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Vereinslegende
Der letzte Vorhang für André Nunold?

 Fast 30 Jahre für die Hornets: EHCZ-Stürmer André Nunold ging mit dem Verein durch Höhen und Tiefen, kämpfte gegen Abstiege und feierte Titel. Am Sonntag wird er für die Zweibrücker sein letztes Heimspiel bestreiten. Nunold – und alle Hornets-Anhänger – hoffen allerdings, dass für ihn danach noch eine letzte Partie in Bietigheim folgt.
Fast 30 Jahre für die Hornets: EHCZ-Stürmer André Nunold ging mit dem Verein durch Höhen und Tiefen, kämpfte gegen Abstiege und feierte Titel. Am Sonntag wird er für die Zweibrücker sein letztes Heimspiel bestreiten. Nunold – und alle Hornets-Anhänger – hoffen allerdings, dass für ihn danach noch eine letzte Partie in Bietigheim folgt. FOTO: @ Marco Wille -Photographie / Marco Wille
Zweibrücken. Der EHC Zweibrücken will am Sonntag in der Ice-Arena ein Entscheidungsspiel um die Regionalliga-Meisterschaft gegen Bietigheim erzwingen. Es ist ein besonderes Spiel für alle Hornets. Für Stürmer André Nunold hat es aber eine noch viel speziellere Bedeutung. Von Mirko Reuther

„Ich werde jede einzelne Sekunde genießen“, verspricht André Nunold, Stürmer des EHC Zweibrücken vor dem zweiten Finalspiel seiner Mannschaft um die Meisterschaft in der Eishockey-Regionalliga gegen den SC Bietigheim-Bissingen. Das Heimspiel am Sonntag um 17 Uhr vor rund 1300 Zuschauern, das die Hornets gewinnen müssen, um im Kampf um den Titel eine dritte Partie gegen den amtierenden Meister zu erzwingen, ist für alle Spieler der Zweibrücker etwas Besonderes.

Für Nunold wird es aber eine noch sehr viel speziellere Bedeutung haben. Denn der 36-Jährige wird zum letzten Mal in der Peter Cunningham Memorial Arena für seine Hornets auflaufen. „Im Sommer werde ich 37, irgendwann muss es ja auch mal gut sein. Die jüngeren Spieler wollen auch mal ran“, sagt Nunold und muss schmunzeln. Es sei für ihn in der Vergangenheit immer schwerer geworden, Beruf und Eishockey in Einklang zu bringen – und auch familiär „bleibt einiges auf der Strecke“, erzählt der in Zweibrücken geborene Nunold und ergänzt: „Meine Frau steht komplett hinter mir, sie unterstützt mich, wo es geht und hätte das auch noch weiter mitgemacht. Aber drei oder vier Mal in der Woche nachts vom Training heimzukommen – das geht nicht mehr“. Zweibrückens sportliche Leiterin Christina Fischer habe zwar versucht ihn davon zu überzeugen, noch eine Saison dranzuhängen, „aber ich bin ein sehr überlegter Mensch, die Entscheidung steht fest.“

Die Hornets verlieren mit Nunold mehr als nur irgendeinen Spieler, sondern ein echtes Urgestein: 1990 begann er mit dem Eishockeyspielen und blieb dem EHCZ seitdem fast durchgehend treu. Lediglich in der Saison 2000/2001 spielte er ein Jahr für die U20 des Mannheimer ERC in der Junioren-Bundesliga. Im Alter von 15 Jahren gab er mit einer Underage-Sondergenehmigung sein Debüt in der ersten Mannschaft der Zweibrücker, seit 2002 gehört er dem Regionalliga-Kader an. Rund 250 Scorerpunkte hat er allein seit 2005 für die Hornets erzielt. Torbeteiligungen vor dieser Zeit sind statistisch nicht erfasst.



Ob es Nunolds letztes Spiel – oder nur sein letztes Heimspiel – für den EHCZ sein wird, ist noch völlig offen. Gewinnen die Zweibrücker, steht eine dritte Partie an. Die fände allerdings wieder in Baden-Württemberg statt. So wie das erste Spiel der Finalserie, das die Hornets knapp mit 5:6 verloren haben. „Klar waren wir da enttäuscht“, sagt Nunold. Zwar hätte die Mannschaft ihre „Comeback-Mentalität“ unter Beweis gestellt und ein „sensationelles zweites Drittel“ gespielt. Dass der EHCZ nach einem 1:5-Rückstand auf 4:5 herankam – am Ende aber trotzdem der Verlierer war, sei „niederschmetternd“ gewesen.

