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Mehrtägiges Turnier in Zweibrücken
Fjordpferde eroberten das Landgestüt

 Die kreuzfidel umher springenden Fjordpferd-Fohlen waren nicht nur bei den jüngeren Besuchern am Landgestüt der Renner.
Die kreuzfidel umher springenden Fjordpferd-Fohlen waren nicht nur bei den jüngeren Besuchern am Landgestüt der Renner. FOTO: Cordula von Waldow
Zweibrücken. Über eine Woche lang begeisterten die gutmütigen Pferde unter anderem im Rahmen eines Turniers und einer Zuchtschau die Zweibrücker. Von Cordula von Waldow

So einen Anblick hatten die Zweibrücker noch nicht erlebt! Neun Tage lang waren auf den Plätzen im Landgestüt und auf der Rennwiese scheinbar unzählige falbfarbene Fjordpferde zu sehen. Die Interessengemeinschaft Fjordpferd (IGF) hatte das Landgestüt auserkoren, um ihr 45-jähriges Bestehen mit einem Jugend-Trainingslager, der Bundes-Zuchtschau und einem großen Turnier um den Fjord-Cup 2019 zu feiern. Fast 100 norwegische Sport- und Freizeitpferde, Zuchtstuten und Fohlen campierten auf dem mit Paddocks und Wohnwagen vollständig belegten Platz zwischen Landgestüt und Festhalle, während die Pferdehänger nahezu den gesamten Parkplatz an der Rennwiese einnahmen.

Viele der Teilnehmer hatten dabei Anreisen von bis zu 700 Kilometern in Kauf genommen. Zunächst schlugen 15 Jugendliche mit ihren Betreuern sowie der Jugendbeauftragten Stephanie Knebel im Landgestüt ihr Lager auf und trainierten dort eine Woche lang. Vom letzten Donnerstag bis Sonntag fanden dann die Wettkämpfe des alljährlichen Fjord-Cups, der in zehn Kategorien ausgeritten wurde, statt. Unterteilt in Altersklassen, Disziplinen, Sport- und Freizeitprüfungen.

Die Zuschauer staunten über die Leistungsfähigkeit der kompakten einstigen Arbeitspferde, die heute ganz sportlich gezogen und vielseitig ausgebildet werden. Begeistert sprangen sie über den Hindernisparcours und zeigten sich mit ihren eleganten, geschmeidigen Bewegungen in den anspruchsvollen Dressurprüfungen sogar konkurrenzfähig gegenüber Warmblutpferden. Vor allem aber brillierten die Fjordpferde in ihrer Paradedisziplin vor der Kutsche. Auch mit den Leistungen der Wander- und Freizeitreiter war das Richtergremium zufrieden. Am Sonntagmittag bewiesen die Pferde in einem Allround-Wettbewerb Trittsicherheit über schräg liegende Bodenstangen und Fächer sowie bei einem Hütchenslalom durch gebogene, enge Passagen. Auch der Sprung und das “Stillstehen“, während der Reiter einen Eimer von einer Pferdeseite auf die andere setzte, wurde geprüft.



Sehr stark waren die Reiter aus Hessen. Sophie Meunier als eine der ganz wenigen Reiterinnen aus dem Landesverband Rheinland-Pfalz-Saar wurde mit ihrer Stute Vanessa Vierte im Junioren-Dressur-Championat und verpasste im Junioren-Cup als erste Reserve ganz knapp eine Platzierung.

„So viel Publikum sind wir sonst gar nicht gewohnt“, staunte Stefanie Böttcher über das große Interesse der Zweibrücker, die viele Fragen zu den freundlichen und ruhigen Pferden stellten. Dank des Engagements von Gestütsleiterin Maren Müller und ihres Teams hätten sich alle „sehr willkommen und sofort wie zu Hause gefühlt“, schwärmte die Bundes-Vorsitzende der IGF aus dem niedersächsischen Stade: „Wenn es ein Problem gab – ob im Vorfeld oder vor Ort – wurde das umgehend behoben. Das Landgestüt hat sich sofort darum gekümmert.“

Nicht nur die Ebbe-Flut-Reitböden „vom Feinsten“ sorgten bei den Gästen für Begeisterung: „Die Rennwiese ist ein Traum. Ich würde sie am liebsten mit nach Hause nehmen“, schwärmte Meike Lefèvre aus Sulz am Neckar, verantwortlich für den Bereich TREC (Wanderreitsport) über die Möglichkeiten der „einzigartigen Anlage, die keine Wünsche offen lässt“. Auch die Bundes-Zuchtschau am Samstag lockte mit ihren herrlichen Bildern von kreuzfidel umher springenden Fohlen und ausdrucksstarken Stuten zahlreiche Zuschauer in die Allee und ins Landgestüt. „Es war eine sehr gute, erfolgreiche Veranstaltung“, freute sich Maren Müller, die betonte, dass das Landgestüt „offen für alle Rassen und Pferde-Events“ sei.

In der Tat: Auch in den kommenden Monaten besticht das Gestüt durch Vielseitigkeit: Längst etabliert ist das Island-Pferde-Festival mit regelmäßig ausverkauftem Gala-Abend, das erneut von 11. bis 13. Oktober stattfindet. Zu den Zweibrücker Pferdetagen am 17. und 18. August präsentieren sich am Samstag bei der Elitestutenschau die Warmblutschönheiten, Sonntag beim Fohlenchampionat des Pferdezuchtverbands dazu Pfalz-Ardenner, Haflinger und Ponies. Parallel dazu veranstaltet die VRG Südwestpfalz ein Voltigierturnier im Gestüt. Eine Woche später richtet der RSC Gestüt Etzenbacher Mühle erneut die Pfalzmeisterschaft Dressur und Springen im Landgestüt aus. Ende August gibt es ein Trakehner-Wochenende mit einem Tag der offenen Gestütstür am Sonntag, 1. September. Am 21./22. September schlägt der Mittelaltermarkt seine Zelte auf und Mitte Oktober beendet der „Goldene Zweibrücker Herbst“ die Zuchtsaison. Ganz neu ist die große Klassik-Pferde-Gala am 6. Oktober.

 Auch die junge Reiterin Victoria Nellen mischte mit ihrem Pferd Stella beim Fjord-Cup mit. Bis zu 700 Kilometer Anreise nahmen die Teilnehmer in Kauf.
Auch die junge Reiterin Victoria Nellen mischte mit ihrem Pferd Stella beim Fjord-Cup mit. Bis zu 700 Kilometer Anreise nahmen die Teilnehmer in Kauf. FOTO: Cordula von Waldow
  Stefanie Böttcher, Bundes-Vorsitzende der Interessengemeinschaft Fjordpferd, war begeistert von den vielen Zuschauern – und den guten Bedingungen am Landgestüt.
Stefanie Böttcher, Bundes-Vorsitzende der Interessengemeinschaft Fjordpferd, war begeistert von den vielen Zuschauern – und den guten Bedingungen am Landgestüt. FOTO: Cordula von Waldow
 Fast 100 norwegische Sport- und Freizeitpferde, Zuchtstuten und Fohlen campierten auf dem Platz zwischen Landgestüt und Festhalle.
Fast 100 norwegische Sport- und Freizeitpferde, Zuchtstuten und Fohlen campierten auf dem Platz zwischen Landgestüt und Festhalle. FOTO: Cordula von Waldow