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Trainerabschied
Seltsame Ruhe nach nervenzehrender Saison

 Nach fünf Jahren verlässt Trainer Björn Hüther die SG Rieschweiler, um eine Fußballpause einzulegen.
Nach fünf Jahren verlässt Trainer Björn Hüther die SG Rieschweiler, um eine Fußballpause einzulegen. FOTO: maw / Martin Wittenmeier
Rieschweiler. Erneut erst am letzten Spieltag haben die Verbandsliga-Kicker der SG Rieschweiler den Klassenverbleib gesichert – und Trainer Björn Hüther damit eine schöne Verabschiedung in seine Fußballpause beschert. Von Svenja Hofer

Ungewöhnlich ruhig ist es für Björn Hüther derzeit. Keine Trainingsvorbereitung, keine Spielergespräche, keine Spielpläne. Ganz entspannt kann der 42-Jährige in den Sommer gehen. Vor drei Wochen noch sah das ganz anders aus. Da musste der Trainer der SG Rieschweiler am letzten Spieltag im Kampf um den Verbleib in der Fußball-Verbandsliga noch mächtig Schweiß lassen.

„Ich wünsche keinem Trainer solche zwei Runde wie die letzten beiden bei der SGR“, betont Hüther. Zwei Mal hat seine Mannschaft in einem Endspiel erst am letzten Spieltag den Klassenerhalt gesichert. „Das hat Nerven gekostet.“ Es sei eine Erlösung gewesen, es mit dem 4:2 gegen Jahn Zeiskam aus eigener Kraft zu schaffen. „Jetzt wissen wir, dass wir zum Abschluss sogar hätten verlieren dürfen, und dennoch drin geblieben wären.“ Da Vizemeister FV Dudenhofen die Relegation zur Oberliga für sich entschieden hat. „Aber diese Nerven auch nochmal aufzuwenden, noch die Aufstiegsspiele in Dudenhofen anzuschauen, und von ihnen abhängig zu sein – nein, da ist es schon gut, dass wir die drei Mannschaften hinter uns gelassen haben.“ Was auch verdient gewesen sei. „Meine Mannschaft hat sich richtig reingehauen, ist nochmal zu einem verschworenen Haufen geworden und hat bis zur letzten Sekunde alles gegeben.“



Und das, obwohl die SGR im Laufe der Runde immer wieder mit Rückschlägen zurechtkommen mussten. Nach dem 3:1 zum Auftakt gegen Gau-Odernheim blieb die SGR zehn Spiele ohne Sieg. Der Befreiungsschlag gelang mit dem 7:0 gegen Hauenstein. Doch es folgte eine Achterbahnfahrt, an deren Ende sieben Siege, acht Remis und 15 Niederlagen standen. „Letztlich hat es die Mannschaft durch die gute Kameradschaft, durch den starken Zusammenhalt geschafft. Wir haben uns als Team nie aufgegeben. Jeder wollte den Abstieg vermeiden.“ So sei die Situation nun für alle die beste, der Trainer und die scheidende Spieler könnten die Dicke Eiche erhobenen Hauptes verlassen. „Dass wir das geschafft haben, ist richtig geil“, ist Björn Hüther deutlich anzumerken, dass es auch für ihn schön ist, das Traineramt bei der SG Rieschweiler nach fünf Jahren mit einem guten Gefühl abgeben zu können.

Für Björn Hüther beginnt nun ein neues Kapitel. Mit einer Fußballpause . Es ist „ein seltsames Gefühl“ für den 42-Jährigen nach so langer Zeit als Spieler oder Trainer dem Sommer ohne den ganzen Fußballwahnsinn entgegenzublicken. „Es ist anders. Normalerweise wäre ich jetzt schon in der Planung, wie ich trainiere, was ich trainieren will, wo wir Testspiele bestreiten.“ Auch aus den Whatsapp-Gruppen hat sich Hüther bereits verabschiedet. „Daher ist es ungewöhnlich ruhig.“ Es sei aber schön, mal Wochenenden und Urlaub ohne Blick auf den Fußballkalender zu planen. „Das genieße ich schon.“ Doch der Einstieg in die Pause sei ja noch ganz frisch. „Ich war in den letzten Wochen noch die ganzen Relegationsspiele anschauen“, erklärt Hüther, dass er sozusagen gerade erst vom Platz kommt.

