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„Feingefühl für Pferde ist wichtig“

 Das richtige Gefühl für das Pferd ist Trumpf, sagt Marcus Wenz – auch im Springreiten. Foto: cvw/pmz
Das richtige Gefühl für das Pferd ist Trumpf, sagt Marcus Wenz – auch im Springreiten. Foto: cvw/pmz FOTO: cvw/pmz
Zweibrücken. Anfang der 1990er Jahre arbeitete der hessische Springreiter Marcus Wenz auf der Etzenbacher Mühle. Seit 1995 ist er Gestütsleiter im ZYX Stud im hessischen Elbtal-Hangenmeilingen. Mit seinen Erfolgspferden gewann er über 130 internationale S-Springen, darunter den Nationenpreis in Tripolis. Am Zweibrücker Landgestüt gibt Wenz regelmäßig Lehrgänge für Reiter aus der Region. Merkur -Mitarbeiterin Cordula von Waldow hat sich mit ihm über seine Trainertätigkeit unterhalten.

Herr Wenz, Anfang der 90er Jahre haben Sie mit Reittrainer Dirk Hauser auf der Etzenbacher Mühle zusammengearbeitet. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Marcus Wenz: Es war eine intensive Lehrzeit für mich, denn wir haben sehr professionell trainiert. Dirk Hauser hatte immer die besten Trainer wie Heinrich-Wilhelm Johannsmann oder Alois Pollmann-Schweckhorst, bei denen ich auch geritten bin. Davon habe ich sehr viel mitgenommen. Außerdem waren wir auf sehr vielen großen Turnieren unterwegs. Das sind erinnernswerte Erlebnisse. Bis heute bin ich eng verbunden mit den Familien Rubly und Schäfer.

Was ist es für ein Gefühl, wieder hier in der Gegend zu sein?

Wenz: Ich komme zwar selten, aber immer wieder gerne hierher, um die Freunde zu besuchen. Im Landgestüt hat sich ja enorm viel getan in dieser Zeit. Es bietet wirklich beste Bedingungen: Der Boden ist tiptop, das Hindernismaterial auch sehr gut. Ich konnte an diesem Wochenende wirklich alles trainieren, was ich mir vorgenommen hatte.

Wie hat sich Ihre Karriere seitdem entwickelt?

Wenz: In den 20 Jahren war ich auf vielen großen Turnierplätzen erfolgreich, habe den Nationenpreis in Tripolis gewonnen, ein schweres Springen beim Pfingstturnier in Wiesbaden für mich entscheiden können, Sieg im Großen Preis von München und auf vielen internationalen Turnieren. Mir macht es große Freude, viel herumzukommen und überall Freunde zu treffen. Seit 2010 habe ich meinen Schwerpunkt auf die Trainertätigkeit verlagert. Wie Sie wissen, sind wir dabei, die luxemburgische Nationalmannschaft weiter auf- und auszubauen.

Was hat Sie zu diesem Wechsel bewogen?

Wenz: Es macht mir einfach viel Spaß, andere Reiter an ein Feingefühl für ihr jeweiliges Pferd heranzuführen, sodass sie im Einklang mit ihm feiner und einfacher erfolgreicher sein können.

Was muss ein Trainer mitbringen, um eine ganze Nationalmannschaft, der ja lauter "Experten" angehören, zum Erfolg zu bringen?

Wenz: Ich trainiere die Reiter ja nicht nur, ich manage das Team auch. Wir haben 2010 überhaupt erst begonnen, eine luxemburgische Nationalmannschaft aufzubauen. Das ist kein traditionelles Springreiterland wie Deutschland. Ich wähle die passenden Turniere aus und wir bereiten die Pferde langsam und gezielt vor, damit sie dann an Punkt x topfit sind und Höchstleistung bringen können. Dazu gehört vor allem auch regelmäßige Dressurarbeit. Die Reiter hören auf mich. (lächelt) Für uns sind der Höhepunkt im Jahr die Nationenpreise. 2014 sind wir einmal gestartet, 2015 zweimal.

Sie haben ihre reiterliche Berufskarriere in einem Dressurstall begonnen. Wie kam es, dass Sie dann auf Springreiten umgestiegen sind?

Wenz: Ich bin immer schon gesprungen, schon bis zur S-Klasse. Meine Eltern haben auf dieser Basis bestanden. Mein Bruder hat es auch so gemacht - mit Erfolg.

Bringt der Einstieg als Dressurreiter eher Vor- oder eher Nachteile mit sich?

Wenz: Eine dressurmäßige Vorbereitung ist die Grund-Voraussetzung für Erfolge im Parcours. Die Pferde müssen fein an den Hilfen stehen, wendig sein und sich blitzschnell zurückholen oder nach vorne schicken lassen.

Was war Ihr schönster Erfolg?

Wenz: Reiterlich war es der Sieg beim Championat in Wiesbaden 2010 mit meinem Hengst Balou, weil das so ein tolles Turnier mit einer einzigartigen Atmosphäre ist vor dem Wiesbadener Schloss. Als Trainer war es der erste Sieg im Nationenpreis - ein toller Team-Erfolg, auf den wir alle intensiv hingearbeitet haben. Wir haben uns wahnsinnig gefreut, dass es so geklappt hat!

Hier im Landgestüt gegen Sie Unterricht auch für Reiter auf Einstiegsniveau. Müssen Sie da komplett umdenken oder gibt es Parallelen?

Wenz: Beides. Die Basis ist immer nahezu identisch. Natürlich baue ich für fortgeschrittene oder erfahrene Reiter die Hindernisse höher und stelle ihnen anspruchsvollere Wegführungen auf.

Was sollen Ihre Reitschüler in Zweibrücken von Ihrem Lehrgang mitnehmen?

Wenz: Gefühl. Für ihr Pferd und die feine reiterliche Unterstützung, die es im jeweiligen Moment benötigt. Und für das richtige Abreiten, denn so gut, wie die Pferde vor der Prüfung vorbereitet werden, so gut springen sie dann auch im Parcours.

Welche nächsten Ziele peilen Sie mit der luxemburgischen Nationalmannschaft an?

Wenz: In diesem Jahr wollen wir dreimal im Vier-Sterne-Bereich antreten, nämlich in Linz (Österreich), Celje (Slowakei) und Budapest (Ungarn) und uns dort gut behaupten. Zum Saisonabschluss wollen wir erstmalig im spanischen Gijon einen Fünf-Sterne-Preis reiten. Damit sind wir in Division II angekommen, dem zweithöchsten internationalen Level.

Kommen Sie bei Ihrer umfassenden Trainertätigkeit auch noch selbst in den Sattel?

Wenz: Immer, wenn ich Zuhause in Hessen bin. Dann reite ich täglich fünf bis sechs Pferde, Nachwuchspferde und die Turnierpferde von meinem Sohn Lucas. Sollte er einmal nicht können und es passt, würde ich gerne noch einmal selbst bei dem Turnier starten.