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Fußball-Saarlandpokal
„Überforderte“ Parr-Frauen ohne Chance

 Finalteilnahme trotz der klaren Niederlage ein Erfolg für die Fußballerinnen der SG Parr Medelsheim um Spielertrainerin Valerie Fogel (links).
Finalteilnahme trotz der klaren Niederlage ein Erfolg für die Fußballerinnen der SG Parr Medelsheim um Spielertrainerin Valerie Fogel (links). FOTO: Wolfgang Degott
St. Ingbert. Die Medelsheimerinnen unterliegen im Finale des Fußball-Saarlandpokals Göttelborn klar mit 0:8. Kritik an Austragungszeitpunkt. Von Wolfgang Degott

Es war das vorausgesagte Duell David gegen Goliath. Die hoch favorisierten Göttelborner Fußballfrauen wurden ihrer Favoritenrolle gerecht und sicherten sich erstmals in der Vereinsgeschichte den Saarlandpokal. Mit viel Elan und hoch konzentriert gingen sie vom Anstoß weg auf dem etwas holprigen Rasen der DJK St. Ingbert gegen das Verbandsligateam der SG Paar Medelsheim zu Werke und behaupteten sich mit 8:0 (4:0).

Schon nach sechs Minuten führten sie durch Karen Hager. Medelsheim verlegte sich auf die Defensive, kämpfte mit Leidenschaft, konnte jedoch einen weiteren Treffer von Lisa Mayer (18.) nicht verhindern. Als die frühere Champions-League-Gewinnerin Selina Wagner gar das dritte Tor nachlegte, war die Vorentscheidung gefallen. Rund 400 Zuschauer verfolgten noch vor dem Seitenwechsel, dass Lisa Mayer (44.) auf 4:0 erhöhte. Göttelborns Trainer Kai Klankert war zufrieden: „Das haben die Mädels klasse gemacht. Wir wollten voll konzentriert auftreten, und das haben wir auch durchgezogen“. Manuela Weber, Abteilungsleiterin der SG Parr, stellte nüchtern fest: „Göttelborn ist uns spielerisch hoch überlegen, da haben wir keine Chance.“

Im zweiten Abschnitt änderte sich wenig. Göttelborn legte die Schlagzahl fest, die Medelsheimerinnen, die schon in der Liga in beiden Begegnungen klar den Kürzeren gezogen hatten, gaben alles, kamen auch vor das Tor der Göttelborner Torfrau Nadine Winckler, die aber insgesamt einen ruhigen Nachmittag verlebte. Selina Wagner (66.), Sarah Franz (77.) und Lena Wind (88./89.) komplettierten den klaren Erfolg des Fußallprojektes SV Göttelborn/SV Elversberg, das nun den Saar-Fußball im DFB-Pokal vertritt, den ihre überragende Spielerin Selina Wagner schon zweimal mit dem VfL Wolfsburg gewann.



Während Medelsheims Spielertrainerin Valerie Fogel, die im zweiten Abschnitt vom Sturmzentrum in die Abwehr wechselte, maßlos enttäuscht nach dem Schlusspfiff keine Worte mehr fand, äußerte sich Spielerin Jamina Wilhelm: „Es war ein anstrengendes Spiel. Die Göttelbornerinnen haben sich total gut bewegt, wir waren etwas überfordert.“ Nach 2007, als man 1:3 gegen den SV Dirmingen verlor, war es das zweite Saarlandpokalfinale, das der Dorfverein erreichte – ein Erfolg zweifellos. Medelsheims Ortsvorsteherin Imelda Frenzel, die selbst einmal im Team mitgekickt hatte, zog ein klares Fazit: „Das war sehr eindeutig. Man hat gemerkt, dass die Göttelbornerinnen wesentlich stärker waren“. Auch Peppenkums Ortsvorsteher Axel Spies, der wie zahlreiche weitere Fans aus dem Bliesgau nach St. Ingbert gekommen war, stellte einen klaren Unterschied zwischen den beiden Teams fest. „Zunächst einmal sind wir schon wahnsinnig stolz darauf, dass wir überhaupt das Finale erreicht haben. Der SV Göttelborn hat ganz andere Voraussetzungen und auch ein ganz anderes Budget als wir. Aber wir finden das Projekt, das die beiden Vereine vorhaben, sehr gut. Wir wollen alle den Frauenfußball bestmöglich repräsentieren“, betonte die Teammanagerin der SG Parr Medelsheim, Diana Hassler. „Wir sind extra mit dem Bus gekommen, fahren jetzt gleich nach Hause und feiern dort noch“, fügte sie hinzu. Eine der besten Spielerinnen der SG war neben der Abwehrspielerin Lena Pilger Torhüterin Denise Schöndorf. Sie vereitelte viele Großchancen der Göttelborner.

Diskussionen gab es am Rande: Warum wird ein solches Pokalfinale im Endstadium der Männersaison sonntags um 15 Uhr, also zur gleichen Anstoßzeit der Amateurligen ausgetragen. Viele Freunde des Fußballs waren damit in der Bredouille und der Verlierer war der Frauenfußball. Zu einer anderen Zeit hätten sich sicherlich mehr Zuschauer in St. Ingbert eingefunden, für eine bessere Kulisse gesorgt, so der Tenor.