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Eishockey
Hornets droht Ausschluss vom Spielbetrieb

Viel Grund zum Jubeln hatten die Hornets nach den verpassten Play-Offs in dieser Runde nicht. Jetzt kommt auch noch der Ärger um das rheinland-pfälzische Pokalfinale dazu.
Viel Grund zum Jubeln hatten die Hornets nach den verpassten Play-Offs in dieser Runde nicht. Jetzt kommt auch noch der Ärger um das rheinland-pfälzische Pokalfinale dazu. FOTO: Marco Wille / Marco Wille; (mw); www.marcowill
Zweibrücken. Weil der EHC Zweibrücken auf das Pokalfinale gegen Diez-Limburg verzichten wollte, prüft der Rheinland-Pfälzische Eis- und Rollsportverband Sanktionen. Dem EHC könnte das Startrecht in der Regionalliga aberkannt werden. Von Eric Kolling

Das Finale um den Rheinland-Pfalz-Pokal zwischen dem EHC Zweibrücken und der EG Diez-Limburg war von den Hornets im Grunde schon abgesagt. Doch gestern Abend machten die Zweibrücker plötzlich die Rolle rückwärts: „Unsere sportliche Leiterin, Christina Fischer, wird sich mit der EG Diez-Limburg in Verbindung setzen, um mögliche Spieltermine abzustimmen“, lautete der wichtigste Satz einer schriftlichen Stellungnahme des Vorstandes. Verwunderlich ist die Kehrtwende nicht: Denn im schlimmsten Fall droht den Hornets bei einer Absage sogar der Ausschluss aus der Regionalliga. Aber wie konnte es dazu überhaupt kommen?

Es war eine Whats-App-Nachricht, die die Lage eskalieren ließ. „Sorry, wir kriegen keine Mannschaft zusammen. Ich sage hiermit definitiv das Pokalspiel ab.“ Das soll Steffen Hafner, Vorsitzender der Zweibrücker Hornets, den Verantwortlichen der EG Diez-Limburg mitgeteilt haben. So stellt es Diez seit vorgestern auf seiner Facebook-Seite dar. Beide Clubs hätten im Endspiel des Rheinland-Pfalz-Pokals in zwei Partien aufeinander treffen sollen. Der ECHZ-Ex-Coach Tomas Vodicka hatte aber schon vor einem Monat angedeutet, dass daraus wohl nichts wird. Doch warum eigentlich?

Die Sicht von Gegner Diez-Limburg: Bei einer Arbeitstagung im Frühjahr 2017 habe der auch für das Eishockey zuständige Rheinland Pfälzische Eis- und Rollsportverband (RPERV) festgelegt, dass auch in dieser Saison ein Rheinland-Pfalz-Pokal (mit nur vier Teilnehmern, der Verband zählt nicht mehr Mitglieder) ausgetragen werden soll. Die Favoriten Diez-Limburg und EHC Neuwied hätten gegeneinander antreten, die Hornets parallel auf Bitburg treffen sollen. Im Falle eines Finaleinzugs hätten die Hornets dort Heimrecht beim entscheidenden Rückspiel gehabt.



Die Zweibrücker schlugen wie erwartet das klassentiefere Bitburg, doch in der Liga lief es nicht rund. Die Hornets verpassten die Play-Offs und Leistungsträger wie Aric Schinke und Kenneth Matheson verließen den Club noch unter der Runde. Zweibrücken wolle das Finale daher nicht spielen, schreiben die Diezer, die auch von einer „Farce“ sprechen. „Wir hätten nahezu jeden Spieltermin akzeptiert, wären auch unter der Woche oder an einem Samstagmittag nach Zweibrücken gefahren. Hauptsache, dieses Finale findet statt“, so die zitierte Aussage von EG-Trainer Arno Lörsch.

Von Zweibrücker Seite wollte sich am Mittwoch auf Merkur-Nachfrage kein Verantwortlicher zu den Vorwürfen äußern. In der gestern Abend veröffentlichten Stellungnahme bestreiten die Hornets die Darstellung der Diezer allerdings vehement. Bereits seit Januar habe man sich mit dem Gegner um einen möglichen Spieltermin bemüht. Doch schon damals sei abzusehen gewesen, dass die Hornets die Playoffs verpassen – und damit am 11. Februar alle Spielerverträge der laufenden Saison enden. Dennoch habe der EHC das Pokalfinale nicht kategorisch abgelehnt Im Gegenteil: Den Samstag – und das ist das genaue Gegenteil von dem, was Lörsch nun sagt – hätten die Diezer als Spieltermin abgelehnt. Zudem hätte der EHC vorgeschlagen, beide Endspiele in einer Begegnung oder vor der beginnenden Saison 2018/2019 auszutragen. Doch auch damit sei man bei Diez-Limburg auf taube Ohren gestoßen.

