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Vor dem Finale
Wieder eine Zeit für Helden?

  Viel Betrieb vor dem Tor von Hornets-Goalkeeper Steven Teucke (Mitte). Dass das am Sonntag anders wird, wenn der EHC Zweibrücken im ersten Finalspiel um die Regionalliga-Meisterschaft beim SC Bietigheim-Bissingen antritt, ist zu bezweifeln. Bietigheim stellte in der regulären Saison die beste Offensive der Liga.
Viel Betrieb vor dem Tor von Hornets-Goalkeeper Steven Teucke (Mitte). Dass das am Sonntag anders wird, wenn der EHC Zweibrücken im ersten Finalspiel um die Regionalliga-Meisterschaft beim SC Bietigheim-Bissingen antritt, ist zu bezweifeln. Bietigheim stellte in der regulären Saison die beste Offensive der Liga. FOTO: Martin Wittenmeier
Zweibrücken. Die Spannung steigt! Im ersten Finalspiel um die Meisterschaft in der Eishockey-Regionalliga treten die Hornets am Sonntag in Bietigheim an.

Bei der Frage, was Steven Teucke am Freitag, den 31. März 2017 getan hat, muss der Torwart des Eishockey-Regionalligisten EHC Zweibrücken zunächst passen. Dabei wurde er an jenem Abend um genau 22.33 Uhr zum Helden. Zumindest für die Hornets und 1300 Zuschauer in der Zweibrücker Ice-Arena. Da nämlich hielt Teucke den entscheidenden Penalty von Marc Oppenländer vom Heilbronner EC – und der EHCZ gewann erstmals die Meisterschaft in der Regionalliga.

Teucke, die Hornets und die gesamte Rosenstadt hoffen, dass sich die Geschichte wiederholt, wenn für den EHCZ am Sonntag um 17 Uhr die Finalserie um den Titel gegen den amtierenden Meister SC Bietigheim-Bissingen 1b beginnt. Die Partie findet in Bietigheim statt. Das zweite Spiel am 24. März in Zweibrücken. Bei einer möglichen dritten Partie hätten wieder die Württemberger Heimrecht, weil sie die reguläre Saison vor den Hornets als Tabellenführer abgeschlossen haben.

Wird Torwart Teucke auch diesmal wieder zum entscheidenden Faktor? Er parierte beim Finalcoup 2017 nicht nur im Penalty-Krimi die Schüsse von Oppenländer und Jörg Filobok. Sondern vereitelte in der regulären Spielzeit noch einen dritten Penalty von Sven Breiter. Wäre Breiters Schuss im Tor gelandet – es hätte damals drei Minuten vor dem Ende einen 3:5-Rückstand aus Sicht der Hornets bedeutet. Und damit vermutlich das Ende aller Titelträume. Von seiner Qualität hat der 33-jährige Teucke seit der Meisterschaft nichts eingebüßt: „Wenn Steven einen guten Tag hat, ist das super, da kann ich vor ihm Böcke schießen wie ich will, dann bügelt er die wieder aus“, flachste Mitspieler Stephen Brüstle vor einigen Monaten.



An die Stunden nach dem Triumph 2017 kann sich Teucke noch gut erinnern. „Ein Freund meinte, dass man uns gar nichts mehr zu trinken geben muss. Wir wären auch ohne Alkohol schon berauscht und bekloppt genug“, erzählt der Torhüter und muss schmunzeln. Der Schlüssel zur Meisterschaft sei der große Zusammenhalt gewesen: „Wir waren nicht das stärkste Team, aber jeder hat für den anderen den Kopf hingehalten.“

Auch in der Finalserie gegen Bietigheim werden die Hornets eventuell nicht die besseren Einzelspieler auf dem Eis stellen. „Sie sind jünger, vielleicht auch ein bisschen schneller als wir. Sie haben einen tiefen Kader. Und sie bringen richtig viele Schüsse aufs Tor“, warnt Teucke vor der Kaderschmiede des Zweitligisten. Vor der geballten Offensiv-Power der Württemberger müssen sich die Hornets in der Tat in Acht nehmen. 145 Treffer in den 24 Spielen der regulären Saison (Hornets: 120) sind Ligaspitze. Im Schnitt brachte Bietigheim den Puck pro Spiel sechs Mal im Netz unter. Den Angriffswirbel bekam im Halbfinale der ESC Hügelsheim zu spüren. Gegen den ESC setzte sich der SCB mit 7:5 und 7:2 glatt in zwei Spielen durch.

Doch auch die Hornets können von der Bietigheimer Angriffs-Maschine ein Lied singen. Im Ligaspiel im Oktober letzten Jahres reichten dem EHCZ im Heimspiel acht (!) eigene Tore nicht, um zu gewinnen (Endstand: 8:9). Doch schon im Dezember nahmen die Hornets Revanche und schlugen den SCB mit 7:4. Das letzte Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften im Februar entschied dann wieder Bietigheim mit 3:1 für sich.

„Für mich als Torwart ist das trotzdem erstmal ein Spiel wie jedes andere“, sagt Teucke, der eine defensivere Taktik gegen den SCB ausschließt: „Wir haben unser Konzept, wie wir in der Abwehr stehen wollen – und das werden wir auch am Sonntag verfolgen.“

Und worauf wird es im Finale besonders ankommen? „Wenn es nicht gleich so läuft, wie wir uns das vorstellen, dürfen nicht die Köpfe runtergehen. Tschakka, wir schaffen das trotzdem! So müssem wir da rangehen“, fordert Teucke. Diese Einstellung habe die Mannschaft insbesondere nach der dramatischen Halbfinalserie gegen die Eisbären Heilbronn verinnerlicht. Im entscheidenden Spiel lagen die Hornets nach dem ersten Drittel bereits mit 0:3 zurück – und bogen die Partie noch in einem 5:4-Erfolg um. „Eine geile Serie, jedes Spiel war so eng“, schwärmt Teucke, der insbesondere Trainer Terry Trenholm großen Anteil am Erfolg gibt. „Er ist trotz dem 0:3 in der Drittelpause ganz cool geblieben, hat eine ruhige Ansprache gehalten und uns richtig eingestellt“, erzählt das Hornets-Urgestein, das bereits seit seinem vierten Lebensjahr Vereinsmitglied ist, die Jugendmannschaften durchlief und seit der Saison 2004/2005 das Tor der Aktivenmannschaft hütet. Für den Eishockeysport hörte Teucke sogar mit dem Handballspielen auf. Mit den „besten Fans der Liga“ (Teucke) als auswärtige Unterstützung im Rücken wollen er und seine Teamkollegen sich im Bietigheimer Eisstadion im Ellental eine gute Ausgangssituation vor dem eigenen Heimspiel am 24. März verschaffen.

Und warum gewinnen die Hornets diemal wieder den Meistertitel? Während der Torwart bei der ersten Frage zu Beginn des Gesprächs noch passen musste, kommt die Antwort diesmal wie aus der Pistole geschossen. „Na weil wir das geilste Team haben.“ Ein Team, in dem Teucke – oder diemal vielleicht ein anderer Spieler? – erneut zum Hornets-Helden aufsteigen kann.

 EHCZ-Torwart Steven Teucke   Foto: ECHZ
EHCZ-Torwart Steven Teucke Foto: ECHZ FOTO: Verein /EHCZ