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Handball-Oberliga
„Wir liegen weit über dem Erwarteten“

 Die jungen Spieler wie Giona Dobrani (re.) haben sich im SV 64-Team von Stefan Bullacher gut eingefügt.
Die jungen Spieler wie Giona Dobrani (re.) haben sich im SV 64-Team von Stefan Bullacher gut eingefügt. FOTO: maw / Martin Wittenmeier
Zweibrücken. Mit dem bisherigen Abschneiden in der Handball-Oberligarunde ist Stefan Bullacher, der auch in der kommenden Saison Trainer beim SV 64 Zweibrücken bleiben wird, sehr zufrieden. Von Svenja Hofer

Vieles läuft beim SV 64 Zweibrücken in dieser Runde anders als gedacht. Nicht abzusehen war nach seinem Abschied zwei Jahre zuvor, dass Stefan Bullacher wieder als Trainer das Ruder bei dem Handball-Oberligisten übernehmen würde. Nach dem großen Umbruch in der Mannschaft konnte aber auch nicht erwartet werden, dass der SV als Tabellendritter in die Winterpause gehen würde.

„Bislang ist es richtig gut gelaufen“, blickt Bullacher auf die ersten 16 Saisonspiele zurück. „Zumal, wenn man an das vorangegangene Jahr zurückdenkt. Da wurde nach dem Abstieg aus der 3. Liga der Aufstieg als Ziel formuliert, was bei dem Kader auch gerechtfertigt war.“ Nachdem die Runde auf Platz drei beendet wurde, neun Mann die Mannschaft verlassen haben – darunter Leistungsträger wie Tobias Alt, Marc-Robin Eisel, David Oetzel, Philipp Serr, Tom Ihl und Nils Wöschler – musste mit Rückkehrer Stefan Bullacher ein Neuanfang gestartet werden. Den der 50-Jährige auch als notwendig ansah. „Es ist klar, wo der Weg im Handball zukünftig hinführt. In zwei, drei Jahren werden wir viel zu viele überregionale Vereine haben, aber viel zu wenig gute Spieler, da die Jugendarbeit vielerorts schlecht ist.“ Hinter der Idee des SV 64, in dieser Saison ohne Neuverpflichtungen auszukommen – bis auf Thomas Zellmer, der aus Homburg zurückgekehrt ist – stecke Methode. „Wir haben bewusst nicht nach Verstärkungen gesucht, sondern wollten mit den Jungs, die da sind, mit Spielern aus der Jugend und der Zweiten einen Neuanfang machen.“ Dabei sei allen im Verein klar gewesen, dass der dritte Platz aus dem Vorjahr kaum zu wiederholen ist. Die Platzierung in dieser Saison sollte aber auch vollkommen egal sein. „Auf Rang sieben, acht haben wir uns im Vorhinein gesehen. Wichtiger ist es uns, unsere Spieler zu entwickeln. Daher liegt der derzeit dritte Platz weit über dem, was wir selbst erwartet hatten.“

Dabei freut sich der SV 64-Coach besonders darüber, dass genau die Spieler, die im vergangenen Jahr keine Rolle spielten, nun zu tragenden Säulen geworden sind. Tim Schaller etwa, der zum Spielmacher avancierte, Niklas Bayer oder auch Rechtsaußen Philipp Hammann, die vorher niemand wahrgenommen habe. Gepaart mit dem „Dauerbrenner Benni Zellmer, der nun in seinem achten Jahr hier spielt – und das auf absolut gleichbleibend starkem Niveau“, sei die „komplett neue Mannschaft“ eine gute Kombination. „Wir hatten uns erhofft, dass es so laufen könnte. Aber die Hoffnung und das, was tatsächlich eintrifft, sind manchmal völlig unterschiedliche Dinge“, betont der Coach erleichtert. Doch der Plan ging auf. Daher falle es Stefan Bullacher auch nicht schwer, über die Saison hinaus als Trainer beim SV 64 weiterzuarbeiten. „Die Stimmung in der Truppe ist super, ein Großteil der Spieler hat signalisiert, auch in der kommenden Runde bei uns bleiben zu wollen“, erklärt der 50-Jährige, der nach seiner Rückkehr zunächst einen Einjahresvertrag unterschrieben hatte. „Wir hatten aber auch vereinbart, dass ich weitermache, sollte das mit dem Neuanfang wie erhofft funktionieren.“ Wonach es ganz klar aussieht. „Natürlich ist es nicht mein Anspruch, Siebter in der Oberliga zu werden – und noch einen Neuanfang werde ich nicht mitmachen.“ Doch es zeichne sich ab, dass hier eine starke Mannschaft zusammenwächst.



