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Interview der Woche
„Ich will noch eine geile Rückrunde spielen“

Auf Tobias Leonhard (blau) und die SGR wartet in der Rückrunde noch viel Arbeit. Als Zehnter ist der Verbandsligist noch nicht gerettet.
Auf Tobias Leonhard (blau) und die SGR wartet in der Rückrunde noch viel Arbeit. Als Zehnter ist der Verbandsligist noch nicht gerettet. FOTO: MArco Wille / Marco Wille
Rieschweiler. Hoch motiviert geht Björn Hüther in seine letzte Halbserie als Trainer des Fußball-Verbandsligsten SG Rieschweiler.

Überraschend hatte Björn Hüther im November erklärt, die SG Rieschweiler am Saisonende auf eigenen Wunsch zu verlassen. Nach vier Spielzeiten zieht der 40-jährige Trainer im Sommer einen Schlussstrich beim Verbandsliga-Zehnten. Bis dahin will der Polizeibeamte „alles raushauen“, um mit der SGR nicht noch weiter abzurutschen und den Verein nach dem letzten Heimspiel am 19. Mai gegen den FC Kandel mit einem positiven Gefühl zu verlassen.

Herr Hüther, Sie überwintern mit der SG Rieschweiler auf Platz zehn in der Verbandsliga. Wie fällt Ihr Fazit nach der Vorrunde aus?

Björn Hüther: Eher so mittelmäßig. Eigentlich wollten wir schon ein paar Plätze weiter vorne stehen. Aber wenn man sieht, mit welchen Umständen wir fast die gesamte Vorrunde über zu kämpfen hatten, ist das schon in Ordnung, was wir bislang abgeliefert haben. Allerdings müssen wir aufpassen, dass wir nicht noch weiter abrutschen. Sonst wird’s langsam gefährlich.



Dabei war der Saisonstart mit zwölf Punkten aus den ersten sieben Spielen ja durchaus ordentlich. Warum ist Ihre Mannschaft danach in ein Loch gefallen?

Hüther: Zu Beginn hat die Mannschaft gezeigt, dass sie über mehr Qualität verfügt, als es unser jetziger Tabellenstand ausdrückt. In dieser Phase haben wir richtig guten Fußball gespielt. Durch die vielen Verletzten ist uns aber im Laufe der Runde immer mehr die Stabilität abhanden gekommen. Irgendwie ist in dieser Phase der auch Mannschaftsgeist ein wenig verloren gegangen. Und wenn so etwas erst einmal in den Köpfen drin ist, ist es auch ganz schwierig, es da wieder rauszukriegen.

Wie wichtig war da der 3:2-Erfolg am letzten Spieltag vor der Winterpause in Waldalgesheim?

Hüther: Dieser Sieg war Gold wert, vor allem für die Köpfe der Jungs. Wenn du da mit vier oder fünf Niederlagen in die fast dreimonatige Pause gehst, ist das mental sehr, sehr schwierig. Das Spiel hat der Mannschaft gezeigt: ‚Hey, wir können es noch‘ und sollte zusätzlich motivieren. Vom Potenzial sind wir besser als Platz zehn. Aber wenn es fünf Absteiger geben sollte, und beim Blick auf die Oberliga und Regionalliga ist das gar nicht mal so unwahrscheinlich, sind wir derzeit nur drei Punkte vor einem Abstiegsplatz. Von daher müssen weiter konzentriert arbeiten, geschenkt wir uns jedenfalls nichts.

Sie haben die vielen Verletzten bereits angesprochen. Wie schwer wiegen die Ausfälle?

Hüther: In dieser Runde hat uns das schon arg gebeutelt. So viele Ausfälle lassen sich auf Dauer einfach nicht kompensieren. Ein für uns so wichtiger Spieler wie Steffen Sprau (Kreuzbandriss; Anm. d. Red.) hatte in den letzten Monaten richtig die Seuche, war immer wieder verletzt. Dazu kommen dann Max Buchholtz und Luca Brödel, die lange Zeit fehlen, oder Spieler wie Christoph Weis und Dennis Becker, die beruflich so eingespannt sind, dass sie uns oftmals einfach nicht zur Verfügung stehen.

Wird der Verein in der Winterpause darauf reagieren? Gibt es Zu- oder Abgänge?

Hüther: Christoph Stemmler wechselt von der SG Eppenbrunn (Landesliga; Anm. d. Red.) zu uns und soll die Abwehr verstärken. Allerdings wird uns Jannik Steigner verlassen und zu seinem Heimatverein nach Fischbach zurückkehren. Ob sich sonst noch etwas tut, wird sich zeigen.

Auch Sie selbst haben vor wenigen Tagen angekündigt, dass im Sommer nach vier Jahren als SGR-Trainer Schluss ist. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Hüther: Ich habe eigentlich schon das ganze Kalenderjahr über mit diesem Gedanken gespielt und nach reiflicher Überlegung habe ich dem Verein dann Anfang November meinen Entschluss mitgeteilt. Die Mannschaft war schon überrascht, als ich es ihnen erzählt habe. Aber die Arbeit ist so intensiv geworden, dass ich diesen Schritt jetzt einfach machen musste. Auch wenn er mir wirklich sehr, sehr schwer gefallen ist.

Wie groß ist Ihre Motivation, mit der SGR in der Rückrunde noch einmal anzugreifen?

Hüther: Ganz ehrlich, ich habe mir vorgenommen, noch einmal alles rauszuhauen, was geht. Ich will mit den Jungs noch eine geile Rückrunde spielen und mit einem positiven Gefühl gehen. Gerade weil das Team und ich so ein gutes Verhältnis haben.

Sie starten erst am 4. März gegen Arminia Ludwigshafen in die Rückrunde. Ist es ein Vor- oder Nachteil, dass es direkt gegen den Tabellenführer geht?

Hüther: Eigentlich kommt uns das Spiel gegen Ludwigshafen ganz gelegen. Danach wissen wir gleich, wo wir stehen und haben zudem den dicksten Brocken schon aus dem Weg. Viel ärgerlicher ist es, dass wir erst am dritten Spieltag des neuen Jahres einsteigen. Die anderen Teams sind dann schon zwei Wochen im Ligabetrieb und hatten Zeit, sich einzuspielen.

Gibt es schon einen Fahrplan für die Winterpause?

Hüther: Trainieren werden wir in den nächsten Wochen erstmal nicht, die Jungs brauchen jetzt einfach mal ne‘ Pause. Aber vier oder fünf Hallenturniere sind im Winter geplant. In die Vorbereitung auf die Rückrunde steigen wir dann wieder am 23. Januar ein.

Das Interview führte Martin Wittenmeier

Björn Hüther verlässt die SGR im Sommer nach vier Jahren.
Björn Hüther verlässt die SGR im Sommer nach vier Jahren. FOTO: Martin Wittenmeier