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Leichtathletik
Hussong kommt pünktlich zur WM in Fahrt

 LAZ-Speerwerferin Christin Hussong kämpft am Sonntag bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in London in der Qualifikation um den Einzug ins Finale am Dienstag. Mit dem neu gewonnenen Selbstvertrauen sollte das kein Problem sein.
LAZ-Speerwerferin Christin Hussong kämpft am Sonntag bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in London in der Qualifikation um den Einzug ins Finale am Dienstag. Mit dem neu gewonnenen Selbstvertrauen sollte das kein Problem sein. FOTO: dpa / Sven Hoppe
Zweibrücken. Heute macht sich die Speerwerferin des LAZ Zweibrücken auf den Weg nach London. Als beste Deutsche in ihrer Disziplin. Das Finale ist bei dem Großereignis das Minimalziel der 23-Jährigen. Von Svenja Hofer

Nervös wirkt Christin Hussong nicht so kurz vor den Weltmeisterschaften in London. Noch nicht zumindest. Die letzten Wochen der Vorbereitung auf das Saison-Highlight haben der Speerwerferin des Leichtathletikzentrums (LAZ) Zweibrücken aber auch noch einmal dringend nötiges Selbstvertrauen gegeben. Nach ihrem Wurf über 64,18 Meter und damit dem Sieg beim EAA-Meeting in Luzern Anfang Juli kann sich die 23-Jährige heute mit gestärktem Rücken auf den Weg Richtung Großbritannien machen.

Dabei hat Christin Hussong bislang keine perfekte Saison hinter sich. So häufig wie in diesem Jahr sah man selten eine ernste, fast verzweifelte Miene bei der  Herschbergerin. Obwohl sie im Mai in Halle sehr früh die WM-Norm mit 61,91 Metern um 50 Zentimeter übertraf, wollte ihr Wurfgerät in den folgenden Wettkämpfen nicht so richtig ins Fliegen kommen. Häufig blieb sie bei Weiten um die 60 Meter, bei den deutschen Meisterschaft als Zweite sogar knapp darunter. „Im Training lief alles super, aber im Wettkampf habe ich es einfach nicht hinbekommen, den Speer zu treffen“, erklärte die LAZ-Athletin.

Hussong mit Problemen die Technik im Wettkampf umzusetzen



Dabei hatte sie gemeinsam mit Vater und Trainer Udo Hussong intensiv an der Technik gefeilt, an Timing und Stemmschritt. Um so wertvoller war für die Studentin die Bestätigung in Luzern mit der neuen deutschen Jahresbestleistung. „Der Wettkampf war schon enorm wichtig, um mir Selbstsicherheit zu holen“, betont Hussong, der die Erleichterung nach diesem Meeting deutlich anzumerken war. „Man wusste die ganze Zeit, dass noch viel mehr geht, aber im Wettkampf wollte es einfach nicht klappen, das war wirklich zum Verzweifeln.“

Doch all diese Zweifel lässt die U23-Europameisterin vor London nun hinter sich. „Die Vorbereitung auf die WM ist wirklich gut gelaufen. Wir waren zuletzt noch zehn Tage in Keinbaum. Da war alles super. Jetzt freue ich mich riesig auf den Wettkampf“, sagt Hussong. Zu dem sie, wie sie es Anfang des Jahres als Ziel ausgab, nach ihrem 64-Meter-Wurf und damit ihrer viertbesten Weite überhaupt, auch als beste Deutsche fährt. „Bei der DM ist es leider nicht so gelaufen, wie erhofft. Aber jetzte hat es ja doch noch geklappt, an Katharina (Molitor, Anm. d. Red) vorbeizuziehen.“ Jetzt allerdings zähle eh nur das Abschneiden bei der WM. Zu der Katharina Molitor (Bayer Leverkusen) als Titelverteidigerin fährt. Christin Hussong hat bei ihrer ersten und bisher einzigen Aktiven-WM vor zwei Jahren in Peking Rang sechs belegt.

Kolak und Spotakova als Favorit

Und wie damals lautet auch in London das vorrangige Ziel der Herschbergerin: „Erst einmal die Quali überstehen. Das ist für jeden die erste Hürde, an der auch schon große Namen gescheitert sind. Bei Großereignissen sind es einfach besondere Umstände.“ Dann wolle sie sehen, was im Finale drin ist. Die Topfavoritinnen auf den Titel seien ganz klar die beiden Führenden der Weltjahresbestenliste Sara Kolak aus Kroatien (68,43m) und Weltrekordlerin Barbora Spotakova (Tschechien, 68,26m). „Allerdings sind wir Speerwerferinnen in der Weltspitze alle sehr eng zusammen.“ Einige haben in diesem Jahr bereits Weiten von 66 Metern stehen. Dimensionen, in die aber auch Hussong und Molitor vorstoßen können. „Es ist alles drin, wir haben alle Chancen. Zumal es im Speerwurf sehr schnell nach unten, aber auch nach oben gehen kann – an dem Tag braucht man einfach auch ein bibsschen Glück“, sagt Christin Hussong.

Erstmals bräuchte die Werferin des LAZ Zweibrücken dieses am kommenden Sonntagabend ab 20 Uhr in der Qualifikation. Läuft dort alles rund, steigt bei Christin Hussong Richtung Dienstag, 8. August, wenn ab 20.20 Uhr das WM-Finale im Londoner Olympiastadion ansteht, sicher noch einmal die Anspannung.