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Amelie Berger bei Handball-WM
Nochmal eine andere Hausnummer

 Für die Zweibrückerin Amelie Berger (am Ball) steht mit den deutschen Handball-Frauen an diesem Samstag in Japan der WM-Auftakt gegen Brasilien auf dem Programm. In Kumamoto wird die Rechtsaußen des Bundesligisten SG BBM Bietigheim auch von ihrer mitgereisten Familie unterstützt.
Für die Zweibrückerin Amelie Berger (am Ball) steht mit den deutschen Handball-Frauen an diesem Samstag in Japan der WM-Auftakt gegen Brasilien auf dem Programm. In Kumamoto wird die Rechtsaußen des Bundesligisten SG BBM Bietigheim auch von ihrer mitgereisten Familie unterstützt. FOTO: picture alliance/dpa / Carmen Jaspersen
Zweibrücken/Bietigheim. Die Anspannung wächst allmählich bei Amelie Berger vor ihrer ersten Aktiven-WM mit den deutschen Handball-Frauen. Bei dem Turnier in Japan geht es für das DHB-Team auch noch um die Olympia-Qualifikation. Von Svenja Hofer

Kaum Zeit zum Durchschnaufen hat Amelie Berger derzeit. Bundesliga, Champions League, Start in die letzte Phase der WM-Vorbereitung. So sahen die vergangenen Wochen für die 20-jährige Handballerin aus Zweibrücken aus. Zu stressig ist ihr das keineswegs. Allmählich steigt vor allem die Vorfreude auf ihre erste Weltmeisterschaft mit der deutschen A-Nationalmannschaft in Japan (30. November bis 15. Dezember). Der Höhepunkt und zugleich Abschluss eines erneut ereignisreichen Jahres.

Wenn Amelie Berger mit ihrem neuen Team, der SG BBM Bietigheim, nach dem 28:34 beim ZRK Buducnost in Montenegro auch aus der Champions League ausgeschieden ist, sieht sie den Wechsel von Bayer Leverkusen nach Baden-Württemberg dennoch als den nächsten wichtigen Schritt in ihrer Karriere an. „Gerade in der Champions League kann man nochmal ganz andere Erfahrungen sammeln. Das bringt mich auf jeden Fall weiter“, erklärt die Linkshänderin, die bis 2015 in ihrer Heimat für den SV 64 Zweibrücken auflief. In ihrer neuen Mannschaft habe sie sich schnell eingelebt. „Das ganze fing mit einem Trainingslager in Amerika an, das war eins super Start“, erzählt Berger. Wenn die Bietigheimer, für die es international nun im europäischen Pokal weitergeht, in dieser Saison in der Bundesliga auch schon den ein oder anderen Aussetzer gehabt hätten, seien sie jetzt „auf einem guten Weg“, erklärt die Rechtsaußen des Tabellenzweiten.

Seit vergangener Woche ist der Blick der 20-Jährigen aber voll und ganz auf die Weltmeisterschaft in Japan gerichtet. In Tokushima wird derzeit der Feinschliff vorgenommen. Und die Anspannung bei Berger wächst mit dem nahenden Auftaktspiel für die DHB-Auswahl am Samstag, 30. November in Kumamoto gegen Brasilien (7 MESZ, live im Internet auf Sportdeutschland.TV) stetig an. Nach ihrer ersten Aktiven-EM in Frankreich im vergangenen Jahr gibt die Zweibrückerin nun auch ihr WM-Debüt in der A-Nationalmannschaft. „Dadurch, dass das Turnier nicht in Europa stattfindet, ist es nochmal etwas Besonderes“, sieht sie die WM als eine andere Hausnummer an. Auch, „weil noch die Qualifikation für Olympia auf dem Spiel steht“. Zudem seien die Kultur und die Sprache eine ganz andere. „Da bin ich einfach gespannt, wie schnell man sich zurechtfindet.“



