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Sportinterview
„Der Sport kann Wichtiges leisten“

Der Gesundheitssport liegt ihm am Herzen: Karl-Otto
Benoit.
Der Gesundheitssport liegt ihm am Herzen: Karl-Otto Benoit. FOTO: Marco Wille
Zweibrücken. Übungsleiter Karl-Otto Benoit startet in der kommenden Woche die nächste Runde seines Gesundheitskurses bei der VT Zweibrücken.

Gesundheitssport hat in der heutigen Gesellschaft einen wachsenden Stellenwert. Die Vereinigte Turnerschaft Zweibrücken versucht dabei mit ihren Angeboten ständig mit der Zeit zu gehen. Daher erweitert sie stets ihr Angebot. Neu ist der Präventionskurs „Sport pro Gesundheit – Budomotion“ unter der Leitung von Karl-Otto Benoit. Der frühere Fußballtorwart, Fußballtrainer und heutige Karatetrainer, der viele Jahre lang in der Staatsanwaltschaft tätig war, widmet sich der Aufgabe mit großem Spaß.

Herr Benoit, kaum das Arbeitsleben hinter sich gelassen, stellen Sie sich sofort einer neuen sportlichen Aufgabe.

Karl-Otto Benoit: Ja, nach 47 Jahren in der Staatsanwaltschaft wollte ich jetzt mal etwas Vernünftiges machen (lacht). Es ist natürlich schon ein großer Sprung. Aber ich muntere mich damit auf, dass ich sage, ich arbeite jetzt mit dem, was letztendlich das Wichtigste ist: mit der Gesundheit.



Sie haben extra eine Budomotion-Ausbildung beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) gemacht. Wie sind Sie darauf gekommen?

Benoit: Ich wollte gerne etwas in Richtung Gesundheitssport machen. Ich habe mich dann informiert und bin auf das Angebot gestoßen, das eine Kooperation zwischen DOSB und deutschem Karatebund ist. Ich habe mich dann an mehreren Wochenenden in Laubheim bei Ulm ausbilden lassen, mit abschließender Prüfung. Das Programm ist auch von der Bundesärztekammer geprüft und standardisiert.

Wo kommt Budomotion her, wo liegt der Ursprung?

Benoit: Budomotion kommt aus dem Karate. Es ist ein Kurs zur Haltung und Bewegung. Dabei werden ganz einfache Karatetechniken in das Programm eingebunden. Diese sind allerdings kein Schwerpunkt.

Was genau kann man sich darunter vorstellen, worauf zielt das Training ab?

Benoit: Es ist ein ganzheitliches System. Ich lege Wert darauf, dass es nicht in Konkurrenz zu anderen Kursangeboten tritt, sondern eine interessante Alternative darstellt. Es unterscheidet sich jedoch von anderen Angeboten dadurch, dass diese oft auf gewisse Körperregionen – Rücken, Bauch-Beine-Po – spezialisiert sind. Das Haltungs- und Bewegungs-Programm ist ganzheitlich aufgebaut. Das Gute dabei ist, dass die Teilnehmer nicht nur eine Trainingsstunde bekommen, sondern auch Infomaterial und Ratschläge – zum Beispiel zu Rückenschmerzen. Etwa Übungen, die sie in den Arbeitsalltag integrieren können. Auch der Bereich Ernährung wird angesprochen. Es werden Einheiten etwa speziell fürs Knie, für die Fußmuskulatur angeboten. Und ganz wichtig, vor allem für ältere Menschen: die Sturzprophylaxe. Mit diesem Thema habe ich mich ausführlich beschäftigt. Es besteht bei Stürzen ganz oft die Gefahr von bleibenden Schäden. Dem kann man entgegenwirken, das ist etwas ganz Wichtiges, was der Sport leisten kann.

Es ist demnach mehr als Karate, das man ja nicht unbedingt im ersten Moment mit Gesundheitssport in Verbindung bringt?

Benoit: Nein, in das Konzept eingebunden sind einige Techniken aus dem Karate, aber auch das, was der Kampfsport ohnehin macht: Konzentration, Atmung. Ich achte auch besonders auf Körperhaltung. Das ist heutzutage ja erschreckend. Wenn ich eine Schulklasse nehme, dann habe ich von 20 Kindern 13 „Homo Samsung“. Das ständige aufs Handy schauen führt dazu, stets nach vorne gebeugt zu sitzen. Da ist nichts mehr mit gerade. Und diese Haltungsschäden im frühen Alter, die verstärken sich natürlich später und führen dazu, dass Sport bei diesem Personenkreis besonders angesagt ist. Diese Sportstunde bei der VTZ plus, die Verhaltensregeln im Alltag, die führen möglicherweise dazu, dass all diese Folge- und Haltungsschäden durch Bewegungsmangel verfliegen. Es geht mir in der Stunde auch nicht darum, die Teilnehmer zu triezen. Es geht vielmehr über die Vernunftsebene. Ich will vermitteln, warum diese Übung jetzt für den jeweiligen Teilnehmer speziell gut ist. Es geht ja darum, etwas für sich selbst zu tun. Ich kann nur die Tür aufmachen, durchgehen muss man selbst.

