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Trofeo in neuem Gewand
„Grün ist das neue Gelb“

Anders als Vorjahressieger Julius Johansen aus Dänemark wird der diesjährige Gewinner in Grün ins Ziel fahren.
Anders als Vorjahressieger Julius Johansen aus Dänemark wird der diesjährige Gewinner in Grün ins Ziel fahren. FOTO: rup
Gersheim. Die Junioren-Radrundfahrt Trofeo geht unter neuem Namenssponsoring in die sehr anspruchsvolle 31. Runde. Auch dieses Mal mit dem schon traditionellen Abstecher in die Pfalz. Von Svenja Hofer

Mit Veränderungen kennt sich die Trofeo mittlerweile aus. Nicht immer gingen diese in den vergangenen Jahren ins Positive. Wegbrechende Kommunen und ausscheidende Sponsoren ließen die veranstaltende Gemeinde Gersheim um den Fortbestand des Junioren-Radrennens bangen. Bei der Streckenvorstellung der 31. Auflage gestern Vormittag war die Stimmung gelöst. „Die Trofeo hat sich neu aufgestellt“, erklärt Alexander Rubeck, Bürgermeister der Gemeinde und Präsident des Trofeo-Fördervereins. „Das macht sich auch im Namen bemerkbar.“ Nach dem Rückzug des langjährigen Namenssponsors Karlsberg vor drei Jahren geht das viertägige Etappenrennen vom 7. bis 10. Juni erstmals als „LVM Saarland Trofeo“ über die Bühne. „Es war wichtig für uns, einen weiteren Sponsor zu finden“, erklärt Organisationsleiter Wolfgang Degott. Erneut seien Unterstützer weggebrochen. „Hauptsponsor ist mittlerweile das Land, ohne diese Hilfe wäre die Trofeo nicht mehr möglich.“ Rund 30 000 Euro erhält die Gemeinde Gersheim vom Land für das Rennen, für das Degott jährlich rund 100 000 Euro auftreiben muss. „Wir hatten das Problem, dass die Veranstaltung und die Anforderungen für das kleine Gersheim zu groß geworden sind“, sagt Rubeck. Durch eine gemeinsam unterzeichnete Erklärung zum Fortbestand der Trofeo von Land, Saarpfalz-Kreis sowie den Städten und Gemeinden Homburg, Gersheim, Blieskastel, Neunkirchen und Mandelbachtal sei diesem Problem begegnet worden (wir berichteten). „So sind wir auf breitere Beine gestellt, wodurch es wieder etwas leichter wird“, sagt Degott. „Neben den Sponsoren braucht es einfach Leute und Menschen“, um die Trofeo auch in den kommenden Jahren erfolgreich durchführen zu können. Für 2019 ist er jedenfalls guter Dinge und bereits in der Vorbereitung.

Zunächst geht das bedeutendste Radrennen des Saarlandes jedoch in seine 31. Auflage. Bereits zum elften Mal gehört die Trofeo zum UCI-Nations-Cup. Und damit zu einem Etappenrennen mit dem höchsten Stellenwert, das ein Juniorenrennen weltweit haben kann. Insgesamt werden rund 130 Nachwuchsfahrer aus 21 Nationen in die Pedale treten. Nach einer Regelaufweichung sind erstmals auch Mixed- und Regionalmannschaften am Start. So bekommt etwa eine Saar-Pfalz-Auswahl um Jan-Eric Rinke vom RV Blitz Oberbexbach die Chance, sich mit den besten Nachwuchsfahrern der Welt zu messen. Neu ist auch die Trikotfarbe des Gesamtführenden, an die sich Sportler und Zuschauer gewöhnen müssen. Angepasst an das Logo des Namenssponsors fährt der Spitzenreiter künftig in Grün. „Grün ist das neue Gelb“, sagt der Olympiasieger und ehemalige Weltmeister Andreas Walzer bei der Etappenvorstellung mit einem Lachen. Neben dem Trikot für den Gesamtsieg der Trofeo kämpfen die Junioren zudem wieder um das weiße Sprint-, das gepunktete Bergtrikot, den blauen Dress für das beste Team sowie das rote Trikot für den besten Jungfahrer.

Bis sich die Sieger diese nach vier Tagen überstreifen dürfen, haben sie allerdings zahlreiche Kilometer und einige Anstiege in den Beinen. Bereits die Auftaktetappe am 7.­Juni hat es in sich. „Auf diesen 110 Kilometern wird den Jungs gleich alles abverlangt“, betont Walzer. Von Neunkirchen aus bewegt sich der Tross über Hangard auf einen Rundkurs durch Münchwies, Frankenholz, Höchen, mit einem Abstecher über den Golfplatz Webs­weilerhof, Waldmohr und Breitenbach bis zum kräfteraubenden Anstieg ins Ziel nach Münchwies. „Das ist eine sehr anspruchsvolle Strecke und gleich eine entscheidende Etappe. Zu gewinnen ist die Rundfahrt an diesem Tag noch nicht, aber sicher zu verlieren“, macht Walzer die besondere Herausforderung dieser Berg- und Talfahrt deutlich. Mitentscheidend für den Gesamtsieg sieht Walzer auch die zweite Etappe freitags von Ormesheim nach Altheim. „Ich dachte, ich kenne hier in der Region alle Strecken und Wege. Hier habe ich gemerkt: Das ist nicht so“, erklärt Walzer, der den Kurs selbst abgefahren ist. Der zweite Tag über 99 Kilometer mit Steigungen von bis zu 15 Prozent erinnere ihn an bergige Frühjahrsrennen wie Bastogne-Lüttich. „Ich bin nun seit 16 Jahren bei der Trofeo dabei – das ist die schwerste Etappe, die jemals gefahren wurde.“ Eher leicht erscheint da die schon traditionelle Etappe am Samstagmorgen von Homburg durch das pfälzische Mörsbach, die Käshofer Straße hoch zurück nach Homburg. „Doch das war es an diesem Tag ja noch nicht.“ Ab 18 Uhr kämpfen die Junioren im Einzelzeitfahren über 13,9 Kilometer rund um Medelsheim um gute Zeiten für die Gesamtwertung. Die längste Etappe wartet dann zum Abschluss am Sonntag. Acht Mal wird die 15 Kilometer lange Rundstrecke von Niedergailbach über Gersheim und Herbitzheim absolviert. „Es ist eine der leichtesten Schlussetappen der Trofeo, man muss allerdings bedenken, welche vier Etappen die Jungs bereits in den Beinen haben.“ Am Nachmittag wird dann am Zielort in Bliesdalheim, das die Trofeo in sein Feier zum 800. Jubiläum einbindet, der Gesamtsieger gekürt.