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Viel Frust, offener Brief
Hornets schlittern dem neuen Jahr entgegen

 Symbolisch für eine bislang ziemlich durchwachsene Runde: Hornets-Verteidiger Aric Schinke (Mitte) liegt am Boden, während die Gegner zumeist obenauf sind.
Symbolisch für eine bislang ziemlich durchwachsene Runde: Hornets-Verteidiger Aric Schinke (Mitte) liegt am Boden, während die Gegner zumeist obenauf sind. FOTO: Norbert Schwarz / nos
Zweibrücken. Nicht erst nach dem 4:6 in Bietigheim läuft der EHC Zweibrücken Gefahr, in dieser Saison die Playoffs zu verpassen. Viele Anhänger des Regionalliga-Meisters sind enttäuscht, einige haben ihrem Frust inzwischen Luft gemacht. In einem offenen Brief versucht der Vorstand, sich zu erklären.

Ganz und gar nicht besinnlich klingt das Jahr für den EHC Zweibrücken aus. Sportlich hinkt der amtierende Meister der Eishockey-Regionalliga Südwest den eigenen Ansprüchen hinterher und droht, erstmals seit drei Spielzeiten wieder die Playoffs zu verpassen. Nach der 4:6 (2:3/1:1/1:2)-Niederlage am Freitagabend bei den Bietigheim Steelers 1b überwintern die Hornets lediglich auf Rang fünf. Unter den Fans wird Kritik laut. Der Vorstand hat darauf reagiert und sich kurz vor Weihnachten zu Wort gemeldet.

Anders als beim zeitweise desaströsen Auftritt eine Woche zuvor in Eppelheim (4:8) stimmte bei den Steelers immerhin die Einstellung des Zweibrücker Minikaders. Nachdem Steven Teucke, Felix Stokowski, Marc Lingenfelser, Michael Neumann und Andre Nunold ihrem Trainer Tomas Vodicka aus beruflichen Gründen abgesagt hatten und zudem Kenny Matheson (Sperre) sowie die angeschlagenen Pascal Sefrin und Marco Voltz passen mussten, machten sich die Hornets fast mit dem letzten Aufgebot auf den Weg zum Tabellenzweiten. „Unter diesen Umständen haben die Jungs ihre Sache wirklich ordentlich gemacht. Ich wollte sehen, dass die Mannschaft wieder kämpft und sich gegenseitig unterstützt. Auch wenn es sich vielleicht komisch anhört: Die Leistung war mir heute wichtiger als die drei Punkte“, zog Vodicka trotz der Niederlage ein versöhnliches Fazit des letzten Spiels des Jahres.

Die Anfangsphase in der Ege-Trans-Arena gehörte aber eindeutig den Hausherren. In der achten Minute war Mathias Vostarek mit dem 1:0 zur Stelle. Kurz darauf schwächten sich die Hornets selbst. Mit Stephen Brüstle (Beinstellen) und Brad Cuzner (Stockcheck) mussten gleich zwei Zweibrücker auf die Strafbank. Die doppelte Überzahl nutzte Vostarek (14.) zum 2:0 und Mike Weigandt legte 60 Sekunden später sogar den dritten Bietigheimer Treffer nach. Der EHCZ ergab sich aber nicht in sein Schicksal, sondern schlug noch vor der Drittelpause zurück. Zunächst verwertete Youngster Robin Spenler (17.) ein Zuspiel von Benedikt Peters zum 1:3. In der Schlussminute des ersten Abschnitts war es „Stand-by-Spieler“ Peters selbst, der ein Zweibrücker Powerplay erfolgreich abschloss. Der 31-jährige Stürmer war im Sommer berufsbedingt nach Rosenheim gezogen und reist – wenn es zeitlich hinhaut – aus Bayern an, um den Hornets auszuhelfen.



Nach dem Wechsel wurde es ruppiger: Viel Eishockey wurde den Zuschauern nicht geboten, dafür herrschte auf beiden Strafbänken Hochbetrieb. Gleich sechs Mal erwischte es Bietigheimer Spieler, die jeweils zwei Minuten von den Unparteiischen aufgebrummt bekamen. Den Hornets gelang es allerdings nicht wirklich, Kapital daraus zu schlagen. Stattdessen verschuldete man in Überzahl einen Penalty, den Vostarek (29.) mit seinem dritten Treffer gegen Tobias Chadim im EHC-Tor zum 4:2 verwandelte. Wie schon im Eingangsdrittel belohnten sich die Hornets erst spät für den betriebenen Aufwand. Zwei Bietigheimer hatten gerade auf der Strafbank Platz genommen, als Florian Wendland (37.) nach Vorlage von Brad Cuzner und Stephen Brüstle zur Stelle war und den erneuten Anschluss herstellte, mit dem es auch in die letzte Pause ging.

