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Zurück in der Weltspitze
Holzdeppe springt Weltjahresbestleistung

Große Erleichterung: Raphael Holzdeppe siegt in Karlsruhe mit Hallenbestleistung von 5,88 Metern.
Große Erleichterung: Raphael Holzdeppe siegt in Karlsruhe mit Hallenbestleistung von 5,88 Metern. FOTO: Uwe Anspach / dpa
Karlsruhe. Der Stabhochspringer des LAZ Zweibrücken bezwingt beim Meeting in Karlsruhe Weltrekordler Renaud Lavillenie mit 5,88 Metern. Von Svenja Hofer

Beide Hände zur Faust geballt schießen in die Höhe, ein breites Grinsen steht Raphael Holzdeppe im Gesicht. Der erste Weg führt den Stabhochspringer des LAZ Zweibrücken zu Trainer Andrei Tivontchik. Die Freude und Erleichterung ist beiden deutlich anzusehen. Endlich ist der Knoten nach guten Trainingsleistungen auch im Wettkampf geplatzt. Mit neuer Hallenbestleistung von 5,88 Metern setzt er sich am Samstag nicht nur beim Indoor-Meeting in Karlsruhe vor Weltrekordhalter Renaud Lavillenie (Frankreich) durch, sondern katapultiert sich damit auch zurück in die Weltspitze. Die Sieghöhe des 28-Jährigen bedeutet die Führung in der Weltjahresbestenliste, die bislang Lavillenie (5,86 m) innehatte. Zugleich hakte der Zweibrücker auch die Norm (5,78 m) für die Hallen-Weltmeisterschaften Anfang März in Birmingham (Großbritannien) ab. „Für mich war das ein perfekter Tag, ich wäre auch schon mit 5,83 Metern zufrieden gewesen“, sagte Holzdeppe. „Es war ein toller Wettkampf, und natürlich toll, dass es doch so hoch hinaus ging.“

Schon früh zeichnete sich in Karlsruhe ab, dass Holzdeppe dieses Mal ein gutes Stück höher fliegen könnte als noch zum Jahresauftakt in Merzig (5,51 m) sowie beim Istaf in Berlin (5,60 m). Denn die 5,60 und 5,70 Meter meisterte der Zweibrücker souverän im ersten Anlauf. Als der Weltmeister von 2013 auch die 5,78 Meter im ersten Versuch überquerte, war die Erleichterung bereits spürbar. Die erste Hürde war mit der WM-Norm gemeistert. Doch der ehrgeizige Sportler wollte mehr.

Nach den gelungenen 5,78 Metern konnte ihm den Sieg nur noch der frühere Dauerrivale Renaud Lavillenie streitig machen. Der Drittplatzierte, Pawel Wojciechowski (5,70 m) aus Polen sowie der Vierte, Menno Vloon (5,60 m) aus den Niederlanden, der am kommenden Samstag auch beim sechsten LAZ-Hallenstürmer-Cup in Zweibrücken dabei sein wird, waren zu diesem Zeitpunkt bereits raus. Lavillenie und Holzdeppe lieferten sich ein enges und hochklassiges Rennen. Beide schafften es jeweils im zweiten Versuch über die 5,83 Meter. Während der Weltrekordhalter an der nächsten Höhe drei Mal scheiterte, durfte Raphael Holzdeppe nach dem dritten gelungenen Versuch über die 5,88 Meter jubeln. Seine alte Hallenbestleistung aus Rouen 2016 steigerte der LAZ-Athlet mit seinem besten Sprung seit 2015 um vier Zentimeter. Drei Mal versuchte sich der 28-Jährige danach vergeblich an den 5,95 Metern, was auch eine um einen Zentimeter gesteigerte neue Gesamtbestmarke gewesen wäre. Doch an diesem Tag war das Holzdeppe vollkommen egal. „Ich freue mich, dass ich so langsam wieder an Höhen anknüpfen kann, die ich auch draußen schon gesprungen bin“, sagte Holzdeppe nach dem Wettkampf glücklich.



Denn diese Höhe gibt Selbstvertrauen. Nach zwei Jahren, die nicht einfach für den Zweibrücker gewesen sind, der sich mit Höhen und Tiefen bereits bestens auskennt. Nach Olympia-Bronze 2012 und WM-Gold 2013 folgte ein von mehreren Verletzungen geplagtes Seuchenjahr 2014. 2015 meldete sich der Zweibrücker mit WM-Silber zurück. Doch allzu lange hielt der erneute Höhenflug nicht an. Nach einem guten Start ins Jahr 2016 zog er sich bei der Hallen-DM eine schwerwiegende Fußverletzung zu. Nur durch eine Sonderregelung erhielt er nach 2008 in Peking und 2012 in London auch für Rio das Olympiaticket. Dort scheiterte der Stabartist bereits in der Quali. Die vergangene Sommersaison endete für Holzdeppe dann in einem Debakel. Bei der WM in London erlebte er eine der bittersten Stunden seiner Karriere. Nach einem Jahr voller Krankheiten und Stabbrüchen leistete er sich im Finale einen Salto nullo.

Jetzt hat sich der Zweibrücker erneut zurückgekämpft. Ist zurück in der Weltspitze. Und das pünktlich zu einer Saison, die eine ganz besondere werden soll mit den Europameisterschaften vom 7. bis 12. August in Berlin. Der erste internationale Höhepunkt wird nach dem Meistern der Norm nun aber erst einmal die Hallen-WM Anfang März sein.

Wer die Höhenflüge von Raphael Holzdeppe einmal aus nächster Nähe erleben möchte, hat am kommenden Samstag, 10. Februar, beim 6. Hallenstürmer-Cup des LAZ Zweibrücken in der Dieter-Kruber-Halle die Gelegenheit dazu. Ab 17 Uhr misst sich dort die Elite der Frauen, ab 20 Uhr greifen die Männer ins Geschehen ein. Tickets dafür gibt es für acht Euro, ermäßigt fünf in der Geschäftsstelle des Merkur in der Hauptstraße 51.