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EM-Ausblick
Hussong nimmt Medaille ins Visier

Die deutsche Meisterin Christin Hussong geht mit viel Selbstvertrauen in den Speerwurf-Wettkampf der EM in Berlin.
Die deutsche Meisterin Christin Hussong geht mit viel Selbstvertrauen in den Speerwurf-Wettkampf der EM in Berlin. FOTO: dpa / Sven Hoppe
Zweibrücken/Berlin. Christin Hussong ist bereit für die Heim-EM: In Berlin hofft die Speerwerferin des LAZ Zweibrücken, am Freitag um die Medaillen mitwerfen zu können. Zunächst muss sie aber die Quali überstehen. Von Svenja Hofer

Die Anspannung steigt, noch mehr aber die Vorfreude auf den Saisonhöhepunkt. „Endlich geht es los“, sagt Christin Hussong. Nach kräftezehrender Vorbereitung, nach starken Wettkämpfen rückt der Start bei den Heim-Europameisterschaften in Berlin, auf die seit Monaten alles ausgerichtet ist, immer näher. Seit gestern ist die Speerwerferin des LAZ Zweibrücken in der Hauptstadt. Jetzt richtet sich der Fokus voll und ganz auf den wichtigsten Wettkampf des Jahres.

Von zu großen Erwartungshaltungen, von zu enormem Druck, gerade bei dem Großereignis im eigenen Land, spürt Christin Hussong aber nichts. Diese Selbstsicherheit der 24-Jährigen ist dabei keinesfalls ein Selbstverständnis. Gerade einmal ein Jahr ist es her, als sie wie ein Häufchen Elend, komplett verzweifelt, im Londoner Olympiastadion saß. Die WM war schon nach der Quali gelaufen für die Herschbergerin. Dieses Schicksal hatte sie bereits bei den Olympischen Spielen in Rio ein Jahr zuvor ereilt. Nach intensiver Arbeit an der Technik im Winter, nach vielen Umstellungen hat sich Christin Hussong allerdings beeindruckend zurückgemeldet. Im Saisonverlauf sehr gute Würfe jenseits der 63 Meter abgeliefert. „Ich denke, die konstanten Weiten geben Christin Selbstvertrauen. Druck wird sie sich keinen machen“, ist sich Vater und Trainer Udo Hussong sicher, der gemeinsam mit seiner Tochter akribisch auf die EM in Berlin hingearbeitet hat. In den letzten Tagen noch einmal beim gemeinsamen DLV-Trainingslager in Kienbaum. „Es läuft alles richtig gut, Christin ist fit.“

In den letzten Tagen und Stunden vor der Qualifikation am Donnerstag ab 12.30 Uhr geht es für die Herschbergerin nun vor allem nochmal darum, sich mit den Abläufen vor Ort vertraut zu machen. „Es wird auch noch eine Einheit geben, noch ein bisschen Bewegung“, sagt Udo Hussong. Und dann steht im Berliner Olympiastadion auch schon der Quali-Wettkampf an. Der ganz anders laufen soll als in Rio und London. Auch darauf hat Hussong bestmöglich hingearbeitet. Bei der deutschen Meisterschaft vor zweieinhalb Wochen hat sie alles in die ersten drei Würfe gelegt, Quasi als Simulation für die EM-Qualifikation. Das hat ganz gut funktioniert. Und Udo Hussong ist sich sicher, dass seine Tochter bei der EM noch ordentlich was auf die 63,54 Meter, die zum DM-Titel reichten, drauf packen kann.



Eine positive Rolle kann dabei auch das Publikum spielen. „Das Stadion wird voll sein – und wie man von den Athleten, die bereits im Wettkampf sind, hört, ist die Stimmung sehr gut“, erklärt Udo Hussong. Das könne Athleten tragen.

Mit fünf Wettkämpfen mit Weiten jenseits der 63 Meter, darunter der starke Ausrutscher nach oben auf 66,36 Meter, bringt Christin Hussong ohnehin eine starke Saisonbilanz mit. Die 24-Jährige geht als derzeit Dritte der europäischen Jahresbestenliste an den Start. Doch die Spitze ist eng beisammen. „Alle Athletinnen zwischen Rang eins und sechs der Bestenliste können den Sprung nach ganz vorne schaffen“, betont Udo Hussong. Vor der Werferin des LAZ Zweibrücken liegen dort die Weißrussin Tatsiana Khaladovich (67,47 m) und die Polin Marcelina Witek (66,53 m). In ähnliche Sphären sind in dieser Saison bereits die Slowenin Martina Ratej (66,10 m), die Tschechin Nikola Ogrodníková (65,61 m) sowie die Türkin Eda Tugsuz (65,20 m) vorgestoßen. Und sicher werde auch eine der dahinter liegenden Werferinnen oben mitmischen können. „Eine Überraschungskandidatin gibt es fast immer“, sagt Udo Hussong.

Eine Überraschung wäre eine Medaille für Christin Hussong nicht mehr. Ganz sicher würde Edelmetall in Berlin für die deutsche U23-Rekordlerin und U23-Europameisterin von 2015 allerdings den endgültigen internationalen Durchbruch bei den Aktiven bedeuten. „Ich will zeigen, dass ich die großen Weiten auch in einem großen Stadion werfen kann und nicht nur irgendwo auf einer grünen Wiese“, macht Christin Hussong ihre Ambitionen deutlich. „Ist das vorrangige Ziel, zunächst einmal die Qualifikation zu überstehen geschafft, „dann will ich im Finale (Anm.: Freitag ab 20.25 Uhr) auch um die Medaillen mitwerfen“.