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Besonderer Genuss
Eine WM mit ganz eigenem Geschmack

Wm PM Beate Stephan
Wm PM Beate Stephan FOTO: Svenja hofer
Zweibrücken. Das Zweibrücker Ehepaar Beate und Günther Stephan geht bei Fußball-Großereignissen einem kulinarischen Ritual nach. Von Svenja Hofer

Rituale zum Fußball-Großereignis - das gehört für echten Fan dazu, wie Geschenke zu Weihnachten und bunte Eier zu Ostern.  Ob der bis zur nächsten Niederlage nicht rasierte Bart, das nicht gewaschene und vier Wochen lang nicht gewechselte Trikot oder das Verfolgen der Spiele am immer gleichen Ort. Um das favorisierte Team zu unterstützen, ist Fußball-Anhängern keine Marotte zu verrückt, kein Aufwand zu groß.

Und genau das beweist während der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland auch die Zweibrückerin Beate Stephan Tag für Tag aufs Neue. Gemeinsam mit ihrem Mann Günther hat sie ein ganz besonders geschmackvolles Ritual entwickelt: An jedem der 24. Spieltage – mit Ausnahme des 56. Geburtstags ihres Mannes am 18. Juni – kocht sie ein typisches Nationalgericht aus einem der teilnehmenden 32 Länder. Nationen und Reihenfolge bestimmt das Ehepaar dabei per Los. „Wir werfen alle Nationen in einen Topf und ziehen dann abwechselnd“, erklärt Beate Stephan. Die ersten drei Gerichte kommen in diesem Jahr aus Argentinien, Schweden und Kolumbien.

„Den Auftakt am 14. Juni macht das argentinische Locro – nicht das Rumpsteak, wie die meisten vermuten.“ Locro – das bedeutet, Familie Stephan darf sich zum Eröffnungsspiel zwischen Gastgeber Russland und Saudi Arabien auf einen Eintopf mit geschmortem Rindfleisch, Zwiebeln, Knoblauch, Maiskolben, weiteren zahlreichen Gemüsesorten, aber auch mit Pfirsich und Trauben freuen. Gefolgt vom schwedischen Köttbullar mit Pilz-Rahm-Sauce sowie am dritten Tag einem kolumbianischen Hähnchengeschnetzelten „mit Rum“. „Das dürfte interessant werden“, fiebert die Köchin dem Start bereits entgegen.



Denn sie weiß, bei allem Aufwand, wie viel Spaß das ganz auch bereitet. Denn mittlerweile gehen die Stephans ihrem ganz persönlichen Ritual bereits zum dritten Mal nach. „Die Idee hatte mein Mann vor vier Jahren zur WM in Brasilien“, erzählt die 59-Jährige. Erst habe sie gedacht, „das ist heftig“. Schließlich ist mit dem Rezepte suchen, einkaufen und zubereiten ein „ordentlicher Aufwand verbunden“. Zumal häufig für westeuropäische Gefilde nicht alltäglich Gewürze darin vorkommen.

Nach dem Erfolg  - nicht nur auf dem Herd der Familie Stephan – sondern auch der deutschen Nationalmannschaft mit dem Titel 2014 wollte Günther Stephan diesen Brauch unbedingt beibehalten. So haben sie das Kochritual bei der EM 2016 in Frankreich erneut durchgezogen. Damals kamen die Deutschen bis ins Halbfinale.

Sehr zufrieden wäre Beate Stephan damit auch in diesem Jahr. „Ich glaube nicht, dass wir Weltmeister werden“, prophezeit sie. „Vielleicht schaffen wir es bis ins Viertelfinale  - aber wer weiß, wer hätte 2014 gedacht, dass wir den vierten Stern sichern?“ Als einen der Favoriten auf den Titel sieht sie Frankreich. „Aber ich hoffe, dass wir das deutsche Trikot nicht nur drei Mal anziehen dürfen.“

Denn mit dem Kochen ist bei den Stephans noch lange nicht Schluss mit den Glücksritualen. „Wir sind volle dabei.“ An dem sportbegeisterten Ehepaar liegt es ganz sicher nicht, wenn es das deutsche Team es nicht bis ins Finale schafft.  Neben den wechselnden Gerichten und dem Dress der Nationalmannschaft zu den Spielen von Jogis Jungs sowie die Deko zuhause und am Auto gehören weitere „Spielregeln“ zu solch einem Großereignis dazu.  „Wir sind einfach etwas anders“, erklärt Beate Stephan lachend.  So ist über dem Hause Stephan in Ixheim vom 14. Juni bis 14. Juli auch eine „Urlaubssperre“ verhängt. „Wir fahren erst danach im Juli“, erklärt die 59-Jährige. Zudem trinkt das sportbegeisterte Ehepaar -  beide sind „absoluter FCK-Fan“ - während der vier Wochen keinen Tropfen Alkohol. „Wir machen Fastenzeit nicht nach Fasching, sondern während der WM.“ Alkoholfreies Bier und Sekt sei natürlich erlaubt,  „aber mein Mann sagt immer, er muss bei den Spielen absolut fit sein“. Zudem schauen die beiden alle Begegnungen stets zuhause. Große Menschenmassen oder schon kleinere Gruppen kämen nicht in Frage. Schließlich müsse alle Aufmerksamkeit auf die Partie gerichtet werden – und das gute Essen.

Dabei bleiben die verschiedenen Gerichte, die Beate Stephanbei den vergangenen Großereignissen zubereitet hat, mal in guter , mal in weniger guter Erinnerung. „Zuerst fällt mir ein, was absolut schlecht war“, sagt die Köchin herzhaft lachend: Belgien. „Ich wollte nicht einfach Fritten machen. Aber das überbackene Toast in Sauce hat uns beiden wirklich nicht geschmeckt – am Ende ist es in der Tonne gelandet.“ Vor allem die asiatischen Speisen sowie die Eintöpfe aus Bosnien, Kroatien sowie die Gurkensuppe aus Polen sind positiv hängen geblieben. „Es gab wirklich leckere Gerichte“, sagt Beate Stephan, die die Spiele bei der Weltmeisterschaft in Russland auch dann weiterverfolgt, wenn die deutsche Mannschaft vorzeitig rausfliegt. Schließlich wird auch bis zum Finale am 14. Juli außergewöhnlich gekocht.

ARCHIV - 25.02.2013, Niedersachsen, Hannover: Eine Portion "Köttbullar" der Möbelkette Ikea liegt mit Pommes und Soße auf einem Teller. (zu dpa "Köttbullar und Sternenköche: Der Handel setzt auf Gastronomie" vom 16.05.2018) Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
ARCHIV - 25.02.2013, Niedersachsen, Hannover: Eine Portion "Köttbullar" der Möbelkette Ikea liegt mit Pommes und Soße auf einem Teller. (zu dpa "Köttbullar und Sternenköche: Der Handel setzt auf Gastronomie" vom 16.05.2018) Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ FOTO: dpa / Julian Stratenschulte
ARCHIV - ILLUSTRATION - Dampfende Töpfe in einer Restaurantküche, aufgenommen am 03.03.2014. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht am Donnerstag (17.11.2016) Zahlen zum Umsatz im Gastgewerbe im September 2016. +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
ARCHIV - ILLUSTRATION - Dampfende Töpfe in einer Restaurantküche, aufgenommen am 03.03.2014. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht am Donnerstag (17.11.2016) Zahlen zum Umsatz im Gastgewerbe im September 2016. +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit FOTO: picture alliance / dpa / Jens Büttner