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„Ich glaube an die Jungs“

Marcel Nguyen soll die deutschen Turner in Rio zur Olympia-Qualifikation führen. Foto: settnik/dpa
Marcel Nguyen soll die deutschen Turner in Rio zur Olympia-Qualifikation führen. Foto: settnik/dpa FOTO: settnik/dpa
Rio de Janeiro. Auch ohne den verletzten Fabian Hambüchen wollen die deutschen Kunstturner an diesem Wochenende in Rio de Janeiro ihre Mannschafts-Tickets für die Olympischen Spiele im August an gleicher Stelle lösen. Sid-Mitarbeiterandreas Frank

Antreten zum Nachsitzen: Während Fabian Hambüchen seine lädierte Schulter pflegt, müssen und wollen seine Teamkollegen ihre zweite und letzte Olympiachance nutzen. Rang neun bei den letztjährigen Weltmeisterschaften in Glasgow war zu wenig. Nun gilt es, am Wochenende in Rio de Janeiro eines der letzten vier Mannschafts-Tickets für die Spiele im August an gleicher Stelle zu ergattern.

Mehr als Daumendrücken ist für den ehemaligen Reck-Weltmeister derzeit nicht drin, doch sein Optimismus ist groß. "Ich glaube fest an die Jungs. Es müsste mit dem Teufel zugehen, dass es nicht klappt", sagte der 28-jährige Hambüchen. Wenn es an diesem Samstag (15.30 Uhr) in Brasilien ernst wird, darf Bundestrainer Andreas Hirsch durchaus darauf bauen, dass seine Routiniers die nötigen Punkte einfahren. Reck-Spezialist Andreas Bretschneider überraschte im März beim Weltcup-Turnier in Stuttgart mit einem Sieg im Mehrkampf, und auch der Olympia-Zweite Marcel Nguyen bewies aufsteigende Form.

Deshalb hat der Cheftrainer mit den ins Kraut schießenden Hochrechnungen, wie viele Zähler durch den erzwungenen Startverzicht Hambüchens fehlen könnten, nichts am Hut: "Es ist sinnlos, als Leidensgemeinschaft zu starten. Wir haben ein klares Ziel vor Augen, und daran orientieren wir uns."

Ganz ähnlich ist die Ausgangslage der deutschen Turnerinnen. Mit dem Unterschied allerdings, dass sich eine beim Turnier der Meister in Cottbus erlittene Schulterverletzung der Saarländerin Pauline Schäfer als eher harmlose Zerrung entpuppte. Deutschlands Turnerin des Jahres, die dank ihrer WM-Bronzemedaille am Schwebebalken als einzige bereits sicher für Olympia qualifiziert ist, wird nur sicherheitshalber auf einen Start am Stufenbarren verzichten. "Da wollen wir mit Pauline kein Risiko eingehen", sagte Bundestrainerin Ulla Koch vor der entscheidenden Qualifikationsrunde am Sonntag (21.30 Uhr). Denn gerade am Doppelreck hat die Teamchefin exzellente Alternativen. Auch Sophie Scheder zählt an diesem Gerät zur Weltklasse und machte überdies durch einen überraschenden Triumph im Mehrkampf beim DTB-Pokal in Stuttgart von sich reden.

Der Qualifikations-Marathon geht im übrigen in der kommenden Woche weiter. Ihre Olympiachance suchen dann Trampolinturnerin Leonie Adam aus Stuttgart am Dienstag (19 Uhr MESZ), die beiden Einzelgymnastinnen Jana Berezko-Marggrander (Schmiden) und Laura Jung aus St. Wendel am Donnerstag (18 Uhr MESZ) sowie die DTB-Gruppe am Freitag (16 Uhr MESZ). Schon jetzt steht aber fest, dass die olympische Entscheidung im Trampolinturnen der Männer ohne deutsche Beteiligung stattfinden wird.