| 23:00 Uhr

EHC Zweibrücken
Der „Königstransfer“ ist ein Teamspieler

  Hornets-Neuzugang Claudio Schreyer erwartet am Sonntag mit dem EV Ravensburg einen harten Gegner. In der Zweibrücker Ice-Arena will er dann länger auf dem Spielfeld stehen als bei seiner Premierenpartie für den EHCZ.
Hornets-Neuzugang Claudio Schreyer erwartet am Sonntag mit dem EV Ravensburg einen harten Gegner. In der Zweibrücker Ice-Arena will er dann länger auf dem Spielfeld stehen als bei seiner Premierenpartie für den EHCZ. FOTO: maw / Martin Wittenmeier
Zweibrücken. Eishockey-Regionalligist EHC Zweibrücken empfängt am Sonntag den EV Ravensburg. Mit dabei: Hornets-Neuzugang Claudio Schreyer. Von Mirko Reuther

„Wir dürfen uns am Sonntag keine unnötigen Strafzeiten einhandeln“, sagt Claudio Schreyer – und weiß ganz genau, dass sich diese Forderung aus seinem Mund zunächst ein klein wenig kurios anhören muss. „Auch wenn ich in der Hinsicht nicht mit besonders gutem Beispiel vorangegangen bin“, schiebt der Neuzugang des Eishockey-Regionalligisten EHC Zweibrücken dann auch mit Galgenhumor hinterher.

Schreyer stand vor zwei Wochen beim Saisonauftakt der Zweibrücker gegen seinen ehemaligen Verein, die Eisbären Heilbronn, zehn Minuten auf dem Spielfeld, als er für einen Bandencheck vom Eis musste. Die Strafe: Fünf Minuten plus Spieldauer. Ob er gegen seinen Ex-Club übermotiviert war – oder die Strafe zu hart – mag der 26-Jährige nicht abschließend beurteilen. „Vielleicht eine Mischung aus beidem. Ich habe den Gegenspieler blöd erwischt, gar keine Frage. Ich gebe mir die Schuld, hätte sehen müssen, dass er übel fallen kann. Ob der Schiedsrichter gleich so eine Strafe verhängen muss, finde ich trotzdem eher zweifelhaft.“ Das Bittere für Schreyer: Er musste sich nicht nur den Rest der Partie gegen Heilbronn (4:2 für die Hornets) von außen anschauen. Er durfte auch vor einer Woche im Auswärtsspiel bei den Stuttgarter Rebels nicht mitwirken.

Ausgerechnet gegen Stuttgart, wo die Hornets aufgrund zahlreicher Ausfälle ohnehin mit einem Rumpfkader antreten mussten und unglücklich mit 2:3 nach Penaltyschießen verloren. „Das war überhaupt das Schlimmste. Am Livestream zu hängen und zuschauen zu müssen, wie die Jungs sich abrackern“, erinnert sich Schreyer, der an diesem Sonntag mit dem EHCZ um 19 Uhr den EV Ravensburg in der Zweibrücker Ice-Arena empfängt.



Der EV hat seine ersten beiden Saisonspiele gewonnen und reist mit breiter Brust nach Zweibrücken. „Ich habe keine Ahnung, wie sie es schaffen, immer wieder knapp die Playoffs zu verpassen. Aber das ist eine starke Truppe. Vor allem läuferisch“, weiß Schreyer.

Bei den Hornets fühlt sich der Linksschütze richtig wohl. Kein Wunder. Schließlich kennt er viele Spieler des Kaders bereits seit Jahren. Mit Verteidiger Felix Stokowski stand er schon im Kindesalter bei den Jungadlern Mannheim auf dem Eis. Tim Essig kennt er von den Rhein-Neckar-Stars, Max Dörr von den Mad Dogs Mannheim. Und Fabian Fellhauer wurde als Schüler schon von Schreyers Vater, der selbst Eishockey spielte, trainiert.

Doch auch vom Rest des Hornets-Kaders wurde der Neuzugang herzlich aufgenommen. „Ich hab meiner Frau schon nach dem ersten Training erzählt, wie nett die Jungs sind und wie leicht sie es mir gemacht haben“, sagt Schreyer und muss schmunzeln. Auch von der individuellen Stärke der Zweibrücker sei er positiv überrascht gewesen. Und in Sachen Charakter seien seine neuen Mitspieler ohnehin eine „Zehn von Zehn“, wie er sagt.

Doch wie schon zuletzt Mitspieler Dustin Bauscher anmerkte, findet auch Schreyer, dass die Hornets gerade im defensiven Spiel noch Verbesserungspotenzial besitzen. „Angreifen macht immer mehr Spaß. Aber hinten wirken wir teilweise noch unorganisiert“, sagt der 26-Jährige – der jedoch betont: „Verteidigung ist nicht alleine Sache der Abwehrspieler.“

Mit seinem ehemaligen Verein Heilbronn lieferte er sich in der vergangenen Saison eine irre Playoff-Halbfinalserie mit den Hornets. Die Zweibrücker hatten das bessere Ende für sich, gewannen die entscheidende dritte Partie in der Ice-Arena vor rund 1000 Zuschauern nach 0:3-Rückstand noch mit 5:4. „Angenehm war das nicht. Ich bin ein schlechter Verlierer. Jeder Bekannte von mir wird bestätigen, dass ich nach Niederlagen unerträglich bin“, sagt Schreyer mit einem Augenzwinkern. Er erinnert sich mit gemischten Gefühlen an die Spiele, die er in der Rosenstadt bestritten hat. „Zweibrücken hatte immer eine gute Mannschaft. Dazu kam das enge Spielfeld und die laute Kulisse von den Rängen. Es hat jedes Mal Spaß hier gemacht – aber einfach war es nie“, erklärt er.

Dass er von den Verantwortlichen der Hornets bei seiner Verpflichtung im Juli als „Königstransfer“ angepriesen wurde, mache ihn „schon stolz“ – ein klein wenig Druck verspüre er bei dieser Bezeichnung aber auch. „Ein Spieler allein kann auf dem Eis nichts ausrichten. Es geht immer nur mit der Mannschaft. Persönliche Statistiken interessieren mich nicht“, versichert Schreyer, an dem die Hornets bereits 2015 Interesse gezeigt hatten. Damals hatte Schreyer aber gerade erst seine Ausbildung bei der Bundespolizei beendet und wusste nicht, ob der Beruf und die weiten Fahrten aus dem Mannheimer Stadtteil Sandhofen nach Zweibrücken miteinander vereinbar sind. „Diesmal haben die Rahmenbedingungen aber perfekt gepasst“, sagt er.

Eishockey spielt Schreyer seit er vier Jahre alt ist. Sein Vater habe ihn auf das Eis gestellt und dann erstmal sich selbst überlassen. „Zuerst fand ich das nicht so cool. Aber nach einer halben Stunde, wollte ich gar nicht mehr runter“, flachst er.

Sein Ziel mit den Hornets sind die Playoffs. „Die sollten drin sein. Unser Offensivspiel kann brutal sein. Jede Reihe ist in der Lage, Tore erzielen“, sagt Schreyer. In der Saison-Endrunde sei dann „vieles möglich – aber so weit sind wir noch nicht.“

Stimmt. Denn zunächst steht am Sonntag um 19 Uhr die schwere Partie gegen den EV Ravensburg auf dem Programm. Dann will Claudio Schreyer mit gutem Beispiel vorangehen – und sich den Anhängern der Hornets endlich länger als zehn Minuten präsentieren.