Bereits im Laufe dieser Runde habe das Team sich riesig entwickelt. Aus den letzten fünf Partien des abgelaufenen Jahres gingen die Zweibrücker vier Mal als Sieger hervor – unterlagen lediglich bei den HF Illtal unglücklich mit 29:30 – und reihten sich hinter den beiden Spitzenteams aus Hochdorf und Budenheim ein. Einmal abgesehen von der klaren Niederlage zu Saisonbeginn gegen den dominierenden TV Hochdorf, der eher einem Spitzenteam der 3. Liga gleichkäme, ist sich Bullacher sicher, dass solche Ergebnisse wie die beiden Unentschieden gegen Völklingen und Budenheim seinem Team heute nicht mehr passieren würden. Deutlich mehr hängen dem SV-Trainer allerdings die harzlosen Partien nach. Die Niederlagen in Saulheim und Eckbachtal etwa „tun weh, weil sie einfach nicht sein müssten. Aber die Jungs bekommen das Spiel ohne Hartz einfach nicht hin“. Insgesamt hätte sich seine Mannschaft im Laufe der Runde gefestigt. Eine ordentliche Bilanz zieht Bullacher auch aus den bisher neun Auftritten in der Fremde. „Wenn man da an die Rückrunde der vergangenen Saison denkt, als die Mannschaft fast alle Auswärtsspiele verloren hat, sind die bislang sechs Minuspunkte eine deutliche Steigerung.“ Zufrieden ist der A-Lizenzinhaber auch mit den A-Junioren, die bei ihm in der ersten Mannschaft zum Einsatz gekommen sind. „Ganz abgesehen davon, dass sie mit der A-Jugend eine überragende Runde in der Bundesliga spielen. Platz vier nach der Hinrunde hat dieser Truppe niemand zugetraut.“

Bei allem Positiven, das die bisherigen 16 Saisonpartien der Zweibrücker offenbart haben, sieht Stefan Bullacher, der seit Montag mit seiner Mannschaft im Vorbereitungstraining ist, vor allem noch großen Verbesserungsbedarf im Tempospiel. „Mit dem Angriff und der Abwehr bin ich zufrieden. Doch im schnellen Spiel, das wir ja wollen, wir wollen keinen lahmen Altherrenhandball zeigen, machen wir zu viele Fehler“, betont der SV-Trainer. Auch daran arbeitet er in den zahlreichen Einheiten und Testspielen bis zum Liga-Start am Sonntag, 20. Januar, 18 Uhr, zuhause gegen die SG Saulheim mit seinem Team. Denn er weiß, dass es keine leichte Aufgabe wird, die gute Platzierung bis zum Saisonende zu halten. „Wir freuen uns über Platz drei, es wäre schön, diesen behaupten zu können. Aber wir müssen vor allem in den Rückspiegel schauen. Die ersten beiden Mannschaften sind weg, dahinter geht es sehr eng zu“, macht Bullacher klar, dass es auch schnell weiter nach unten gehen kann. Dennoch sei der Rang am Ende dieser Saison nicht so entscheidend, wenn es gelingt, das Spiel, die Mannschaft und das System weiterzuentwickeln. „Doch hier sind wir auf einem guten Weg“, sagt Stefan Bullacher voller Zuversicht.