| 20:56 Uhr

Handball-Bundesliga
Fatale Schlussphase kostet Junglöwen Punkte

Mächtig angefressen waren die beiden SV-Trainer Christian Schwarzer und Björn Stoll nach der unnötigen Niederlage der A-Junioren in Wolfschlugen.
Mächtig angefressen waren die beiden SV-Trainer Christian Schwarzer und Björn Stoll nach der unnötigen Niederlage der A-Junioren in Wolfschlugen. FOTO: Martin Wittenmeier / maw
Zweibrücken. 40 Sekunden vor dem Ende führen die A-Junioren des SV 64 in Wolfschlugen noch mit zwei Toren. Nach Ablauf der Spielzeit stehen die Zweibrücker mit leeren Händen da – und hadern mit den Unparteiischen. Von Roman Kuhn

Die A-Junioren des SV 64 Zweibrücken haben am vergangenen Sonntag zwei ganz wichtige Punkte im Kampf um die direkte Qualifikation für die Jugendbundesliga verloren. Die knappe 26:27 (15:10)-Niederlage bei der TSV Wolfschlugen hinterließ bei den Spielern und den Trainern Christian Schwarzer und Björn Stoll auch lange nach Spielende einen sehr bitteren Beigeschmack.

Mit hängenden Köpfen, niedergeschlagen und fassungslos saßen die Zweibrücker Jugendspieler nach dem Schlusspfiff auf der Auswechselbank. Leere Blicke streiften durch die Halle und immer wieder wurde die Frage gestellt, wie man solch ein Spiel noch verlieren konnte. Zwei Minuten und zehn Sekunden vor dem Ende führten das Team aus der Westpfalz – bei eigener Überzahl – komfortabel mit 26:23. Dann nahm das Unheil seinen Lauf und die Vorfreude auf einen sicher geglaubten Auswärtssieg zerplatzte wie eine Seifenblase. Davor lagen nach Meinung von Trainer „Blacky“ Schwarzer 58 gute bis sehr gute Spielminuten: „Unsere Jungs haben bis zwei Minuten vor dem Ende ein wirklich gutes Spiel gemacht. Ärgerlich war lediglich, dass wir durch eigene Unzulänglichkeiten und mehrere diskussionswürdige Entscheidungen der beiden Schiedsrichter nicht schon längst den Deckel drauf gemacht haben“.

In der Tat kamen die 64er glänzend ins Spiel. Von Beginn an übernahmen sie das Kommando. Angeführt vom elffachen Torschützen Tom Ihl und gestützt auf eine, von Kian Schwarzer perfekt organisierte Deckung, führten die Gäste über die Zwischenstände 7:5 (10.) und 11:8 (20.) zur Pause verdient mit 15:10-Toren.



Auch im zweiten Durchgang bestimmte die Mannschaft von Spielmacher Marc-Robin Eisel das Spielgeschehen und verteidigte ihre Führung immer mit zwei bis drei Toren. Allerdings schlichen sich bis in die Schlussphase immer wieder unnötige Fehler ein. „In der zweiten Hälfte plätscherte das Spiel so dahin. Wir lagen die ganze Zeit vorne, aber haben es auch verpasst, die Führung weiter auszubauen. Gerade von den Außenpositionen hatten unsere Jungs eher einen gebrauchten Tag. Philipp Meiser schied dann eine Viertelstunde vor Schluss auch noch mit Rückenverletzung aus, was die Sache auch nicht besser machte“, fasste der Zweibrücker Übungsleiter Björn Stoll das Spielgeschehen zusammen. Nachdem Eisel in der 57. Minuten per Siebenmeter zum 26:23 erhöhen konnte, schien das Match entschieden zu sein. Danach bescherte ein ungenießbarer Mix aus eigenen Fehlern, aber leider auch gravierenden Fehleinschätzungen der Unparteiischen eine böse Überraschung.

Zwei Minuten vor dem Ende wehrte Torwart Yannick Mangold einen Wurf aus dem Rückraum zur Seite ab. Anstatt den Abpraller und die Drei-Tore-Führung zu sichern, lief der Zweibrücker Außenverteidiger verfrüht zum Tempogegenstoß und ermöglichte den Hausherren den Anschlusstreffer zum 24:26. Da die Schiedsrichter bei dieser Aktion ein angebliches Foul des Zweibrücker Keepers gesehen haben wollen und ihn mit einer Zeitstrafe belegten, mussten die SVler in Unterzahl weiterspielen. Im Gegenzug verfehlte Felix Dettinger völlig freistehend die endgültige Entscheidung. Als noch 40 Sekunden auf der Uhr angezeigt wurden, verkürzten die Württemberger in Überzahl auf 25:26. Kurz zuvor eroberten die Junglöwen ein Kreisanspiel, doch der Ballgewinn wurde wegen eines angeblichen Foulspiels zurückgepfiffen. Im letzten Angriff unterlief Marc-Robin Eisel 14 Sekunden vor dem Abpfiff, unter Körperkontakt eines Gegenspielers, ein Ballverlust und den Hausherren gelang per Konter der vielumjubelten Ausgleichtreffer (26:26). Das war aber immer noch nicht das Ende dieses Dramas. In den verbleibenden vier Sekunden setzten die Westpfälzer nochmals alles auf eine Karte, nahmen sofort den Torwart vom Feld und versuchten über eine „Schnelle Mitte“ das Blatt zu wenden. Eisel, der durch die letzte Aktion zum tragischen Helden wurde, fasst die Situation zusammen: „Beim Anwurf lief eine Spieler von Wolfschlugen regelwidrig durch den Anstoßkreis und fing den Ball von mir ab. Für mich war klar, dass es jetzt, wie bei der Nationalmannschaft am Montag, die Rote Karte gegen Wolfschlugen und Siebenmeter für uns geben wird. Ich war völlig entsetzt und fassungslos, als die Schiedsrichter das Spiel einfach weiter laufen ließen und den Wurf in unser leeres Tor als regulären Treffer bewerteten“.

Im Nachhinein stellte Weltmeister Schwarzer trotz aller Diskussionen um die Leistung der beiden Unparteiischen Jaros/Thrun zuerst die Frage nach der eigenen Verantwortung: „Wir hätten uns in der Schlussphase einfach cleverer verhalten müssen, dann hätten die Unzulänglichkeiten der Schiedsrichter keine große Auswirkung gehabt“.