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Fitness-Vorrat aus früheren Jahren regelt das Gewicht

Auch wer sich seit Jahren nicht mehr sportlich betätigt, kann noch fit sein - wenn er in früheren Jahren tüchtig trainiert hat. Denn diese Fitness kann viele Jahre lang anhalten und hat maßgeblichen Einfluss auf das Körpergewicht . Das Gewicht eines Menschen wird wesentlich davon beeinflusst, wie gut seine Atmung und sein Blutkreislauf in der Lage sind, den Körper mit Sauerstoff zu versorgen. Man spricht von kardiorespiratorischer Fitness . Diesen Zusammenhang zwischen Fitness und Körpergewicht belegen die Ergebnisse einer im Juni veröffentlichten großen europäischen Studie mit 2056 gesunden Erwachsenen im Alter um die 50 Jahre aus zehn Ländern. Die Fitness hängt davon ab, wie viel Sauerstoff ein Mensch bei körperlicher Aktivität maximal aufnehmen kann. Je höher die maximale Sauerstoffaufnahme liegt, desto besser ist es um die Fitness bestellt. Bei untrainierten Frauen und Männern unter 30 Jahren beträgt die maximale Sauerstoffaufnahme durchschnittlich 35 bis 45 Milliliter pro Minute und Kilogramm Körpergewicht . Bei einem 75 Kilogramm schweren Mann entspricht das etwa drei Litern pro Minute. Sehr gut trainierte Freizeitsportler kommen auf 60 ml/kg. "Zwischen der Fitness und dem Verhältnis von Taillenumfang zum Hüftumfang besteht sowohl bei Männern als auch bei Frauen ein starker Zusammenhang", erläutert Angelika Wientzek vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam, die maßgeblich an der Studie mitgearbeitet hat. Generell gilt: Je besser die Fitness , desto schmaler die Taille im Vergleich zur Hüfte. Die bei der Studie federführenden Wissenschaftler aus Potsdam und vom britischen Institut für Stoffwechselforschung des Addenbrookes Hospital in Cambridge konnten zudem nachweisen, dass auch der Body-Mass-Index (BMI) wesentlich von der maximalen Sauerstoffaufnahme abhängt. Der BMI setzt das Körpergewicht ins Verhältnis zur Körpergröße und gibt so einen Hinweis auf Unter-, Normal- oder Übergewicht. "Je mehr Sauerstoff ein Mensch aufnehmen kann, desto optimaler ist in der Regel sein Gewicht", bringt Angelika Wientzek die Ergebnisse auf den Punkt. Die Studie zeigt zudem, dass unabhängig von der bereits vorhandenen Fitness auch regelmäßige sportliche Aktivität Einfluss auf das Körpergewicht hat. Das ist jedoch seit Langem unbestritten. Neu in der Potsdamer Studie ist die Erkenntnis, dass die (gespeicherte) Fitness einen größeren Einfluss auf das Körpergewicht hat als die körperliche Aktivität. Selbst wenn ein Mensch seit Jahren nicht mehr körperlich aktiv ist, kann seine Fitness noch gut sein. "Die Fitness ist über Jahre hinweg relativ stabil. Sie hängt davon ab, in welchem Umfang und mit welcher Intensität ein Mensch in der Vergangenheit körperlich aktiv war, wird aber auch von Erbfaktoren beeinflusst", sagt Angelika Wientzek. "Wir gehen davon aus, dass eine höhere maximale Sauerstoffaufnahme den Stoffwechsel ankurbelt und dadurch den Kalorienverbrauch steigert. Dadurch wird das Körpergewicht reguliert." In vielen anderen Studien hatten Wissenschaftler die Daten zur körperlichen Aktivität der Teilnehmer nicht durch Messungen ermittelt, sondern sich auf deren Angaben verlassen. Diese Selbstauskünfte sind allerdings häufig fehlerhaft und können so die Studienergebnisse verfälschen. Die Forscher der Potsdamer Studie ermittelten daher die tägliche körperliche Aktivität mithilfe von Sensoren, die die Teilnehmer mindestens für vier Tage auf der Brust trugen. Gemessen wurden Herzfrequenz und Bewegung. Die maximale Sauerstoffaufnahme ihrer Probanden erfassten die Wissenschaftler in einem Test. Beide Messungen wurden nach vier Monaten wiederholt, um noch genauere Daten zu gewinnen. Bei den beteiligten Männern lag die maximale