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Junioren-Bundesliga
In hitziger Partie kühlen Kopf bewahrt

Felix Dettinger (am Ball) führte die SV 64-A-Junioren mit seinen sieben Toren zum Sieg gegen Stuttgart.
Felix Dettinger (am Ball) führte die SV 64-A-Junioren mit seinen sieben Toren zum Sieg gegen Stuttgart. FOTO: maw / Martin Wittenmeier
Zweibrücken. Die A-Junioren des SV 64 Zweibrücken gewinnen das umkämpfte Bundesliga-Spitzenspiel gegen Stuttgart mit 27:25. Von Roman Kuhn

Die A-Junioren des SV 64 Zweibrücken bleiben weiter die positive Überraschung dieser Bundesligasaison. Das Team von Trainer Klaus Peter Weinert schlug am Sonntagnachmittag den Tabellenzweiten TVB Stuttgart nach einer starken kämpferischen Leistung am Ende völlig verdient mit 27:25 (13:10). Dabei konnten sich die Junglöwen wiederum auf ihren Torwart Benedict Haubeil verlassen, der sich durch etliche Paraden in den Vordergrund spielte. Beste Feldspieler waren Kapitän Sebastian Meister (6 Tore), Spielmacher Felix Dettinger (7/2) und Rückraumspieler Johannes Knoll (6).

Weinert freute sich bereits vor Spielbeginn über das Comeback von Fabian Naumann. Der bullige Rechtshänder stand nach seiner fünf Monate andauernden Leidenszeit erstmalig im Kader der Junglöwen. Im Juli brach sich der Halbangreifer im Training der ersten Mannschaft den Mittelfuß und war seither außer Gefecht gesetzt. Bei seinem ersten Auftritt der Saison sorgte er in der Abwehr für Entlastung und erzielte auch gleich seinen ersten Treffer. Dagegen musste der SV-Coach schmerzlich auf den erkrankten Nico Müller verzichten, der in den zurückliegenden Wochen durch starke Leistungen überzeugte.

Dass der Favorit aus Stuttgart das erste Tor zum 0:1 erzielte, ist nur deshalb so erwähnenswert, weil es die einzige Führung im gesamten Spielverlauf werden sollte. Zwar sahen die etwa 170 Zuschauer in der heimischen Ignaz-Roth-Halle eine spannende, kampfbetonte und vor allem hochemotionale Begegnung, in der beide Mannschaften in Schlagdistanz blieben, doch die Junglöwen hatten immer mit einem bis vier Toren die Nase vorn. Nach ausgeglichenem Beginn (6:5/12.) leitete ausgerechnet eine Zeitstrafe gegen die Hausherren die entscheidende Wende zu Gunsten der Saarpfälzer ein. Spielmacher Felix Dettinger musste nach 14. Spielminuten bereits zum zweiten Mal auf die Strafbank und lief Gefahr, durch eine etwaige dritte Zeitstrafe disqualifiziert zu werden. Doch SV-Trainer Weinert griff in die Trickkiste und machte aus der Not eine Tugend. Er löste den rotgefährdeten Dettinger aus dem Abwehrverband und beorderte ihn als Manndeckung zum besten Torschützen des TVB in der laufenden Saison, Max Oehler. Das Stuttgarter Angriffsspiel geriet ins Stocken und die 64er gewannen die Oberhand. Johannes Knoll traf zum 7:5 und ließ wenig später das 8:5, durch einen Treffer der Güteklasse „unhaltbarer Gewaltwurf“, folgen. Bis zur Pause passierte dann nicht mehr viel. Die Gastgeber verteidigten ihre Drei-Tore-Führung und mit 13:10 wurden die Seiten gewechselt.



Auch im zweiten Durchgang stand das kämpferische Element auf beiden Seiten im Vordergrund. Gemeinsam sammelten die Spieler aus Zweibrücken und Stuttgart am Ende rekordverdächtige 26 Strafminuten ein. Dabei übersahen die Unparteiischen sogar noch eine Tätlichkeit von TVB-Spieler Max Oehler (50.), der den einlaufenden Philipp Baus in Eishockeymanier mit einem Schulter-Check außer Gefecht setzte. Baus musste danach minutenlang behandelt werden und das Schiedsrichtergespann stellte dafür versehentlich auch noch einen völlig unbeteiligten Stuttgarter für zwei Minuten vom Platz. Unnötig Hektik brachte aber vor allem TVB-Trainer Jörg Ebermann von der Seitenlinie ins Spiel, der die beiden Unparteiischen häufig in Diskussionen verwickelte und sich auch mehrfach verbal mit dem Zweibrücker Publikum anlegte.

Doch die SV-Jungs auf dem Spielfeld blieben besonnen und konzentrierten sich auf ihre taktischen und kämpferischen Stärken. Dettinger zog mit Übersicht die Fäden und Sebastian Meister setzte sich am Kreis mit unbändigem Willen – teilweise gegen zwei Gegenspieler – gekonnt durch. Über die Zwischenstände 18:14 (39.), 22:18 (46.) und 27:24 (59.) steuerten die Junglöwen einem verdienten Heimsieg entgegen und haben mit nun 16:6-Punkten bis auf einen Zähler auf das Verfolgerduo aus Pforzheim und Stuttgart aufgeschlossen. An der Spitze thront weiter der verlustpunktfreie Nachwuchs der Rhein-Neckar-Löwen.

Weinert war nach dem nervenaufreibenden Spiel sichtlich geschafft, aber auch voller Stolz auf seine Mannschaft: „Ich weiß, dass wir zu Hause jeden schlagen können. Aber nachdem klar war, dass Nico Müller ausfallen wird und Philipp Meiser gesundheitlich angeschlagen ist, waren meine Hoffnungen auf einen Sieg eher gering. Was meine Jungs über 60 Minuten kämpferisch geleistet haben, war einfach nur unglaublich.“