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Ironman auf Hawaii
Gegen Wind, Hitze und den eigenen Körper

Jedes Jahr ein imposanter Anblick: Rund 2000 Triathleten stürzen sich früh morgens beim Start in der Bucht von Kailua-Kona in den Pazifik.
Jedes Jahr ein imposanter Anblick: Rund 2000 Triathleten stürzen sich früh morgens beim Start in der Bucht von Kailua-Kona in den Pazifik. FOTO: Baron Sekiya / dpa
Zweibrücken/Kona. Der Zweibrücker Oliver Spurzem misst sich am Samstag beim Ironman auf Hawaii mit den besten Triathleten der Welt. Bereits zum dritten Mal. Von der mystischen Insel will der 40-Jährige nach der durchwachsenen Vorbereitung allerdings mehr mitnehmen als nur das sportliche Erlebnis. Svenja Hofer

Sich einfach nur zum Spaß so richtig quälen. Mit dieser Einstellung geht Oliver Spurzem an diesem Samstag den legendärsten Ironman der Welt auf Hawaii an. Zum dritten Mal hat sich der Zweibrücker für die WM qualifiziert, er gehört, nachdem er die Quali für den Wettkampf auf der Pazifik-Insel 2016 verpasst hatte, zum dritten Mal zu den rund 2000 besten Triathleten der Welt.

Doch während Jan Frodeno als einer der 212 deutschen Teilnehmer seinen dritten Sieg in Folge anpeilt, geht Spurzem die 3,86 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer auf dem Rad sowie 42,195 Kilometer auf der Laufstrecke „dieses Mal lockerer an“. Obwohl der 40-Jährige bei seinem dritten Start eigentlich mit aller Macht eine neue Bestzeit aufstellen – 10:07 Stunden hat er von 2014 stehen –, endlich auch in der Hitze von Kona die Zehn-Stunden-Marke knacken wollte. Alles hatte er seit vergangenem November diesem Ziel untergeordnet. Zahlreiche Trainingslager, so viele Stunden auf dem Rad, im Wasser und auf der Laufstrecke wie kaum zuvor verbracht. Doch ausgerechnet in den letzten Monaten vor der Triathlon-WM konnte Spurzem die Vorbereitung aus privaten und beruflichen Gründen nicht so bestreiten, wie erhofft.

„Ich fahre da jetzt hin und will einfach Spaß haben“, erklärt der ehrgeizige Sportler daher vor seinem Abflug vor einer Woche ungewohnt locker. „Dann schaue ich, was passiert. Vielleicht hilft es ja sogar, das ganze mal nicht so verbissen anzugehen“, sagt er schmunzelnd. Die Grundlagen seien schließlich da und seine Leidensfähigkeit hat der Stabsfeldwebel nicht nur in Hawaii schon mehrfach unter Beweis gestellt. „Auf der Strecke wird sicher wieder einiges passieren im Kopf, im Kampf gegen den eigenen Körper.“

Die 226 vor ihm liegenden Kilometer auf Kona seien einfach schwieriger zu bewältigen, wenn man bereits weiß, was auf einen zukommt. „Aber es ist eine WM, die besten Triathleten der Welt sind hier versammelt. Da ist es eine Ehre, starten zu dürfen“, betont Oliver Spurzem. Dafür hat er hart gearbeitet, auf dem Weg hierher bei der EM im Juli in Frankfurt als Elfter seiner Altersklasse eine neue Bestzeit (9:14 Std.) aufgestellt. „Den Start habe ich mir daher verdient.“ Und dennoch will Oliver Spurzem es entspannter angehen lassen. Auch wenn er weiß, dass er wieder voll im Fokus sein wird, sobald er aus dem Flieger steigt und die Stimmung vor Ort auf der Insel miterlebt.

Dennoch plant der 40-Jährige,   dieses Mal von Hawaii mehr als nur das Wettkampferlebnis mitzunehmen. Es gebe zwei Möglichkeiten, den Ironman anzugehen: rein das Sportliche zu sehen, oder aber, sich auf das ganze Land einzulassen. „Die Insel hat schon etwas Mystisches. Das will ich dieses Mal mitnehmen.“ Daher wohnt er dieses Mal auch nicht mitten im Zentrum des Trubels, sondern oben in den Bergen bei Einheimischen. Vielleicht könne er auch noch einmal im offenen Meer mit Delfinen schwimmen und wieder hoch hinaus auf den Mauna Kea, einen der höchsten Berge der Welt. „Da war ich 2014 schon. Die von der Hitze unten bis hinauf immer kühler werdenden Temperaturen und der Sonnenuntergang von dort sind einfach unbeschreiblich, das hat mir damals unglaublich viel Kraft gegeben.“



Im Wettkampf möchte Spurzem am Samstag dann das Beste rausholen und einen vernünftigen Saisonabschluss feiern. Er ist sich sicher, das zu schaffen, „wenn der Wind gut zu mir ist – das ist wirklich meine größte Angst auf der Radstrecke“. Der Rest werde schon laufen, ist er trotz der schlechten Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt optimistisch. Den letzten Feinschliff hat er sich schließlich nach dem kräftezehrenden Training auf der Rolle zuhause nun in den Einheiten auf Hawaii geholt. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es gut für mich ist, auf Spannung zu bleiben, und gleich aus dem Training heraus in den Wettkampf zu gehen“, erklärt Spurzem. „Sicher fahre ich dann keine 150 Kilometer mehr auf dem Rad, aber ich werde schon noch was tun, das dient auch der Akklimatisierung an die Hitze.“

Besonders genießen will Spurzem den Ironman auch deshalb, weil er danach eine Hawaii-Pause plant. Im nächsten Jahr probiert er dann nach elf Langdistanzen etwas Neues aus. Etwa die Halbdistanz von Alpe d’Huez sowie eine in Kalifornien. „Es müssen mal wieder andere Reize her, und ich will wieder Tempohärte zurückgewinnen.“ Die sei über die vergangenen Jahre etwas verloren gegangen. „Dass ich mich lange quälen kann, weiß ich ja nun.“ Und dieses Wissen kann Oliver Spurzem vor dem dritten Hawaii-Start ganz sicher nicht schaden.

Wsf-Triathlet Oliver Spurzem startet zum dritten Mal beim legendären Ironman auf Hawaii.
Wsf-Triathlet Oliver Spurzem startet zum dritten Mal beim legendären Ironman auf Hawaii. FOTO: Svenja Hofer