Sauerstoffaufnahme im Durchschnitt bei 33,5 Millilitern pro Kilogramm Körpergewicht , bei den Frauen waren es 30,7 ml/kg. Bezogen auf den Altersdurchschnitt der Studienteilnehmer wiesen die Frauen normale Werte auf, bei den Männern lagen sie etwas unter dem Durchschnitt. Die Probanden, die mehr Sauerstoff aufnehmen konnten, hatten ein gesünderes Körpergewicht , ein besseres Verhältnis von Taillen- zum Hüftumfang sowie einen besseren BMI. "Bemerkenswert an unseren Ergebnissen ist, dass wir nachweisen konnten, dass Fitness und körperliche Bewegung unabhängig voneinander das Körpergewicht beeinflussen. Dabei spielt die Fitness eine größere Rolle für das Körpergewicht und die Körperfettverteilung als die körperliche Aktivität", sagt Wientzek. Betrachtet man die Daten detaillierter, so sieht man, dass bei Frauen sowohl die Fitness als auch die körperliche Aktivität - diese allerdings etwas weniger - das Körpergewicht beeinflussen. Bei fitten Männern senkt zusätzliche körperliche Aktivität vor allem das Gesamtkörpergewicht (BMI), während sich am (ungünstigen) Verhältnis vom Taillen- zum Hüftumfang kaum etwas ändert. Bei Männern mit geringer Fitness hat körperliche Aktivität einen starken Einfluss sowohl auf das Gesamtkörpergewicht als auch auf den Taille-Hüft-Quotienten. Je besser die Fitness , desto geringer der Taillen-Hüftumfang-Quotient (THQ). Die Formel für den THQ lautet: Umfang der Taille in Zentimetern geteilt durch Umfang der Hüfte in Zentimetern. Die Taille wird in Nabelhöhe gemessen, die Hüfte an der dicksten Stelle. Der Quotient liefert die Antwort auf die Frage, wo die Fettdepots sitzen: ob mehr Fett am Bauch (Apfeltyp) oder mehr am Po (Birnentyp) vorhanden ist. Ein Beispiel: Beträgt der Taillenumfang einer Frau 65 Zentimeter und der Bauchumfang 79 Zentimeter, so ergibt sich ein Taille-Hüft-Quotient von 0,82. Das ist ein guter Wert. Übersteigt der THQ bei Frauen den Wert von 0,85, hat sich zu viel Fett am und im Bauch abgelagert. Bei Männern sollte der Wert nicht höher als 1,0 liegen. "Höhere Werte steigern das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Typ-2-Diabetes", erklärt Professor Dr. Heiner Boeing , Leiter der Abteilung Epidemologie am Deutschen Institut für Ernährungsforschung. Der Taillen-Hüftumfang-Quotient allein ist nicht wirklich aussagekräftig. Denn auch sehr dicke Menschen können einen scheinbar optimalen THQ-Wert erreichen. Hat beispielsweise ein Mann einen Bauchumfang (= Taillenumfang) von 112 Zentimetern und einen Hüftumfang von 108 Zentimetern, ergibt sich ein THQ von 1,04. Damit ist der oben genannte Grenzwert von 1,0 nur leicht überschritten, und das Gesundheitsrisiko dürfte nur gering sein. Doch mit seinen Maßen ist der Mann deutlich übergewichtig. Daher muss für die Beurteilung des Gesundheitsrisikos auch der Bauchumfang berücksichtigt werden. Männer haben ein erhöhtes Gesundheitsrisiko ab 94 Zentimetern Bauchumfang, Frauen ab 89 Zentimetern. Ein deutlich erhöhtes Risiko liegt vor, wenn bei Männern der Umfang der Körpermitte mehr als 102 Zentimeter beträgt. Bei Frauen liegt dieser Grenzwert bei 88 Zentimetern. Fettpolster am Bauch und im Bauchraum (Eingeweidefett) sind gefährlicher als Fettpolster an Hintern und Beinen. Wissenschaftliche Untersuchungen lassen keinen Zweifel daran, dass vor allem Bauchfett das Risiko für Herzerkrankungen, Schlaganfall und Diabetes erhöht. Studien - zum Beispiel der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Technischen Universität Dresden - belegen, dass ein dicker Wohlstandsbauch viel eher auf ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hinweist als das Gesamtkörpergewicht (BMI). Das bedeutet, dass der Bauchumfang bessere Vorhersagen über die drohende Gefahr von Herzkrankheiten und Schlaganfall zulässt als der Body-Mass-Index. Martin Lindemann