Trotzdem: Bei der EG war man nach der endgültigen Absage der Hornets richtig angefressen. Habe die Absage Bestand, werde es unter seiner Leitung keine Teilnahme am Pokal mehr geben, erklärte Lörsch und ergänzte: „Wir haben uns sportlich für das Finale in zwei harten und engen Spielen gegen Neuwied qualifiziert. Jetzt wollen wir unseren Zuschauern und auch den Spielern das Erlebnis Pokalfinale ganz sicher nicht nehmen.“ Die Hornets könnten aus den Akteuren ihrer ersten und zweiten Mannschaft ein Team fürs Endspiel bilden, gegen das die Diezer auch mit einer geschwächten Mannschaft anträten, so ein Kompromissvorschlag. Es gehe nicht um ein Schützenfest, sondern um Sport und Fairness, wird Lörsch zitiert.

Die Diezer schreiben von „zusätzlicher Würze“ angesichts der Tatsache, dass der 2. Hornets-Vorsitzende Steffen Bruck auch 2. Vorsitzender im RPERV ist. Der unausgesprochene Vorwurf: Das Verhalten der Zweibrücker habe offenbar keine Konsequenzen, während der Verband Diez-Limburg und Neuwied bei ähnlicher Ausgangslage gedroht habe: Als diese sich nicht auf einen Pokaltermin einigen konnten, habe der Entzug der Spielberechtigung für die Regionalliga im Raum gestanden. Droht dies nun auch dem EHC, sollte das Finale platzen?

Zumindest straflos dürften die Hornets nicht ausgehen, sagt Christian Bongibault, der Geschäftsführer und Schatzmeister des RPERV auf Merkur-Anfrage. Er bestätigt im Wesentlichen die Darstellung von Diez: „Zweibrücken ist an der Misere schuld. Der Gegner wollte spielen. Aber alles ist abgelehnt worden.“ Der Verband habe „mehrmals interveniert, dass die Hornets antreten sollen. Sie sagen, sie hätten keine Spieler mehr. Wir sind nicht glücklich darüber, aber können niemanden zwingen!“ Noch vor zwei Wochen habe EHCZ-Chef Steffen Hafner eine Austragung „streng abgelehnt“. Bongibault schließe daher nicht aus, dass man den Hornets nächste Saison verbiete, in Baden-Württemberg in der Liga zu spielen. Eine solche Erlaubnis müsse der Verband nämlich aussprechen. „Das hat aber noch Zeit, damit würden wir ja auch die Fans bestrafen“. Sicher würden die Zweibrücker zur Kasse gebeten: 1000 Euro Strafe für das Zurückziehen der Mannschaft aus dem Pokalwettbewerb würden laut Verbandsgebührenordnung fällig. Dazu nochmal 300; 100 für jede der drei übrigen Mannschaften. „Wir werden das Geld wohl den Diezern zukommen lassen“, so Bongibault. Heißt auch: Der Verband sieht im Wortlaut der aus Diez weitergeleiteten Whats-App-Nachricht einen Mannschaftsrückzug und nicht „nur“ das Schenken eines Spiels. Das einfache Nichtantreten würde lediglich 300 Euro Strafe plus Eiskosten des Gegners und 260 Euro an den Verband kosten, erläutert Bongibault.

Das Hickhack um das Pokalspiel ist für Bongibault nur ein Baustein einer misslichen Lage des Verbandes. Man habe zu wenige Eisflächen im Land, der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) konzentriere sich nur auf erste und zweite Liga und helfe dem RPERV in keinerlei Hinsicht. Eine früher von Schott gesponserte Mainzer Mannschaft etwa spiele heute in einer „wilden“ Liga und sei aus dem Verband ausgetreten, auch Ludwigshafen sei nicht mehr im Verband. Die vier restlichen Mitglieder könnten keine eigene Liga bilden und müssten in anderen Bundesländern antreten. Der Pokal – an dem man festhalten wolle – biete die einzige Möglichkeit, dass die Vereine aus dem gleichen Bundesland sich messen können. Doch beim Match zwischen Diez-Limburg und Neuwied habe es sogar Ausschreitungen gegeben, sagt Bongibault. „Gerade jetzt, wo Eishockey so aktuell ist, nachdem die Olympia-Mannschaft Silber geholt hat, passieren bei uns diese Dinge.“ Da klingt Resignation mit. Sollte das Pokalfinale zwischen Zweibrücken und Diez doch noch stattfinden – es wäre zwar kein Happy End. Für den Verband, die Fans und den Eishockeysport käme es aber zumindest einem leidlich versöhnlichen Abschluss gleich. Und den Hornets bliebe womöglich ein Schaden erspart, der weitaus schlimmer als nur finanzieller Natur sein könnte.