Verloren sei jedoch „überhaupt nichts“. Darin sei die Mannschaft am Dienstag im Training übereingekommen. „Eigentlich wollten wir die Meisterschaft mit unseren Zuschauern zu Hause feiern. Das ist jetzt nicht mehr drin. Aber wir sind heiß und können es kaum erwarten, die Niederlage wieder gutzumachen“, versichert Nunold. Der Rahmen für sein letztes Heimspiel für den EHCZ könnte passender nicht sein. Die Partie ist seit Donnerstag ausverkauft.

Neue Erkenntnisse über den Gegner haben die Zweibrücker im ersten Finalspiel nicht gewonnen. „Wir wissen, dass Bietigheim offensiv stark ist. Da sind sie schwer zu stopppen, gerade im Überzahlspiel“, sagt Nunold. Seine Marschroute: „Wir müssen unser Heil im Angriff suchen. Defensiv ist Bietigheim zu knacken.“ Dass die Eisfläche in Zweibrücken kleiner sei als in Baden-Württemberg (Nunold: „Da sind wir direkt näher am Mann“) sei ebenso ein Vorteil wie die Anhänger im Rücken. „Der Einfluss, den die Zuschauer haben, ist enorm. Es ist für jeden Gegner unangenehm hier zu spielen. Die Stimmung ist einzigartig in der Liga“, schwärmt Nunold, der gegen die jüngeren Bietigheimer auch auf den Faktor Erfahrung setzt. „Wenn bei denen in der Schlussphase die Emotionen hochkochen, müssen wir diszipliniert bleiben. Bloß keine unnötigen Strafzeiten“, warnt der 36-Jährige.

Das Karriereende vor Augen beginnt es in den Tagen vor der Partie auch bei ihm zu kribbeln: „Es ist das dritte Endspiel, das ich bestreite, da geht man ein bisschen abgeklärter ran, aber natürlich steigt die Anspannung“, erklärt er.

Über seine schönsten Erinnerungen während seiner langen Zeit bei den Hornets habe er selbst gerade erst nachgedacht, antwortet Nunold auf die entsprechende Frage. „Es sind wirklich viele. Die Finals und jede Playoff-Serie waren natürlich Highlights. Auch die Zeiten, als wir als verschworener Haufen gegen den Abstieg gekämpft haben. Oder als wir Zweiter geworden sind – und das in einer Saison, als uns wirklich niemand auf dem Zettel hatte.“

Aber auch unabhängig von Triumphen und Höhepunkten seien die Hornets eine Herzensangelegenheit für ihn: „Die Mannschaft und der Verein sind wie eine Familie. Auch deshalb fühlen sich die Spieler, die aus dem Rest Deutschlands oder aus dem Ausland zu uns stoßen, sofort wohl. Ich habe hier so viele Freunde auch abseits des Eises gefunden.“ Zum Beispiel Max Dörr und Tim Essig: „Mit den beiden bilde ich eine Fahrgemeinschaft. Ohne die hätte ich die Schlittschuhe vermutlich schon früher an den Nagel hängen müssen.“

Mit der Möglichkeit, dass es sein letztes Spiel überhaupt für den EHCZ sein könnte, mag er sich noch nicht so recht beschäftigen. Beziehungsweise glaubt er fest daran, dass die Zweibrücker ein drittes Spiel erzwingen: „Dann können wir zwar nicht in der Ice-Arena feiern, aber nach Bietigheim haben uns beim ersten Mal so viele Fans begleitet. Beim Entscheidungsspiel werden es bestimmt noch ein paar mehr“, meint er.

Und was, wenn es nun doch Nunolds letztes Spiel im Trikot der Hornets ist? Dann wird er trotzdem jede einzelne Sekunde davon genießen.

  Eine von vielen schönen Erinnerungen: André Nunold (links) und Tomas Vodicka feiern die Regionalliga-Meisterschaft 2017. Ob sie dieses Jahr wieder jubeln dürfen?
Eine von vielen schönen Erinnerungen: André Nunold (links) und Tomas Vodicka feiern die Regionalliga-Meisterschaft 2017. Ob sie dieses Jahr wieder jubeln dürfen? FOTO: Marco Wille