Auch wer sich seit Jahren nicht mehr sportlich betätigt, kann noch fit sein - wenn er in früheren Jahren tüchtig trainiert hat. Denn diese Fitness kann viele Jahre lang anhalten und hat maßgeblichen Einfluss auf das Körpergewicht . Das Gewicht eines Menschen wird wesentlich davon beeinflusst, wie gut seine Atmung und sein Blutkreislauf in der Lage sind, den Körper mit Sauerstoff zu versorgen. Man spricht von kardiorespiratorischer Fitness . Diesen Zusammenhang zwischen Fitness und Körpergewicht belegen die Ergebnisse einer im Juni veröffentlichten großen europäischen Studie mit 2056 gesunden Erwachsenen im Alter um die 50 Jahre aus zehn Ländern.

Die Fitness hängt davon ab, wie viel Sauerstoff ein Mensch bei körperlicher Aktivität maximal aufnehmen kann. Je höher die maximale Sauerstoffaufnahme liegt, desto besser ist es um die Fitness bestellt. Bei untrainierten Frauen und Männern unter 30 Jahren beträgt die maximale Sauerstoffaufnahme durchschnittlich 35 bis 45 Milliliter pro Minute und Kilogramm Körpergewicht . Bei einem 75 Kilogramm schweren Mann entspricht das etwa drei Litern pro Minute. Sehr gut trainierte Freizeitsportler kommen auf 60 ml/kg.

"Zwischen der Fitness und dem Verhältnis von Taillenumfang zum Hüftumfang besteht sowohl bei Männern als auch bei Frauen ein starker Zusammenhang", erläutert Angelika Wientzek vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam, die maßgeblich an der Studie mitgearbeitet hat. Generell gilt: Je besser die Fitness , desto schmaler die Taille im Vergleich zur Hüfte.

Die bei der Studie federführenden Wissenschaftler aus Potsdam und vom britischen Institut für Stoffwechselforschung des Addenbrookes Hospital in Cambridge konnten zudem nachweisen, dass auch der Body-Mass-Index (BMI) wesentlich von der maximalen Sauerstoffaufnahme abhängt. Der BMI setzt das Körpergewicht ins Verhältnis zur Körpergröße und gibt so einen Hinweis auf Unter-, Normal- oder Übergewicht.

"Je mehr Sauerstoff ein Mensch aufnehmen kann, desto optimaler ist in der Regel sein Gewicht", bringt Angelika Wientzek die Ergebnisse auf den Punkt. Die Studie zeigt zudem, dass unabhängig von der bereits vorhandenen Fitness auch regelmäßige sportliche Aktivität Einfluss auf das Körpergewicht hat. Das ist jedoch seit Langem unbestritten. Neu in der Potsdamer Studie ist die Erkenntnis, dass die (gespeicherte) Fitness einen größeren Einfluss auf das Körpergewicht hat als die körperliche Aktivität. Selbst wenn ein Mensch seit Jahren nicht mehr körperlich aktiv ist, kann seine Fitness noch gut sein. "Die Fitness ist über Jahre hinweg relativ stabil. Sie hängt davon ab, in welchem Umfang und mit welcher Intensität ein Mensch in der Vergangenheit körperlich aktiv war, wird aber auch von Erbfaktoren beeinflusst", sagt Angelika Wientzek. "Wir gehen davon aus, dass eine höhere maximale Sauerstoffaufnahme den Stoffwechsel ankurbelt und dadurch den Kalorienverbrauch steigert. Dadurch wird das Körpergewicht reguliert."

In vielen anderen Studien hatten Wissenschaftler die Daten zur körperlichen Aktivität der Teilnehmer nicht durch Messungen ermittelt, sondern sich auf deren Angaben verlassen. Diese Selbstauskünfte sind allerdings häufig fehlerhaft und können so die Studienergebnisse verfälschen. Die Forscher der Potsdamer Studie ermittelten daher die tägliche körperliche Aktivität mithilfe von Sensoren, die die Teilnehmer mindestens für vier Tage auf der Brust trugen. Gemessen wurden Herzfrequenz und Bewegung. Die maximale Sauerstoffaufnahme ihrer Probanden erfassten die Wissenschaftler in einem Test. Beide Messungen wurden nach vier Monaten wiederholt, um noch genauere Daten zu gewinnen.

Bei den beteiligten Männern lag die maximale Sauerstoffaufnahme im Durchschnitt bei 33,5 Millilitern pro Kilogramm Körpergewicht , bei den Frauen waren es 30,7 ml/kg. Bezogen auf den Altersdurchschnitt der Studienteilnehmer wiesen die Frauen normale Werte auf, bei den Männern lagen sie etwas unter dem Durchschnitt.

