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Thaibox-EM in Paris
„EM-Titel wäre schönstes Geburtstagsgeschenk“

In Paris messen sich die besten Muaythai-Boxer Europas.
In Paris messen sich die besten Muaythai-Boxer Europas. FOTO: Pauline Willrodt / picture alliance / dpa
Zweibrücken. Der Zweibrücker Muaythai-Boxer Jakob Styben ist für die Europameisterschaft in Paris nominiert.

In der Pariser Georges-Carpentier-Halle treten vom 15. bis zum 22. Oktober die besten Muaythai-Boxer Europas gegeneinander an. Einer von ihnen ist Schwergewichtskämpfer Jakob Styben aus Zweibrücken. Der (noch) 25-Jährige hat sich für die Europameisterschaften ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: die Goldmedaille als passendes Geburtstagsgeschenk.

Herr Styben, morgen beginnen in Paris die Europameisterschaften im Muaythai (Thaiboxen). Als einer von nur sieben Startern werden Sie Deutschland bei den Titelkämpfen vertreten. Wie stolz sind Sie, für die EM nominiert zu sein?

Jakob Styben: Es war schon immer mein Wunsch, für mein Land in den Ring steigen zu dürfen. Dass ich über viele Jahre meine Leistung bringe und als Lohn regelmäßig für die Nationalmannschaft nominiert werde, macht mich natürlich stolz.

Wie schätzen Sie Ihre Form ein? Wie zufrieden sind Sie mit der Vorbereitung?

Styben: Ich fühle mich top vorbereitet. Vor zwei Wochen habe ich ja noch in Amsterdam in der höchsten Liga im Kickboxen (K1) gekämpft und gegen den starken Marokkaner Mo Amine gewonnen. Das hat mich nochmal zusätzlich motiviert. Die letzten Tage habe ich genutzt, um kleine Verletzungen auszukurieren. Die blauen Flecken mussten noch weg. Und am Samstag geht es in Paris ja schon auf die Waage. Meinen ersten Kampf habe ich dann wahrscheinlich am Montag oder Dienstag, das steht noch nicht genau fest.



Wie groß sind die Unterschiede zwischen Kick- und Thai-Boxen?

Styben: Riesig. Im Muaythai sind beispielsweise Ellenbogen- und Knietechniken erlaubt. Der größte Unterschied ist aber das Clinchen (Klammern). Insgesamt geht es beim Thaiboxen viel taktischer zu als beim Kickboxen.

Was haben Sie in den letzten Wochen speziell trainiert? Gibt es Schwachstellen, an denen Sie noch arbeiten mussten?

Styben: An einigen technischen Feinheiten habe ich die letzten Wochen intensiv gearbeitet, etwa, wie man Angriffe mit dem Ellenbogen verteidigt. In erster Linie standen aber taktische Inhalte auf dem Plan.

Um was ging es da genau?

Styben: Ich habe gemerkt, dass ich einfach schlauer kämpfen muss. Viele meiner Gegner waren nämlich nicht körperlich, sondern strategisch besser als ich. Das war auch bei den World Games im Sommer so, als ich Vierter geworden bin. Im Halbfinale hat mein ukrainischer Kontrahent seine Angriffe genau gesetzt und mich früh gestört. Dadurch bin ich überhaupt nicht ins Laufen gekommen. Gegen den Tschechen im Kampf um Platz drei war es dann genauso. Der hat abgewartet und mich so in die Falle tappen lassen.

Was haben Sie sich für die EM vorgenommen?

Styben: Ich bin nur auf den ersten Platz fokussiert. Das ist mein Ziel und dafür werde ich alles geben. Ich hoffe, dass ich dann mit der Goldmedaille nach Hause fahren kann.

Wen sehen Sie als Ihre größten Konkurrenten im Kampf um den Titel?

Styben: Die ganzen ehemaligen Ostblock-Länder muss man immer auf der Rechnung haben. Gerade in meiner Gewichtsklasse (Schwergewicht bis 91 Kilogramm; Anm. d. Red.) sind traditionell die Russen, Ukrainer und Weißrussen, die Kämpfer, die es zu schlagen gilt. Die dominieren das Muaythai-Boxen schon seit Jahren.

Am Sonntag (15. Oktober) werden Sie 26 Jahre alt. Sie könnten sich in Paris also selbst beschenken.

Styben: (lacht) Genau. Der EM-Titel wäre das schönste Geburtstagsgeschenk überhaupt.

Das Interview führte Martin Wittenmeier

Muaythai-Boxer Jakob Styben.
Muaythai-Boxer Jakob Styben. FOTO: Privat Styben