| 20:19 Uhr

Eishockey-Regionalliga
Ein Eishockey-Spiel wie eine Achterbahnfahrt

Zwei Neuzugänge, die bislang voll eingeschlagen haben: Fabian Fellhauer (vorne) und Christian Werth gehören in ihrer ersten Saison zu den Leistungsträgern beim EHC Zweibrücken.
Zwei Neuzugänge, die bislang voll eingeschlagen haben: Fabian Fellhauer (vorne) und Christian Werth gehören in ihrer ersten Saison zu den Leistungsträgern beim EHC Zweibrücken. FOTO: maw / Martin Wittenmeier
Zweibrücken. Mit einem 7:4-Sieg bei Tabellenführer Bietigheim hat sich Eishockey-Regionalligist EHC Zweibrücken eindrucksvoll im Rennen um die Playoffs zurückgemeldet. Nach einem total verkorksten Mitteldrittel hatte es allerdings lange nicht nach einem Erfolg der Hornets ausgesehen. Von Martin Wittenmeier

Spiele gegen den amtierenden Regionalliga-Meister SC Bietigheim-Bissingen sind in der dieser Saison nichts für schwache Nerven. Nach dem wilden 8:9 im Penaltyschießen ersten Aufeinandertreffen erlebten die Fans des EHC Zweibrücken am Freitagabend gleich den nächsten Eishockey-Krimi – dieses Mal allerdings mit einem guten Ende für die Hornets. Dank einer Willensleistung machte die Mannschaft von Trainer Terry Trenholm im Schlussdrittel einen Zwei-Tore-Rückstand wett und siegte am Ende noch mit 7:4 (2:1/0:3/5:0). Der Hornets-Coach war hinterher „super zufrieden“ mit dem Auftritt seines Teams: „Es war toll, wie die Jungs zusammengehalten und sich gegenseitig unterstützt haben. Alle haben füreinander gekämpft.“

Dabei hatten die Vorzeichen nicht unbedingt auf einen Erfolg beim Tabellenführer gestanden. Mit Bernd Hartfelder, Florian Wendland und Pascal Sefrin fehlte dem EHCZ fast die halbe Defensivabteilung. Doch davon war in den Anfangsminuten nicht zu spüren. Nachdem man ein Unterzahlspiel schadlos überstanden hatte, klingelte es zum ersten Mal im Kasten von Bietigheims Torhüter Victor Laveuve. Auf Vorlage von Dan Radke war Maximilian Dörr (5.) zur Stelle und erzielte das 1:0 für die Hornets, die keine 120 Sekunden schon den nächsten Treffer folgen ließen. Verteidiger Felix Stokowski zog einfach von der blauen Linie ab und nach nicht einmal sechs Minuten stand es 2:0 für die Zweibrücker. Kurz darauf hatte Christian Werth sogar das dritte Tor auf dem Schläger. Sein Alleingang wurde gerade noch gestoppt. Zur Mitte des Eröffnungsdrittel fanden auch die Steelers besser in die Partie und verkürzten folgerichtig durch Tim Heffner (12.) auf 1:2. Danach erspielten sich beide Mannschaften weitere Chancen, Tore fielen bis zur Pause aber keine mehr.

Was dann im zweiten Abschnitt geschah, erinnerte doch sehr an die letzten Minuten des Hinspiels. Strafzeit reihte sich an Strafzeit und die Hornets verloren zum Ende des Drittels die Kontrolle über die Partie. Beim 2:2 sah auch Steven Teucke im EHC-Tor nicht sonderlich gut aus. Ein eigentlich harmloser Schuss von Bietigheims Kapitän Mathias Vostarek rutschte vorbei am Hornets-Goalie zum Ausgleich nach 28 Minuten. Wenig später vereitelte Teucke nach einem Sololauf mit einer Glanzparade den dritten Bietigheimer Treffer.



