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Diesmal siegt André Greipel

Reims. Nach drei Etappensiegen durch Marcel Kittel schlug gestern die große Stunde von André Greipel. Der deutsche Meister gewann in Reims sechs Tage vor seinem 32. Geburtstag die sechste Etappe im Sprint.

Nach seinem Sturz-Debakel ist Christopher Froome schon wieder zu Hause in Monaco und erholt sich vom bittersten Tag seiner Radsport-Karriere. Fluchtartig hat der am Handgelenk verletzte Titelverteidiger nach seinem frühen Aus die Frankreich-Rundfahrt verlassen, der Tour-Thron ist nun verwaist. "Ich bin am Boden zerstört - ich weiß noch nicht, wann ich zurück bin", twitterte er. An die Stelle des Briten könnte der Italiener Vincenzo Nibali treten, doch nach der ebenso denkwürdigen wie chaotischen fünften Etappe ist auch ein Herzschlagfinale mit einer Reihe von Bewerbern nicht ausgeschlossen.

Vor allem der Spanier Alberto Contador lässt sich von seinem deutlichen Rückstand nicht entmutigen. "Ich habe nicht mehr riskiert als nötig. Jetzt werde ich Kräfte sammeln, und dann kommt mein Terrain. Es ist nur eines von vielen Kapiteln der Tour vorbei", sagte der Kapitän des Teams Tinkoff-Saxo, dem im Moment 2:37 Minuten auf Nibali fehlen. Schon an diesem Wochenende in den Vogesen dürfte der zweimalige Tour-Gesamtsieger in den Angriffsmodus schalten.

Nibali ist sich dessen bewusst, bewahrt Ruhe und verweist wie so viele vor ihm in dieser Position auf die enormen Anstrengungen, die bei der Tour noch bevorstehen. "Es ist noch eine lange Distanz. Es wird schwer, Alberto zu kontrollieren", sagte der Sizilianer.

Vierter deutscher Tagessieg

Gestern hat allerdings André Greipel erst einmal die deutschen Radsport-Festspiele bei der 101. Tour de France in eindrucksvoller Manier fortgesetzt. Das Kraftpaket aus Rostock sprintete gestern auf der sechsten Etappe über 194 Kilometer zum vierten deutschen Tagessieg in diesem Jahr. Greipel verwies Mailand-San-Remo-Gewinner Alexander Kristoff (Norwegen) und Samuel Dumoulin (Frankreich) auf die Plätze. Zuvor hatte Marcel Kittel bei drei Massenankünften für deutsche Siege gesorgt, diesmal war er im Sprint nicht vertreten. Mit vier Siegen befinden sich die zehn deutschen Tour-Starter auf Rekordkurs. Die Bestmarke mit sechs Tagessiegen aus den Jahren 1977 und 2013 wackelt.

Greipel gewann seine insgesamt sechste Tour-Etappe, womit er zu Didi Thurau auf dem fünften Platz der besten deutschen Radprofis aufschloss. Die Führung in der Gesamtwertung verteidigte der Italiener Nibali. Der Girosieger von 2013 liegt zwei Sekunden vor Teamkollege Jakub Fuglsang (Dänemark).