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Leichtathletik-DM
Christin Hussong wirft in ihrer eigenen Liga

Hoch konzentriert: Christin Hussong vom LAZ Zweibrücken ist am Samstag zum zweiten Mal deutsche Meisterin im Speerwurf geworden.
Hoch konzentriert: Christin Hussong vom LAZ Zweibrücken ist am Samstag zum zweiten Mal deutsche Meisterin im Speerwurf geworden. FOTO: dpa / Sven Hoppe
Nürnberg. Nach Belieben hat die Speerwerferin vom LAZ Zweibrücken die Konkurrenz bei den Deutschen Meisterschaften in Nürnberg beherrscht und mit fast sieben Metern Vorsprung ihren zweiten Titel nach 2016 gewonnen. Ihr Vereinskollege Daniel Clemens konnte sich dagegen über Bronze im Stabhochsprung nicht so recht freuen. Von Martin Wittenmeier

Eigentlich hätte Christin Hussong ihren Speer gleich nach dem ersten Durchgang wieder einpacken können. Denn weiter als die 57,61 Meter warf am Samstag im Nieselregen von Nürnberg keine ihrer Konkurrentinnen. Auch nicht Katharina Molitor, Weltmeisterin von 2015, die mit 56,75 Metern Zweite hinter der 24-Jährigen vom LAZ Zweibrücken wurde und mit ihrer Leistung nicht zufrieden war.

Anders Christin Hussong. Von Wurf zu Wurf steigerte sich die Herschbergerin und unterstrich damit eindrucksvoll ihre Favoritenrolle. Auch die widrigen äußeren Bedingungen, mit denen viele Werferinnen ihre Probleme hatten, störten die deutsche Jahresbeste nicht. „Der Regen hat mir gar nichts ausgemacht, außer dass ich nicht so viele dicke Klamotten dabei hatte. Ich hatte schon viele gute Wettbewerbe bei Regen, so dramatisch waren die Bedingungen nicht. Es war kein Wasser auf der Bahn, das beim Anlauf gestört hätte“, sagte Hussong und fügt an: „Ein großes Lob muss ich den Kampfrichtern aussprechen. Die haben dafür gesorgt, dass unsere Speere schnell zurück im Trockenen waren.“

63,16 Meter im zweiten und schließlich sogar 63,54 Meter im dritten Versuch – das war der überlegene Sieg und die zweite Deutsche Meisterschaft nach 2016. Danach ließen bei Hussong ein wenig die Kräfte nach. „Ich war da ein bisschen platt in den Beinen, die Vorbereitung auf die Europameisterschaft ist anstrengend und steckt mir in den Knochen, dazu kam dann noch die lange Anreise.“ Dass der Speer in den drei weiteren Durchgängen nicht mehr so richtig ins Fliegen kommen wollte, änderte allerdings nichts am deutlichen Sieg der 24-Jährigen. Fast sieben Meter lag sie am Ende vor Nationalmannschaftskollegin Katharina Molitor (Bayer Leverkusen), jeder ihrer drei Versuche hätte am Samstag zum DM-Titel gereicht. Die Bronzemedaille sicherte sich Christina Kiffe vom ASC Darmstadt, die ihre persönliche Bestweite auf 54,45 Meter steigerte.“ Eine deutsche Meisterschaft ist immer etwas Besonderes. Mir war es wichtig, meine Position im eigenen Land zu bestätigen“, merkte Hussong an, die bis zur Europameisterschaft Mitte August nun keinen Wettbewerb mehr absolvieren wird. „Die Qualifikation bei der EM wird mein nächster Wettkampf.“



Somit waren die Deutschen Meisterschaften zugleich die Generalprobe für ihren Saisonhöhepunkt. „Zwei Würfe über 63 Meter sind echt super. Ich habe mir vorgenommen, in den ersten drei Versuchen über 60 Meter zu werfen, um die Qualifikation bei der EM zu simulieren. Im ersten Versuch hat das noch nicht so geklappt, aber die beiden anderen Würfe waren richtig gut“, betonte Hussong. „Ich habe die letzten Wochen noch mal hart trainiert, deshalb war ich nicht zu 100 Prozent fit und daher geht die Weite auch in Ordnung. Wenn die Konkurrenz ein bisschen näher gerückt wäre, hätte ich mich nochmal steigern können“, erklärte die LAZ-Athletin, die doch ein wenig überrascht war, dass die Konkurrentinnen so große Probleme hatten. „Ich hab‘ mich nach dem Wettkampf mit Katharina (Molitor, Anm. d. Red.) unterhalten und die wusste auch nicht so recht, woran es gelegen hat. Am Wetter jedenfalls nicht.“

