werner stand in den Herbstferien deshalb erstmal eine Woche Urlaub auf Mallorca und dann eine Woche „Abschalten bei der Familie in Rumänien“ auf dem Programm. Ganz Aussetzen mit ihrem Training konnte sie aber nicht. „Schwimmen und Laufen muss sein – aber nur so viel, dass der Kreislauf in Schwung bleibt.“ Nach den Herbstferien steigt sie wieder ins Aufbautraining ein. Richtig ernst wird es aber erst im Frühjahr mit dem Umstieg auf die fordernden Tempoläufe, bevor im März die ersten Wettkämpfe der neuen Saison anstehen.

An Zielen wird es ihr dann nicht mangeln. „Die Qualifikation für die Jugendweltmeisterschaft habe ich in diesem Jahr knapp verpasst. Da hätte ich in einem Lauf Dritte werden müssen – bin aber nur Fünfte geworden. Das will und das kann ich nächste Saison packen“, sagt Werner voller Selbstbewusstsein.

Klingt ganz so, als würde die Triathlon-Novizin das Gefühl von Natur und Freiheit in Rekordzeit im  Wettkampf gegen die Besten ihrer Zunft genießen dürfen.