Die nächsten Minuten hatten mit Eishockey nicht mehr viel zu tun. Stattdessen füllte sich auf beiden Seiten die Strafbank. Alleine die Hornets kassierten in dieser Zeit sechs Zeitstrafen. Für Abwehrspieler Felix Stokowski war das Spiel sogar ganz vorbei. Nach einem Kopfcheck schickten ihn die Unparteiischen mit einer Spieldauerstrafe vorzeitig zum Duschen. Damit fehlt der 25-Jährige am kommenden Samstag in Mannheim. Trainer Trenholm war mit einigen Entscheidungen nicht einverstanden: „Ein paar Sachen waren nicht korrekt. Die Schiedsrichter haben damit zur Hektik auf dem Eis beigetragen.“

Nutznießer waren die Hausherren, die in Überzahl erstmalig in Führung gingen. Erneut war es Vostarek (39.), der mit einem Mann mehr das 3:2 für Bietigheim besorgte. Und nur 33 Sekunden später lag der Puck wieder hinter Steven Teucke im Zweibrücker Tor. Ein Zuspiel von Heffner hatte Mike Weigandt (40.) zum vierten Treffer verwertet, mit dem es schließlich in die letzte Pause ging. Erinnerungen an das Hinspiel wurden wach, als die Hornets eine 6:2-Führung verspielten.

Am Freitagabend aber wurde ein anderes Drehbuch geschrieben. Vier Minuten im Schlussdrittel nutzte Dan Radke ein Zuspiel von Dörr, um auf 3:4 zu verkürzen. Die Hornets wirkten nun hellwach und witterten ihre Chance, doch noch etwas vom Tabellenführer mitzunehmen. Keine zwei Minuten dauerte es, da stand erneut Radke goldrichtig und markierte den verdienten Ausgleich. Bietigheim wirkte geschockt, Zweibrücken wollte mehr. Schließlich war es Stürmer Marco Trenholm, der dem Spiel sechs Minuten Schluss abermals eine Wende gab – 5:4 für die Hornets. Und der EHCZ ließ jetzt nicht locker: Fabian Fellhauer und Vladimir Zvonik kombinierten sich in das Bietigheimer Drittel, wo Christian Werth (57.) den Puck zum sechsten Zweibrücker Treffer versenkte. Damit war die Vorentscheidung gefallen, auch wenn die Steelers nun alles riskierten und für Torwart Laveuve einen zusätzlichen Feldspieler brachten. Vergeblich! Dan Radke und Maximilian Dörr eroberten die Scheibe, die Marco Trenholm ohne Mühe im leeren Kasten zum 7:4-Endstand unterbrachte.

Durch den Erfolg bleiben die Hornets (21 Punkte) Rückstand Fünfter, haben aber noch ein Spiel in der Hinterhand. Momentan trennen den Ersten Bietigheim (25) und den Ligasechsten Heilbronn (20) – beide waren allerdings gestern Abend erneut im Einsatz – lediglich fünf Zähler. „Dieser Sieg war im Kampf um die Playoff-Plätze enorm wichtig“, betont Trenholm. Dass in dieser Liga „Jeder jeden schlagen kann“, habe man am Wochenende wieder gesehen. Da setzte sich das bisherige Schlusslicht Freiburg 1b überraschend mit 3:2 gegen den EC Eppelheim durch, die durch die Niederlage vom zweiten auf den vierten Platz zurückgefallen sind.

Für die Hornets hält der Spielplan am kommenden Wochenende eine weitere Doppelschicht parat. Am Samstag (19.30 Uhr) tritt man zunächst beim neuen Schlusslicht EKU Mannheim an, bevor es tags darauf im Heimspiel (19 Uhr) gegen den Tabellensiebten Stuttgarter EC geht. Zwei Siege in diesen Spielen und der EHC Zweibrücken mischt wieder kräftig mit in der Verlosung um die vier Playoff-Plätze.