Allen Grund, sich zu freuen, hätte eigentlich auch Hussongs Vereinskollege Daniel Clemens gehabt. Schließlich landete der LAZ-Stabhochspringer gemeinsam mit Jakob Köhler-Baumann (Limburg) auf dem Bronzerang. Doch die Gefühlswelt des 26-Jährigen sah anders auch. „Im Moment überwiegt bei mir die Enttäuschung.“ Denn das große Ziel, noch einen der beiden offenen Startplätze für die EM zu ergattern, hat er trotz Platz drei wohl verpasst. Neben Raphael Holzdeppe, der bereits vor der DM nominiert war, werden voraussichtlich Bo Kanda Lita Baehre (Leverkusen), der in Nürnberg seinen Titel aus dem Vorjahr verteidigte und Torben Laidig (Tübingen) als DM-Zweiter die deutschen Farben bei der Europameisterschaft vertreten. „Der Bundestrainer gibt dem DLV (Deutscher Leichtathletik-Verband) eine Empfehlung ab und dieser entscheidet dann, wer die Startplätze letztendlich bekommt. So wie es momentan aussieht, werde ich wohl nur als Ersatzmann nominiert werden“, trauert Clemens der verpassten Chance nach.

Viel hatte schließlich nicht gefehlt. Schon 5,50 Meter hätten Clemens für das Ticket nach Berlin gereicht, doch die Höhe wollte am Samstag einfach nicht gelingen. Einzig Vorjahressieger Bo Kanda Lita Baehre meisterte im Dauerregen die 5,50 Meter und stand am Ende erneut ganz oben auf dem Treppchen. „Das ist schon bitter. Es war selten so einfach, sich für einen internationalen Höhepunkt zu qualifizieren, wie in diesem Jahr“, betont der Käshofer, der nach einem ungültigen Versuch, seine Einstiegshöhe von 5.30 Metern im zweiten Versuch souverän übersprang und danach auch mit den 5,40 Metern keine Probleme hatte. „Bei den 5,50m habe ich dann den Stab gewechselt. In den ersten beiden Versuchen war ich jeweils hoch drüber, bin aber auf die Latte gefallen. Im dritten Durchgang habe ich dann leider im Sprung eine kurze Pause gemacht und den Versuch ebenfalls gerissen.“

Damit war nicht nur der Traum vom DM-Erfolg, sondern auch von einem EM-Start zerplatzt. „Wenn heute zwei über 5,80 Meter gesprungen wären, hätte ich das akzeptieren können. Aber so ist es einfach nur ärgerlich, dass ich diese Chance aus der eigenen Hand gegeben habe“, suchte Clemens deshalb hinterher auch nicht die Schuld am Wetter. „Es war nicht einfach, aber für alle gleich. Trotzdem hätte ich mir natürlich trockenes Wetter gewünscht. Es gab für die Athleten nur vier Sonnenschirme, da war es schwierig, sich trocken zu halten.“

„Absolutes Verständnis“ hat Clemens für die kurzfristige Absage seines Teamkollegen Raphael Holzdeppe. „Es war gestern nicht ohne, in Nürnberg zu springen. Raphi will in Berlin um die Medaillen mitkämpfen und wollte deshalb nichts riskieren.“ Der Weltmeister von 2013 hatte aufgrund der widrigen Bedingungen auf einen Start verzichtet. „Ich wäre gern gestartet. Aber das Wetter ist mir einfach zu unbeständig. Der Verzicht ist eine reine Vorsichtsmaßnahme“, sagte Raphael Holzdeppe.

Das starke Zweibrücker Abschneiden bei der Deutschen Meisterschaft rundete Sprinterin Sina Mayer mit einem sechsten Platz im 100-Meter-Finale ab. Ohne allzu große Erwartungen angereist, zog die 23-Jährige mit 11,67 Sekunden hinter der späteren deutschen Meisterin Gina Lückenkemper (Leverkusen) als Zweite ihres Vorlaufs in den Zwischenlauf ein. Dort konnte sich Mayer noch einmal steigern und sicherte sich als Achtschnellste (11,65 sec) den letzten freien Platz im Endlauf. Mit dem Ausgang des Rennens hatte die LAZ-Starterin zwar nichts zu tun, schaffte es aber zwei Konkurrentinnen hinter sich zu lassen und in 11,69 Sekunden als Sechste ins Ziel einzulaufen.

Trotz Bronze enttäuscht: Stabhochspringer Daniel Clemens vom LAZ Zweibrücken hat das erhoffte EM-Ticket wohl verpasst.
Trotz Bronze enttäuscht: Stabhochspringer Daniel Clemens vom LAZ Zweibrücken hat das erhoffte EM-Ticket wohl verpasst. FOTO: dpa / Daniel Karmann
Starke Sechste wurde LAZ-Sprinterin Sina Mayer (Mitte) im 100-Meter-Rennen. Den DM-Titel holte sich Gina Lückemkemper (rechts).
Starke Sechste wurde LAZ-Sprinterin Sina Mayer (Mitte) im 100-Meter-Rennen. Den DM-Titel holte sich Gina Lückemkemper (rechts). FOTO: bir / Wolfgang Birkenstock
Verdienter Applaus: Fast konkurrenzlos war Christin Hussong bei ihrem zweiten DM-Erfolg am Samstag in Nürnberg.
Verdienter Applaus: Fast konkurrenzlos war Christin Hussong bei ihrem zweiten DM-Erfolg am Samstag in Nürnberg. FOTO: bir / Wolfgang Birkenstock