An wen richtet sich das Angebot der VTZ?

Benoit: Es kann grundsätzlich jeder daran teilnehmen. Vornehmlich richtet sich der Kurs an Neueinsteiger oder Wiedereinsteiger. Die Altersgrenze liegt bei 45 aufwärts.

Für wie wichtig halten Sie heutzutage solche Präventions- und Gesundheitsangebote, auch von Vereinen?

Benoit: Aufgrund des Alterszuschnitts unsere Gesellschaft ist Gesundheitssport unglaublich wichtig geworden. Die VTZ hat sich dieser Entwicklung mit ihren Angeboten stets angepasst. Die Kursteilnehmer, die ihre Haltung und Bewegung verbessern wollen, haben auch die Möglichkeit, entweder ein sogenanntes Rezept auf Bewegung im Rahmen von Präventionsmaßnahmen vom Arzt zu bekommen und dann über die Krankenkasse abzurechnen, oder sie bekommen hier von mir bei Teilnahme an dem Kurs eine Bestätigung, die man zur Teilerstattung der Krankenkasse vorlegen kann.

Ihr erster Kurs ist bereits angelaufen. Wie ist das bisherige Feedback der Teilnehmer?

Benoit: Das Feedback ist wirklich gut. Die Rückenbeschwerden eines Teilnehmers haben sich deutlich verbessert. Alle Teilnehmer betonen immer wieder, dass sie sich nach der Stunde nicht zerschlagen, sondern richtig wohl fühlen. Diese Rückmeldungen sind auch eine schöne Motivation für mich, weiter so zu arbeiten.

Sie sind seit jeher sportlich aktiv, viele werden Sie noch als Fußball-Torhüter kennen, andere als Trainer. Der Weg vom Fußball zum Karate scheint eher ungewöhnlich.

Benoit: Ich bin vom Fußball über den Umweg Laufen zum Karate gekommen. Mit einem ganz gewaltigen Übergewicht habe ich angefangen zu laufen. Ich habe über 40 Kilogramm abgenommen. Dann bin ich irgendwann zum Karate gestoßen, weil mir die Knie weh getan haben. Ich bin immer mit meiner Gruppe hier in der Allee gelaufen. Wenn ich stehen geblieben bin, weil ich nicht mehr konnte, habe ich oben aus dem Fenster der Festhalle immer Kampfschreie gehört. Ich konnte es mir eigentlich nicht vorstellen, aber ich bin dann mal hin, habe es mir angeschaut und habe seither kaum ein Training versäumt.

Wie lange ist das nun her?

Benoit: Das ist jetzt 13 Jahre her. Im Alter von 52 Jahren habe ich mit dem Karate begonnen. 2016 habe ich den schwarzen Gürtel gemacht.

Sie haben dem Fußball also komplett abgeschworen?

Benoit: Das kann man fast sagen. Auf den Sportplätzen bin ich nicht mehr unterwegs, Fußball schaue ich nur noch im Fernsehen. Im Fußball ist es mittlerweile ja so, dass ein Trainer nicht mehr der ist, der die Mannschaft formt und fördert, sondern nur noch Animateur. Daher habe ich jetzt auf diese Aufgabe im Gesundheitssport so sehr gebrannt. Es macht mir eine Riesenfreude. Man hört ja oft, dass man, wenn man in Pension geht, in ein Loch fällt. Ich habe nahtlos mit dem Kurs begonnen – und das macht wirklich Spaß.

Der nächste Budomotion-Kurs bei der VTZ beginnt am 17. Oktober. Dieser findet immer mittwochs von 8.30 Uhr bis zehn Uhr in der kleinen Sporthalle der VTZ in der Festhalle statt. Er geht über zehn Stunden à 90 Minuten. Ausgelegt ist der Kurs auf höchstens 15 Teilnehmer. „Es ist mir wichtig, jeden Teilnehmer individuell zu fordern. Bei einer zu großen Zahl ist das nicht möglich“, erklärt Benoit.

Dieses Gespräch
führte Svenja Hofer

Gesundheitssport wird in unserer Gesellschaft immer wichtiger. Die VT Zweibrücken hat die Zeichen der Zeit erkannt und erweitert ihr Angebot stetig.
Gesundheitssport wird in unserer Gesellschaft immer wichtiger. Die VT Zweibrücken hat die Zeichen der Zeit erkannt und erweitert ihr Angebot stetig. FOTO: picture alliance / dpa / Andreas Arnold