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Carina Vogt erfüllt sich einen Traum

Lahti. Zum zweiten Mal nach 2015 ist die Deutsche Skisprung-Weltmeisterin. Gerald Fritsche

(dpa) Carina Vogt schlug in der Sekunde des Triumphs die Hände über dem Helm zusammen und brach in Tränen aus. Dann wurde sie von ihren Teamkolleginnen förmlich erdrückt. Zum zweiten Mal nach 2015 ist die Degenfelderin Skisprung-Weltmeisterin. Bei den Titelkämpfen im finnischen Lahti machte sie in der Stunde der Entscheidung ihrem Ruf als abgezockte, coole Athletin alle Ehre. Nach Platz drei im ersten Durchgang stellte sie die Konkurrentinnen Sara Takanashi und Maren Lundby mit einem 96,5 Meter-Sprung vor eine Nervenprobe, die diese - wieder einmal - nicht bestanden. Die große Favoritin Takanashi fiel auf Rang drei zurück, die Norwegerin Lundby sogar auf Platz vier. Zweite wurde die Japanerin Yuki Ito.

"Ich habe so gekämpft auf dieser Schanze, mich von Sprung zu Sprung verbessert. Und dann gelingen mir wie immer im Wettkampf die beiden besten Sprünge. Es ist so unglaublich", stammelte die 25-Jährige und betonte, sich trotz der vielen Tränen wirklich zu freuen. Glauben konnte sie es in dem Moment jedoch selbst nicht.

Zumal es lange nicht nach einer erfolgreichen Saison ausgesehen hatte. "Wenn man wie ich im gesamten Winter keinen Weltcup gewonnen hat, ist man im ersten Moment natürlich fassungslos. Warum es immer wieder bei Großereignissen funktioniert, weiß ich selbst nicht. Aber es entschädigt für die harte Arbeit", sagte Vogt und kündigte an, ungeachtet des am Sonntag anstehenden Mixed-Wettbewerbs auf die Goldmedaille anstoßen zu wollen. Womit, war ihr egal. "Mal sehen, was wir da haben", sagte sie. Bundestrainer Andreas Bauer musste sich auch sammeln und kämpfte gegen die Tränen an. "Es ist die alte Geschichte vom Hasen und dem Igel: Die Weltcups gewinnen die anderen, Carina wenn es drauf ankommt. Sie hat so knallhart gearbeitet in den beiden vergangenen Jahren, ich muss den Hut vor ihr ziehen", sagte der Allgäuer.



Er hatte in der Stunde des neuerlichen Erfolgs die Zukunft der Sportart in Deutschland im Blick. "Wir haben jetzt mit den zwei Einzeltiteln von Carina und ihrem Olympiasieg gezeigt, dass wir eine medaillenträchtige Sportart sind. Es lohnt sich, uns zu unterstützen", sagte Bauer. Er hatte wieder einmal alles richtig gemacht in der Vorbereitung seiner Athletinnen, von denen Svenja Würth als Sechste und Katharina Althaus als Achte hervorragende Platzierungen schafften.