| 22:38 Uhr

Faden verloren
Roten Faden verloren, dennoch einen Punkt gewonnen

Von den Mitspielern gefeiert: SV 64-Torhüter Julien Santarini hält in der Schlusssekunde einen Siebenmeter und sichert den Punkt.
Von den Mitspielern gefeiert: SV 64-Torhüter Julien Santarini hält in der Schlusssekunde einen Siebenmeter und sichert den Punkt. FOTO: maw / Martin Wittenmeier
Zweibrücken. Handball-Oberliga: SV 64-Torhüter Julien Santarini pariert in der Schlusssekunde einen Siebenmeter gegen Völklingen. Endstand: 27:27. Von Roman Kuhn

Die Spielzeit war bereits abgelaufen, als der Völklinger Alexander Saunus zum Siebenmeter gegen Julien Santarini antrat. Es war die große Chance zum Siegtreffer für die Gäste beim SV 64 Zweibrücken. Doch Santarini verhinderte mit einem starken Reflex die Niederlage und rettete seinem Team beim 27:27 wenigstens einen Punkt gegen den Zweiten der RPS-Handball-Oberliga. Es wäre wohl eine der unnötigsten Niederlagen der vergangenen Jahre für den SV gewesen. Die Zweibrücker hatten das Spiel über weite Strecke fest im Griff und sahen bei einer Sechs-Tore-Führung (40.) wie der sichere Sieger aus. Im letzten Drittel verloren die Hausherren allerdings komplett die Kontrolle und mussten sich über den glücklichen Punkt freuen.

Vieles erinnerte am Samstag in der Ignaz-Roth-Halle an erfolgreichere Zeiten des SV 64 in der Oberliga. Die Halle war mit 400 Zuschauern ausverkauft – einige Besucher fanden nur noch auf ausgelegten Matten und in den Nischen zwischen den Tribünen einen Platz. Das Team von Trainer Stefan Bullacher zahlte dies mit einer engagierten Leistung zurück. Aus einer stabilen Abwehr heraus spielten die 64er mit viel Tempo und erzielten mit flüssigem Kombinationsspiel sehenswerte Tore. Die Völklinger hatten zunächst in Abwehr und Angriff fast immer das Nachsehen. Selbst eine frühe Auszeit von Gästetrainer Berthold Kreuser konnte den Sturmlauf der 64er nicht stoppen, den Benni Zellmer mit seinem sehenswerten Treffer zum 6:2 krönte. Erst nach 15 Minuten fand die HSG ins Spiel. Vor allem der bullige Kreisläufer Nickolas Balthasar und der ebenfalls sehr robuste Rückraumkanonier Adrian Cristescu machten den körperlich deutlich unterlegenen SV-Akteuren schwer zu schaffen. Nach dem Anschlusstreffer zum 11:12 (20.) beantragte Bullacher eine Auszeit. Es waren vor allem die personellen Umstellung, die sich auszahlten. Allen voran Christopher Huber drehte auf, erzielte drei Treffer in Folge. Bis zu Pause war der alte Vier-Tore-Abstand beim 16:12 wieder hergestellt. „Für Christopher hat es mich unheimlich gefreut. Er trainiert sehr fleißig und arbeitet sich seit seinem Wechsel aus der Pfalzliga immer besser an das Oberliganiveau heran“, lobte der Trainer.

Im zweiten Durchgang machten die Saarpfälzer genau dort weiter, wo sie vor dem Seitenwechsel aufhörten – mit einem richtig guten Heimspiel. Als Philipp Hammann das Tor zum 20:14 (38.) gelang, schien schon fast eine Vorentscheidung gefallen zu sein. Doch Kreuser setzte mit seiner Auszeit eine psychologisch wichtige Unterbrechung. Fortan ging die Leichtigkeit im Spiel der Hausherren verloren. Alleine viermal landete der Versuch eines Tempogegenstoßes in den Händen der Gäste. Schwarzer, Grieser und Meiser scheiterten freistehend vor dem gegnerischen Tor und dem Torwartgespann Berz und Santarini rutschen ebenfalls vier haltbare Bälle durch die Hände. Der vorher so sichere Abwehrverband offenbarte unerklärliche Lücken. Der komfortable Vorsprung war binnen zehn Minuten verspielt (23:23/50.). Die junge SV-Mannschaft verkrampfte zusehends. Lediglich Niklas Bayer übernahm in der Schlussphase immer wieder die Verantwortung und hielt sein Team mit vier Treffern im Spiel. Doch kurz vor Schluss verletzte sich der Linkshänder am Knie. Nach einer Zeitstrafe gegen Sebastian Meister erzielte HSGler Alexander Saunus in Überzahl sechzig Sekunden vor Abpfiff den Treffer zum 27:27. In der Schlusssekunde musste der SV den Strafwurf gegen sich hinnehmen, den der ehemalige Völklinger Torwart Santarini parierte.



„Es ist schade, dass wir nach ein paar Rückschlägen im Spiel völlig den Faden verloren haben. Aber die Jungs werden an ihren Aufgaben wachsen. Unsere Fans waren heute überragend. Das hilft der jungen Truppe ungemein“, bedankte sich Bullacher bei den Zuschauern für ihre Unterstützung. Mit der Punkteteilung verteidigte Völklingen Platz zwei, während die 64er als Siebter im Mittelfeld der Liga rangieren.