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Ganz unten angekommen

Magdeburg. Die Polen jubeln, der deutsche Männer-Handball ist dagegen mit dem Aus in der WM-Qualifikation am Tiefpunkt angelangt. Trainer Martin Heuberger muss vermutlich gehen. Am Mittwoch fällt die Entscheidung. sid

Martin Heuberger schlug die Hände vors Gesicht und war den Tränen nahe, seine Spieler hockten regungslos auf dem Boden, die Fans in Magdeburg verließen wütend den Ort der Schmach: Nach der 28:29-Pleite in der WM-Qualifikation gegen Polen machte sich am Samstag Entsetzen breit. Schon das Hinspiel hatten die Deutschen mit 24:25 verloren. "Das ist eine Tragödie für unseren Sport", sagte Rückraumspieler Holger Glandorf .

Bob Hanning, Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB), war nach dem WM-Aus fassungslos. "Das ist ein Schaden für den deutschen Handball , den man nicht wegdiskutieren kann. Die Endrunde im Januar in Katar wird eine große Aufmerksamkeit erzielen", sagte der starke Mann im Verband. Zum dritten Mal in der Ära von Bundestrainer Martin Heuberger seit 2011 hatte das DHB-Team nach Olympia 2012 und der EM 2014 ein großes Turnier verpasst - die Tage des Trainers dürften gezählt sein.

"Fakt ist, dass der Vertrag von Martin Heuberger am 30. Juni ausläuft. Wir wollen jetzt mal zwei Nächte darüber schlafen. Bis Mittwoch werden wir uns beraten. Dann gibt es eine Erklärung", sagte Hanning. Ein festes Bekenntnis zum Trainer sieht anders aus. Heuberger wich Fragen zu seiner Person aus. "Ich kann nur sagen, dass mein Vertrag ausläuft. Mehr kann ich nicht beeinflussen." Schon mehrfach hatte der 50-Jährige betont, dass er gerne weitermachen würde. Doch die Frage stellt sich, wie das Präsidium eine weitere Zusammenarbeit glaubhaft verkaufen kann, auch wenn Heuberger als Mensch und Fachmann innerhalb des Verbandes sehr geschätzt wird.

Als Kandidaten für den Bundestrainer-Job wurden zuletzt Martin Schwalb (HSV Hamburg ) und Dagur Sigurdsson (Füchse Berlin) gehandelt. Zu Schwalb wird Hanning ein gestörtes Verhältnis nachgesagt, mit Sigurdsson arbeitet er seit Jahren bei den Füchsen erfolgreich zusammen. Immer wieder genannt werden die Namen von Champions-League-Sieger Lubomir Vranjes (Flensburg-Handewitt), von Noka Serdarusic, dem früheren Kieler Meistertrainer, oder von dem aktuellen THW-Trainer Alfred Gislason.

So oder so - wieder mal steht der Verband vor einem sportlichen Scherbenhaufen. Zumindest an Holger Glandorf lag es nicht. Der Flensburger war mit sieben Treffern noch einer der besten deutschen Spieler, der beim 28:29 auch in schwierigen Phasen Verantwortung übernahm. Rückkehrer Michael Kraus konnte dagegen nur zeitweise überzeugen. "Ich muss das erst mal verdauen", sagte der Rückraumstratege, seine Zukunft in der Nationalmannschaft ist offen. Wenig Gelegenheit zum Eingreifen bekam der zweite Rückkehrer Johannes Bitter , der Keeper kam beim 28:29 kaum zum Einsatz. Silvio Heinevetter spielte fast durch und baute nach guter Leistung im ersten Durchgang nach der Pause deutlich ab. Was für die gesamte deutsche Mannschaft gilt, die zur Pause mit 14:10 führte, später noch mit 27:25, aber immer wieder Überzahl-Situationen ungenutzt ließ.