In der Nationalmannschaft hat sich Berger nach ihrem Debüt im Vorjahr schnell zurechtgefunden. Wenn die EM mit Platz neun für das DHB-Team auch nicht ganz so gelaufen war wie erhofft, war sie für Berger persönlich ein Erfolg. „Aber auch mit der Mannschaft insgesamt haben wir dort eigentlich ziemlich gute Spiele abgeliefert, haben aber aufgrund des Torverhältnisses das Halbfinale verpasst. Hätten wir diesen Schritt geschafft, wäre eine Medaille drin gewesen“, erklärt sie. Ein neunter Platz höre sich dann einfach schlecht an. „Obwohl das Gefühl eigentlich was anderes gesagt hat. Daher denke ich, dass wir in die WM mit Selbstvertrauen reingehen können.“

Wenn die deutschen Frauen mit Brasilien, Australien (1.12.), Dänemark (3.12.), dem amtierenden Weltmeister Frankreich (4.12.) und Südkorea (6.12.) auch keine leichte Gruppe erwischt hat, hat das Team ein bestimmtes Ziel ganz klar vor Augen: „Wir haben zwar noch nicht über eine genaue Vorgabe gesprochen, es ist aber wichtig, sich ein Ziel zu setzen. Und wir wollen alle zu den Olympischen Spielen“, betont Berger. „Dafür müssen wir unter die ersten acht kommen.“ Sie persönlich könnte bei der WM sogar mehr Spielanteile bekommen als noch in Frankreich. Bundestrainer Henk Groener hat auf der Position Rechtsaußen neben der Zweibrückerin mit Jenny Behrend „überraschenderweise“ auf eine zweite junge Spielerin gesetzt. „Ich hoffe, dass ich da, auch durch die EM-Erfahrung vom vergangenen Jahr sowie den internationalen Spielen mit Bietigheim der Mannschaft viel geben und mich auf der Position etablieren kann“, erklärt Berger, die noch nie zuvor in Japan war und „gespannt auf die Kultur ist“. Vor allem jetzt in der Vorweihnachtszeit. „Ob wir da überhaupt so etwas wie geschmückte Tannenbäume sehen werden? Wahrscheinlich eher nicht“, vermutet Berger, die hofft, dass sie in der Woche vor dem Turnierstart viele Eindrücke von Land und Leuten aufsaugen kann. „Von der gerade in Japan ausgetragenen Rugby-WM haben wir gehört, dass die Japaner tolle Gastgeber sein sollen“, erzählt die ehrgeizige Sportlerin, die sich gerade im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Tokio 2020 gut vorstellen kann, „dass das alles top organisiert sein wird“.

Live vor Ort miterleben werden das auch einige Angehörige von Amelie Berger. Wie schon in dem deutlich näher gelegenen Frankreich im Vorjahr. „Die sind echt verrückt“, darf die Zweibrückerin sogar in Japan besonderen Rückhalt genießen. „Meine Eltern, mein Bruder und mein Freund kommen für die ersten zehn Tage. Das war wieder ein Kunststück von ihnen“, ist Berger die Freude über die Unterstützung deutlich anzumerken.

Wer am Ende der Titelkämpfe in Japan die größten Chancen hat, über den Pokal zu jubeln, fällt der Linkshänderin schwer zu sagen. „Ich denke, Russland ist in einer relativ leichten Gruppe. Wenn so viele Spiele nacheinander folgen, dann macht das schon einen Unterschied, ob man in der Vorrunde schon kämpfen musste oder nicht.“ Daher sehe sie die Russen in einer Favoritenrolle. „Aber auch Titelverteidiger Frankreich gehört wieder dazu. Und sonst? Mal schauen – wir hoffentlich“, sagt sie mit einem Lachen. Doch egal, wie es letztendlich für das DHB-Team läuft. Nach dem Großereignis darf dann sogar Amelie Berger zum Jahresende mal eine kurze Verschnaufpause einlegen.