| 20:20 Uhr

Sieg verspielt
Bitteres Déjà-vu für den SV 64

Einen Fünf-Tore-Vorsprung verspielte der SV 64 Zweibrücken um Spielmacher Tim Schaller (links) gegen Budenheim.
Einen Fünf-Tore-Vorsprung verspielte der SV 64 Zweibrücken um Spielmacher Tim Schaller (links) gegen Budenheim. FOTO: Norbert Schwarz
Zweibrücken. Die Zweibrücker Oberligahandballer müssen die Punkte mit den SF Budenheim trotz klarer Halbzeitführung teilen.

Ein wenig ratlos sahen Stefan Bullacher und seine Spieler nach der Schlusssirene aus. Die Oberligahandballer des SV 64 Zweibrücken mussten sich am Samstag trotz klarer Halbzeitführung im Spitzenspiel gegen die Sportfreunde (SF) Budenheim mit einem 28:28 (15:10) zufrieden geben. Dabei zeigten die Bullacher-Schützlinge wie schon gegen Völklingen und Hochdorf zwei völlig unterschiedliche Gesichter.

Begeisterten die 64er im ersten Durchgang ihre Fans noch mit attraktiven und erfolgreichen Tempohandball, so verhagelten sie sich mit einer katastrophalen Bilanz nach der Pause den Sieg. Zehn Ballverluste durch technische Fehler, zehn Fehlwürfe und eine Torwartquote von gerade einmal zwanzig Prozent gehaltener Bälle standen in den zweiten dreißig Minuten gegen die Gäste aus Rheinhessen zu Buche.

Dabei hatte das Team um Kapitän Tom Grieser losgelegt wie die Feuerwehr. Aus einer beweglichen und aggressiven Deckung heraus eroberten die 64er von Beginn an viele Bälle. Torwart Benni Berz war mit wichtigen Paraden ein sicherer Rückhalt und durch das schnelle Umschaltspiel konnten immer wieder einfache Treffer erzielt werden. Im Angriff sorgte vor allem die Rückraumachse mit Spielmacher Tim Schaller und den beiden Halbangreifern Niklas Bayer und Christopher Huber für Torgefahr. Bis zur 10:3 Führung (17.) für die Hausherren fand der Favorit aus dem Mainzer Stadtteil überhaupt nicht zu seinem Spiel. Erst in den letzten zehn Minuten der ersten Halbzeit erholte sich das Team des bundesligaerfahrenen Eike Rigterink und bot fortan ein Spiel auf Augenhöhe. Quasi mit dem Pausenpfiff traf der Zwei-Meter-Hühne durch einen direkt verwandelten Freiwurf zum glücklichen 10:15-Anschlusstreffer in den Winkel.



Die Erwartungen des Zweibrücker Publikums an die zweite Halbzeit waren groß. Denn aufgrund der starken Leistung der Gastgeber waren die Sportfreunde mit dem Fünf-Tore-Rückstand noch gut bedient. Doch schon wenige Minuten nach Wiederanpfiff wendete sich das Blatt – wie schon in den Begegnungen gegen Hochdorf und Völklingen. Budenheim setzte ab der 39. Spielminute (17:12) taktisch auf den siebten Feldspieler und nahm dafür seinen Torwart vom Feld. Dies verleitete die junge Zweibrücker Truppe dazu, beim Versuch schnelle Tore zu erzielen, in Hektik zu verfallen. Alleine sieben Mal verloren sie den Ball in den eigenen Reihen, ohne dass es zu einem Angriffsversuch gekommen wäre. Dem ansonsten so stark aufspielenden und erfahrenen Benni Zellmer unterliefen alleine fünf Ballverluste. Wenn die 64er dann doch besonnen und gut vorbereitet zum Abschluss kamen, scheiterten sie immer wieder am drittligaerfahrenen Torwart Christian Kosel, der im zweiten Durchgang auf zehn Paraden kam. Tor um Tor verkürzten die Gäste den Rückstand. Zehn Minuten vor dem Ende glich Benjamin Kröhle von der Außenposition zum 19:19 aus. Mit Treffern aus dem Rückraum und von den beiden Flügeln hatten die Gäste ihr Erfolgsrezept gefunden, nachdem ihr gefürchtetes Kreisläuferspiel keinen Erfolg gebracht hatte. Das Zweibrücker Torwartgespann Berz/Santarini bekam von den letzten 18 Würfen, die ab der 34. Minute auf ihr Tor kamen, nur noch zwei Bälle zu fassen. Als dann auch noch Kapitän Grieser wegen seiner dritten Zeitstrafe disqualifiziert wurde, befürchteten die Zuschauer, dass die Begegnung mit der zweiten Heimniederlage der Saison enden würde. Doch die Löwen kamen in die Partie zurück. Wiederum war es die gut funktionierende Rückraumachse Bayer, Schaller und Huber, die mit sieben Treffern in der Schlussphase ihr Team vor einer Niederlage bewahrte. Huber hatte drei Sekunden vor Schluss sogar den 29:28 Siegtreffer auf der Hand. Aber der 20-Jährige setzte seinen Wurf von der Mittellinie ins leere Budenheimer Tor zu flach an.

„Das Ergebnis ist echt nur schwer zu ertragen. Wir belohnen uns nicht für unseren Einsatz unter der Woche und unser gutes Spiel in der ersten Halbzeit“, erklärte Bullacher. Sein Team mache von Woche zu Woche immer größere Fortschritte, finde immer besser zusammen – „und dann werfen wir selbst den Sieg weg“. Der SV-Trainer hofft, dass „diese mühsame Entwicklungsphase“ bald überwunden ist. „Auch ich muss mich in Demut und Geduld üben“, ordnete ein geknickter Trainer Stefan Bullacher die Leistungen seiner Mannschaft in den stetigen Entwicklungsprozess seiner jungen Schützlinge ein.