Die Probanden, die mehr Sauerstoff aufnehmen konnten, hatten ein gesünderes Körpergewicht , ein besseres Verhältnis von Taillen- zum Hüftumfang sowie einen besseren BMI. "Bemerkenswert an unseren Ergebnissen ist, dass wir nachweisen konnten, dass Fitness und körperliche Bewegung unabhängig voneinander das Körpergewicht beeinflussen. Dabei spielt die Fitness eine größere Rolle für das Körpergewicht und die Körperfettverteilung als die körperliche Aktivität", sagt Wientzek.

Betrachtet man die Daten detaillierter, so sieht man, dass bei Frauen sowohl die Fitness als auch die körperliche Aktivität - diese allerdings etwas weniger - das Körpergewicht beeinflussen. Bei fitten Männern senkt zusätzliche körperliche Aktivität vor allem das Gesamtkörpergewicht (BMI), während sich am (ungünstigen) Verhältnis vom Taillen- zum Hüftumfang kaum etwas ändert. Bei Männern mit geringer Fitness hat körperliche Aktivität einen starken Einfluss sowohl auf das Gesamtkörpergewicht als auch auf den Taille-Hüft-Quotienten.

Je besser die Fitness , desto geringer der Taillen-Hüftumfang-Quotient (THQ). Die Formel für den THQ lautet: Umfang der Taille in Zentimetern geteilt durch Umfang der Hüfte in Zentimetern. Die Taille wird in Nabelhöhe gemessen, die Hüfte an der dicksten Stelle. Der Quotient liefert die Antwort auf die Frage, wo die Fettdepots sitzen: ob mehr Fett am Bauch (Apfeltyp) oder mehr am Po (Birnentyp) vorhanden ist. Ein Beispiel: Beträgt der Taillenumfang einer Frau 65 Zentimeter und der Bauchumfang 79 Zentimeter, so ergibt sich ein Taille-Hüft-Quotient von 0,82. Das ist ein guter Wert. Übersteigt der THQ bei Frauen den Wert von 0,85, hat sich zu viel Fett am und im Bauch abgelagert. Bei Männern sollte der Wert nicht höher als 1,0 liegen. "Höhere Werte steigern das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Typ-2-Diabetes", erklärt Professor Dr. Heiner Boeing , Leiter der Abteilung Epidemologie am Deutschen Institut für Ernährungsforschung.

Der Taillen-Hüftumfang-Quotient allein ist nicht wirklich aussagekräftig. Denn auch sehr dicke Menschen können einen scheinbar optimalen THQ-Wert erreichen. Hat beispielsweise ein Mann einen Bauchumfang (= Taillenumfang) von 112 Zentimetern und einen Hüftumfang von 108 Zentimetern, ergibt sich ein THQ von 1,04. Damit ist der oben genannte Grenzwert von 1,0 nur leicht überschritten, und das Gesundheitsrisiko dürfte nur gering sein. Doch mit seinen Maßen ist der Mann deutlich übergewichtig. Daher muss für die Beurteilung des Gesundheitsrisikos auch der Bauchumfang berücksichtigt werden. Männer haben ein erhöhtes Gesundheitsrisiko ab 94 Zentimetern Bauchumfang, Frauen ab 89 Zentimetern. Ein deutlich erhöhtes Risiko liegt vor, wenn bei Männern der Umfang der Körpermitte mehr als 102 Zentimeter beträgt. Bei Frauen liegt dieser Grenzwert bei 88 Zentimetern.

Fettpolster am Bauch und im Bauchraum (Eingeweidefett) sind gefährlicher als Fettpolster an Hintern und Beinen. Wissenschaftliche Untersuchungen lassen keinen Zweifel daran, dass vor allem Bauchfett das Risiko für Herzerkrankungen, Schlaganfall und Diabetes erhöht. Studien - zum Beispiel der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Technischen Universität Dresden - belegen, dass ein dicker Wohlstandsbauch viel eher auf ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hinweist als das Gesamtkörpergewicht (BMI). Das bedeutet, dass der Bauchumfang bessere Vorhersagen über die drohende Gefahr von Herzkrankheiten und Schlaganfall zulässt als der Body-Mass-Index.

Zum Thema:

Auf einen BlickKörperlich fit zu sein, ist besonders wichtig, um Übergewicht vorzubeugen. Dies gilt besonders für Männer, bei denen gelegentliche körperliche Aktivität die Körpermaße nur wenig beeinflusst. Zwar wirkt eine in jungen Jahren antrainierte Fitness lange nach, aber sie hält nicht ewig an. Daher ist es wichtig, seine Fitness zu erhalten oder zu steigern. Leichte körperliche Bewegung reicht dafür jedoch nicht aus. Nur ein intensiveres und umfangreicheres Training führt zum Erfolg. Man muss sich dabei schon anstrengen und ins Schwitzen kommen.