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Külbs über Doping im Sport
„Jedes Mal ein Schlag ins Gesicht“

Judoka Jasmin Külbs (links) bewertet das Doping-Kontrollsystem in Deutschland als gut.
Judoka Jasmin Külbs (links) bewertet das Doping-Kontrollsystem in Deutschland als gut. FOTO: picture alliance / dpa / Maxim Shipenkov
Zweibrücken. Die Judoka des JC Zweibrücken erzählt von kuriosen Erlebnissen und eigenen Erfahrungen mit Kontrollen – die sie in Deutschland als sehr engmaschig ansieht. Von Sebastian Dingler

Auch der Judo-Sport kennt seine Doping-Fälle. Dort spielte zum Beispiel das herz- und kreislaufwirksame Medikament Meldonium eine Rolle, das auch die russische Tennisspielerin Maria Scharapowa eingenommen hatte. Seit 2016 gilt die Substanz als Dopingmittel, auch wenn laut verschiedener Quellen der russische Präsident Wladimir Putin, der selbst Judo kämpft, behauptet haben soll, es sei gar nicht leistungssteigernd. Wie es im Judo so zugeht, weiß die Judoka Jasmin Külbs, die 2014 Europameisterschafts-Dritte war und 2016 bei den Olympischen Spielen für Deutschland startete.

Die 26-jährige Böhl-Iggelheimerin, die in Köln lebt, besitzt das Startrecht für den 1. JC Zweibrücken. Stefan Hahn, der lange im 1. JC aktiv war, ist einer ihrer persönlichen Trainer. Külbs betont, dass es neben den publik gemachten Dopingfällen im Judo auch solche gäbe, die unter den Tisch gekehrt werden. „Wenn es zum Beispiel ein aktueller Weltmeister ist, der dann nach einer WM positiv getestet ist, da möchte man eben nicht, dass das rauskommt und derjenige gesperrt wird.“ Seltsam kam ihr auch vor, dass 2016, kurz vor der Europameisterschaft in Russland, das russische Team fast komplett ausgetauscht wurde. „Das war schon kurios. Da sind viele von davon ausgegangen, dass das aufgrund befürchteter Dopingfälle so gemacht wurde.“ Die EM fand im April statt, also viereinhalb Monate nach dem Verbot von Meldonium.

Putins Aussage über das Medikament selbst könne Jasmin Külbs nicht beurteilen. Andererseits sei ihr ganzer Judoka-Bekanntenkreis der Meinung, dass etwas faul an Putins Meinung sein muss, wenn er das schon so herunterspielt. „Solche Aussagen sind jedes Mal ein Schlag ins Gesicht, nicht nur für die eigene Sportart, sondern grundsätzlich für den sauberen Sport.“ Dennoch glaubt auch Külbs, dass Russland nicht die Doping-Nation schlechthin ist „Wenn man dann auf die USA schaut mit den ganzen Sprintern, die schon gesperrt wurden, oder auf Jamaica – da gibt es schon auch noch andere Nationen, die ganz vorne mitspielen, nicht nur Russland.“



Külbs erklärt, dass sie selbst habe noch nie mit dem Gedanken gespielt habe, ein Mittel auszuprobieren. Dafür sei ihr der Fairplay-Gedanke zu wichtig. Hinzu komme auch die Sorge um die eigene Gesundheit: „Es wäre mir ein viel zu großes Risiko, irgendwelche Mittel zu nehmen, von denen man ja nicht weiß, welche Folgeschäden sie haben.“ Die Athletin wird mittels des Adams-Systems kontrolliert, die Abkürzung steht für „Anti-Doping Administration and Management System“. Drei Monate im Voraus muss Külbs angeben, wo sie sich wann aufhalten wird. „Ich hatte schon öfter den Fall, dass die Kontrolleure zwischen sechs und sieben Uhr morgens vor der Tür stehen. Aber die machen ja auch nur ihren Job.“ Prinzipiell findet die Judoka gut, wie in Deutschland kontrolliert wird. Das System sei schon sehr engmaschig. Außer dem Adams-System gebe es noch die normalen Wettkampfkontrollen, bei denen der Sieger immer getestet werden müssen, die Zweiten und Dritten würden ausgelost. In manch anderen Ländern gebe es aber Mittel und Wege, die Kontrollen zu umgehen, ist sich Jasmin Külbs sicher. „Die meisten Athleten und Ärzte wissen, wie lange vorher man ein Mittel absetzen muss, damit es nicht mehr auffällt, aber der Effekt noch da ist. Dann kann man auch nach einem Wettkampf getestet werden, ohne dass es auffällt“, meint sie. Außerdem glaubt die Judoka des JC Zweibrücken, dass die Doping-Medizin den Kontrollen mindestens zwei Schritte voraus sei.

Bei den heute startenden Judo-Weltmeisterschaften in Baku (Aserbaidschan) kann Jasmin Külbs nicht dabei sein. Nach einer Schulter-Operation Ende März hat die 26-Jährige nach dem Aufbautraining Anfang September zwar wieder ein erstes Trainingslager in Kienbaum bestritten, der Start bei den internationalen Meisterschäften wäre aber zu früh gekommen. Dennoch hofft Külbs, in den kommenden zwei Jahren noch genug Qualifikationspunkte für ihren Traum von ihren zweiten Olympischen Spielen 2020 in Tokio erfüllen zu können.