| 22:20 Uhr

Handball-Oberliga
VTZ vergeigt Spiel in den Schlussminuten

 Auch Kapitän Tom Paetow fand nach der Niederlage der VTZ in Völklingen deutliche Worte.   Foto: Wittenmeier
Auch Kapitän Tom Paetow fand nach der Niederlage der VTZ in Völklingen deutliche Worte. Foto: Wittenmeier FOTO: maw / Martin Wittenmeier
Zweibrücken/Völklingen. Handball-Oberligist VTZ Saarpfalz unterliegt in Völklingen ersatzgeschwächt mit 21:23. Trainer Grgic: „Waren nicht hundert Prozent bei der Sache.“ Von Jadran Pesic

Hätte es noch eines Beweises bedurft, dass die Oberliga-Handballer der VTZ Saarpfalz ein Konstanz-Problem haben – er wurde am letzten Samstag eindrucksvoll erbracht. Die VTZ legte im Auswärtsspiel bei der HSG Völklingen los wie die Feuerwehr, brach dann komplett ein, drehte die Partie und schien kurz vor Schluss wie der sichere Sieger – und verlor dennoch mit 21:23 (8:11). Bester Werfer der Partie war VTZ-Kapitän Martin Mokris mit acht Treffern, drei davon per Siebenmeter.

„Wir haben konzentriert angefangen, machen aber dann vorne zu viele Fehler und lassen Völklingen unnötig ins Spiel kommen“, haderte VTZ-Kapitän Tom Paetow, der sieben Treffer beisteuerte. Trainer Danijel Grgic wurde bei seiner Analyse deutlicher. „Wir waren einfach nicht hundert Prozent bei der Sache. Wir haben nach einem gutem Start aufgehört Handball zu spielen“, kritisierte der Trainer, der „keine Alibis suchen“ wollte.

Diese hätte er durchaus bemühen können, denn die Partie stand für die VTZ unter keinem guten Stern. Neben Linksaußen Richard Wilga, Rechtsaußen Jacob Brauns und Kreisläufer Erik Zilincik fehlten auch die Nachwuchskräfte Dennis Bernt und Jonas Mayer. Top-Torschütze Paetow ging angeschlagen in die Partie. Keine guten Voraussetzungen für den ohnehin schmalen Zweibrücker Kader, in dem am Samstag die Jugendspieler Moritz Michel und Jannick Flockerzie standen. Sie waren neben Torhüter Alexander Dörr die einzigen VTZler auf der Auswechselbank.



Trotz dieser Umstände erwischten die Zweibrücker einen sehr guten Start. Als die VTZ in der 13. Spielminute durch einen Treffer von Tomas Kraucevicius auf 5:1 davonzog, hatte Völklingens Trainer Claude Dolic genug gesehen und nahm eine Auszeit. Und diese trug ganz offensichtlich Früchte. „Wir haben auf einmal nichts mehr hinbekommen. Die Abwehr hat bis dahin gut gestanden. Dann wurden wir defensiv immer schwächer. Und vorne haben wir unnötige Würfe genommen und den Völklinger Tormann so warm geworfen“, kritisierte VTZ-Schlussmann Yannic Klöckner, der am Samstag einer der wenigen Lichtblicke war. Auch wegen seiner Paraden blieb die Partie bis zum Schluss offen.

Zu dem eigenen Leistungsabfall gesellte sich aus Sicht der Zweibrücker auch eine „katastrophale Leistung“ (Klöckner) der luxemburgischen Schiedsrichter. „Gefühlt wurde alles gegen uns gepfiffen“, meinte der VTZ-Tormann. „Ich möchte den Schiris zu der sehr guten Leistung heute Abend gratulieren“, sparte auch Grgic nicht mit Sarkasmus.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Gastgeber schlicht die besseren Nerven bewiesen. Völklingen ließ sich vom Blitzstart der Zweibrücker nicht aus der Ruhe bringen und hatte die Partie bereits vor Ende der ersten Halbzeit gedreht (9:6/24).

An den Kräfteverhältnissen änderte sich nach Wiederanpfiff vorerst nichts. Die VTZ agierte ungestüm und leistete sich viel zu viele Fehler. Doch auch die Hausherren, die ihren Vorsprung zunächst auf vier Tore ausgebaut hatten (12:8), ließen zunehmend nach. Es entwickelte sich ein Spiel, das ein Zuschauer auf der Tribüne der Hermann-Neuberger-Halle als „Not gegen Elend“ bezeichnete.

Bis Mitte der zweiten Hälfte hielten die Gastgeber ihren Vorsprung (16:12/41.) . Doch dann wachten die Saarpfälzer plötzlich auf und rissen das Spiel an sich. Zwölf Minuten vor dem Ende gelang der VTZ der Ausgleich (17:17). Als Kapitän Martin Mokris die Zweibrücker vier Minuten vor Schluss per Doppelschlag mit 21:19 in Führung warf, war die Partie gedreht. Der Spielverlauf sprach für die Zweibrücker – doch die gaben die Partie postwendend wieder aus der Hand. Zu einigen strittigen Entscheidungen der Unparteiischen gesellten sich haarsträubende Fehler der Gäste. Mit einem 4:0-Lauf in den Schlussminuten entschied die HSG die Partie zu ihren Gunsten.

Bei der VTZ herrschte naturgemäß Frust. Ein Alibi bemühte Grgic aber tatsächlich nicht: „Völklingen hat aufopferungsvoll gekämpft und insgesamt verdient gewonnen.“