Der leisen Zweibrücker Hoffnung, vielleicht doch einen Punkt mit nach Hause nehmen zu können, versetzte Marco Windisch in der 46. Minute den nächsten Dämpfer. Nach dem 3:5 waren die Hornets zwar bemüht, die Partie noch zu drehen, aber es fehlte an Durchschlagskraft. Als Steelers-Angreifer Kevin Malez gut drei Minuten vor dem Ende wegen Beinstellens auf die Strafbank musste, setzte Vodicka alles auf eine Karte. Er nahm Torwart Tobias Chadim vom Eis und brachte einen sechsten Feldspieler. Doch dieser letzte Schachzug ging nicht auf. Bietigheim eroberte im eigenen Drittel den Puck und Lars Heintz (58.) traf zum 6:3 ins verwaiste Zweibrücker Tor. Damit war die Partie entschieden, denn mehr als der 4:6-Endstand durch Peters sprang nicht mehr heraus.

Vodicka hat die Playoffs trotz der dritten Niederlage in Folge noch nicht aufgegeben. „Es sind noch 21 Punkte zu vergeben. Von daher gibt es keinen Grund, die Saison schon abzuhaken“, erwartet der Zweibrücker Coach Vollgas von seiner Mannschaft in den verbleibenden sieben Hauptrundenspielen. Denn der Rückstand auf den ESC Hügelsheim, der allerdings eine Partie weniger absolviert hat, beträgt nur einen Punkt. Durch eine 4:5-Niederlage gegen Tabellenführer Heilbronn verpasste es Hügelsheim am Samstag, mit einem größeren Polster auf die Hornets in das neue Jahr zu gehen.

Obwohl die Runde sportlich also noch gerettet werden kann, rumort es in den letzten Wochen rund um die Peter-Cunningham-Memorial-Arena. Bei einigen Fans macht sich Unmut über das bislang eher enttäuschende Abschneiden in dieser Saison breit. Nachdem es in den letzten Tagen vor allem in den sozialen Medien Kritik hagelte, versucht der Vorstand, die Wogen zu glätten und hat kurz vor Weihnachten auf seiner Facebook-Seite offiziell Stellung bezogen, „um das Ganze nicht eskalieren zu lassen“. Man stehe geschlossen hinter der Mannschaft, dem Trainerteam und der sportlichen Leitung und glaube fest daran, dass die Playoff-Plätze noch erreicht würden, heißt es in dem Statement. Den Vertrag mit Matus Zaborsky, einem der drei Ausländer im Kader, habe man rechtzeitig aufgelöst, um dem Slowaken die Möglichkeit zu geben, sich nach einem neuen Verein umsehen und wechseln zu können. Nach der Verpflichtung von Brad Cuzner Mitte November sei es nicht möglich gewesen, weiterhin einen dritten Kontingentspieler zu finanzieren. Entgegen hartnäckiger Gerüchte sei Zaborsky aber nicht rausgeschmissen worden.

Eine weitere Personalentscheidung hat der EHC Zweibrücken abseits des Eises gefällt. Nachdem es zuletzt Meinungsverschiedenheiten zwischen Mediendirektor David Betz und den Fans gegeben habe, „habe man sich geeinigt, ab sofort getrennte Wege zu gehen“, teilt der Vorstand mit. Betz hatte zur Saison 2016/17 die Pressearbeit bei den Hornets übernommen. Ein neuer Pressesprecher werde gesucht, ebenso liefen die Planungen für die kommende Spielzeit bereits.

Für den EHCZ geht der Kampf um die Playoff-Plätze mit einem Heimspiel weiter. Erster Gegner im neuen Kalenderjahr ist am Sonntag, 7. Januar, der Vorletzte Stuttgart Rebels. Beginn in der Zweibrücker Ice-Arena ist um 19 Uhr.