| 22:20 Uhr

Handball-Oberliga
Dem Tabellenführer alles abverlangt

 Einen großen Kampf lieferten der siebenfache Torschütze Niklas Bayer (grau) und sein SV 64 Zweibrücken Oberliga-Tabellenführer Hochdorf. Die Heimreise mussten die Löwen aber ohne Punkte antreten.
Einen großen Kampf lieferten der siebenfache Torschütze Niklas Bayer (grau) und sein SV 64 Zweibrücken Oberliga-Tabellenführer Hochdorf. Die Heimreise mussten die Löwen aber ohne Punkte antreten. FOTO: maw / Martin Wittenmeier
Hochdorf. Die Oberliga-Handballer des SV 64 Zweibrücken verlieren das Spitzenspiel in Hochdorf unglücklich mit 23:24. Von Roman Kuhn

Kurz vor einer Sensation standen am Samstagabend die Oberliga-Handballer der Zweibrücker Löwen. Sie verloren ihr Auswärtsspiel bei Tabellenführer TV Hochdorf trotz einer ganz starken Leistung unglücklich mit 23:24 (14:14). Dabei fehlte den Schützlingen von Trainer Stefan Bullacher in einer dramatischen Schlussphase einfach das Quäntchen Glück, um mit einer riesigen Überraschung im Gepäck nach Hause fahren zu können. Mit dem letzten Angriff des Abends spielten die 64er ihren Kreisläufer Kian Schwarzer völlig frei, doch der 19-Jährige scheiterte wenige Sekunden vor dem Abpfiff an Hochdorf-Keeper Thomas Bolling. Aus einer geschlossenen Zweibrücker Mannschaftsleistung ragte Linkshänder Niklas Bayer mit sieben Treffern heraus.

Ein Sportlersprichwort sagt, dass man nicht nur in der Niederlage, sondern auch beim Siegen Größe zeigen soll – und genau das taten die Hochdorfer nach dem äußerst glücklichen Heimerfolg gegen den SV 64 Zweibrücken. Denn nach dem Spiel waren sich Trainer, Spieler und Publikum einig, dass die Gäste aus Zweibrücken ein ebenbürtiger Gegner waren und ein Unentschieden das gerechte Ergebnis gewesen wäre. Anders als im Hinspiel waren es in Hochdorf am Ende nur Nuancen, die dem Spielverlauf die entscheidende Wende zum 16. Saisonsieg der Pfalzbiber gaben.

In den ersten 20 Minuten boten die Akteure den etwa 300 Zuschauern im Hochdorfer Sportzentrum ein kurzweiliges Handballspiel mit viel Tempo und Spielwitz. Dabei spielte sich auf beiden Seiten jeweils ein Spieler besonders in den Vordergrund. Denn sowohl TVH-Spielmacher Tim Götz als auch Linkshänder Niklas Bayer bei den Gästen waren bis zum Zwischenstand von 10:10 (20.) kaum zu bremsen und erzielten die Hälfte der gefallenen Tore quasi im Alleingang.



Beide Teams zeigten im Angriff flüssige Kombinationen, vernachlässigten aber zum Unmut ihrer Trainer die Abwehrarbeit. Pfalzbiber-Trainer Steffen Christmann forderte, wie sein Zweibrücker Pendant mehr Aggressivität und Entschlossenheit beim Zweikampfverhalten. Diese Anweisung hatte Till Wöschler von den Löwen nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung (21.) aber wohl missverstanden. Mit einer ungestümen Abwehraktion traf er den einwurfbereiten Tim Götz so unglücklich im Gesicht, dass das souverän leitende Schiedsrichtergespann Antosch/Stadelmeier aus Gonsenheim sofort und vollkommen regelkonform die Rote Karte zeigen musste.

Im Anschluss verloren die Saarpfälzer in Unterzahl kurzzeitig den Faden und gerieten beim 10:14 (24.) zunächst deutlich ins Hintertreffen. Die letzten sechs Minuten des ersten Durchgangs gehörten dann allerdings wieder den 64ern. Bis zur Halbzeitpause ließen sie keinen Treffer des Favoriten mehr zu und holten Tor um Tor auf. Kurz vor der Halbzeitsirene traf Tim Schaller mit dem schönsten Tor des Tages per Kempa-Trick zum verdienten 14:14-Ausgleichstreffer.

In den zweiten 30 Minuten sahen die Fans eine identische Kopie aus Halbzeit eins – ein gutes Handballspiel mit wechselnden Führungen, schönen Tore und tollen Spielzügen, aber nun jeweils auch mit entsprechend starker Abwehrarbeit und dazugehörigen Torwartleistungen. Zuerst hatten die 64er den Spielvorteil auf ihrer Seite und führten nach 40 Minuten mit 18:15, nachdem sie sich binnen drei Minuten durch Treffer von Tim Schaller, einem Siebenmeter Benni Zellmers und einem weiteren Treffer Niklas Bayers vom 15:15 erstmals in diesem Spiel auf eine Drei-Tore-Führung absetzen konnten.

Doch die Gastgeber erholten sich schnell und glichen nur fünf Minuten später zum 19:19 wieder aus. In einer umkämpften Schlussphase setzten sich die Hausherren am Ende hauchdünn mit einem Tor Unterschied durch und feierten überglücklich ihren knappen Heimsieg.

Anders die Zweibrücker, die nach ihrem couragierten Auftritt nach dem Spiel und der verpassten Chance auf einen Punktgewinn niedergeschlagen am Boden lagen. Sie bekamen allerdings direkt nach dem Schlusspfiff von allen Seiten anerkennendes Lob. Auch Christmann gratulierte der jungen Zweibrücker Mannschaft zur starken Leistung und räumte ein, dass der Sieg für sein eigenes Team an diesem Abend glücklich war. So sah es auch „Löwen-Trainer“ Stefan Bullacher, der nach der Niederlage gegen seinen ehemaligen Club sehr stolz auf seine Schützlinge war: „Wir haben heute sicher unser bestes Saisonspiel gemacht. Wir haben es geschafft, zu jeder Zeit mit dem Tabellenführer auf Augenhöhe zu spielen. Ich bin auf die Jungs unfassbar stolz. Das Einzige was heute nicht gestimmt hat, ist das Ergebnis“. Trotz der Niederlage bleiben die Löwen auf dem dritten Tabellenplatz und erwarten nächste Woche die Bundesligareserve der Eulen Ludwigshafen, die TSG Friesenheim 2.