Und dort sieht er sich auch in Zukunft noch stehen. „An den Sonntagen wird sich nicht viel ändern, da werde ich mit meiner Familie weiterhin auf den Sportplätzen der Region sein.“ Wäre es nach Frau und Tochter gegangen, hätte Hüther auch weitermachen können „oder sogar sollen“, sagt er lachend. Aber er selbst brauche die Auszeit. Ohnehin hatte der 42-Jährige eigentlich nach der vergangenen Spielzeit eine Fußballpause einlegen wollen. Doch nach dem tragischen Unfalltod von Christoph Weis hatte er sich bereit erklärt, dem Verein zu helfen und eine weitere Saison dranzuhängen. „Ich weiß natürlich nicht, ob ich in drei Monaten unbedingt wieder was machen muss oder ob ich dann merke, dass ich das überhaupt nicht mehr will.“ Es sei schließlich viel, was man für den Fußball geopfert hat. Nicht nur Zeit mit der Familie, auch Urlaube und Überstunden aus dem Polizeidienst.

Obwohl sich Björn Hüther sehr auf einen entspannten Urlaub und Freizeit freut, sei „definitiv“ auch Wehmut mit dem Abschied aus Rieschweiler dabei. „Auch, weil die Mannschaft die war, die sie war. Das war so eine super Truppe“, lobt er seine Jungs. Es sei sehr schade, dass das jetzt so auseinander bricht. Doch der Coach ist sich sicher, dass die meisten Kontakte bestehen bleiben. Auch wenn es die Spieler zu unterschiedlichen Vereinen zieht. Zu viel haben diese zusammen erlebt.

Geht es um den schwärzesten Moment der vergangenen Jahre, muss niemand lange nachdenken. Der Schrecken und Schmerz über den Tod von Christoph Weis stecken noch immer tief. „Das ist nach wie vor schlimm. Man merkt immer mehr, dass er nicht nur als Spieler, sondern vor allem als Typ sehr fehlt.“ Bei allen Gedanken an seinen verstorbenen Freund, erinnert sich Hüther aber auch gerne an die schönen Zeiten mit der SGR zurück. Vor allem die Saison 2015/16 bleibt ihm positiv im Gedächtnis. Lange spielten die Rieschweiler in dieser um Relegationsrang zwei mit, wurden am Ende Fünfter. „Es ist einfach schön zu sehen, wie man sich in einen Lauf spielen kann.“ Natürlich seien auch die Klassenverbleibe an den letzten Spieltagen am Ende toll gewesen und ordentlich gefeiert worden. „Aber das waren dann zwei Tage, die anderen Erfolge haben sich über eine ganze Saison gezogen und die Mannschaft getragen.“

Ob oder wann Björn Hüther diese Momente auf dem Platz wieder erleben wird, sei offen. Einen konkreten Nach-Fußballpausen-Plan habe er „überhaupt nicht“. „Ich handhabe das völlig zwanglos. Ich bin aber froh, dass ich alle Angebote für die kommende Runde abgesagt habe. Zum jetzigen Moment wollte ich einfach nicht.“ Angst vor Langeweile hat Björn Hüther dabei keine. „Ich habe bereits einen Ausgleich gefunden.“ Derzeit laufe er sehr viel. „Wie lange das anhält, weiß ich natürlich nicht“, sagt er schmunzelnd. Aber ein bisschen Beschäftigung brauche er in dieser ungewöhnlichen Ruhe schon.