| 16:10 Uhr

Benefizspiel
Vom Bolzplatz in die BayArena

 Bei der 2017er Auflage des Benefizspiels in Mainz posierten die Freekickerz-Teilnehmer um Michael Rauf (2. v. li.) mit Mick Schumacher, Timo Hildebrandt und Dirk Nowitzki.
Bei der 2017er Auflage des Benefizspiels in Mainz posierten die Freekickerz-Teilnehmer um Michael Rauf (2. v. li.) mit Mick Schumacher, Timo Hildebrandt und Dirk Nowitzki. FOTO: Michael Rauf/Freekickerz
Zweibrücken/Leverkusen. Der Zweibrücker Michael Rauf drehte mit befreundeten Amateurkickern Videos auf dem Fußballplatz – und wurde so im Internet bekannt. Am Sonntag steht er in Leverkusen beim größten Benefiz-Spiel Deutschlands mit viel Prominenz auf dem Rasen. Von Mirko Reuther

Es klingt wie der Traum eines jeden fußballverrückten Heranwachsenden: Vor zehntausenden Zuschauern in einem Bundesligastadion von Weltmeister Miro Klose den Ball zugespielt bekommen – und per Kunstschuss genau im linken Torgiebel versenken. Was für die meisten Kids für immer ein Traum bleibt, wurde für Michael Rauf Realität. Mit ein wenig Verspätung. Denn der 29-jährige Zweibrücker nahm 2017 im Mainzer Bruchwegstadion an der Veranstaltung „Champions for Charity“ teil. Beim größten Benefiz-Fußballspiel Deutschlands trug er sich auf Vorlage von WM-Held Klose mit einem sehenswerten Treffer von der Strafraumkante in die Torschützenliste ein. „Das ist für immer in meinem Kopf abgespeichert“, schwärmt der Zweibrücker. Den dieser Tage langsam wieder die Nervosität packt.

Denn an diesem Sonntag (18 Uhr/live auf Sport 1) steht er in der Leverkusener BayArena bei der nächsten Auflage der Benefizveranstaltung erneut auf dem Feld. Etwa mit Basketball-Legende Dirk Nowitzki, Diskus-Olympiasieger Robert Harting, Turn-Olympiasieger Fabian Hambüchen, Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste, Ex-Skisrpinger Sven Hannawald und vielen ehemaligen Fußballprofis. Doch was macht Rauf in dieser prominenten Liste?

Er ist Gründungsmitglied der „Freekickerz“. Der gleichnamige Kanal auf der Videoplattform Youtube ist mit rund acht Millionen Abonnenten der zweiterfolgreichste in ganz Deutschland. Neben Tipps zur Verbesserung der Fußballtechnik zeigen die Freekickerz sogenannte „Challenges“, in deren Rahmen sie sich beispielsweise im Elfmeterschießen mit nationalen und internationalen Stars messen. Mit Manuel Neuer, Robert Lewandowski, Oliver Kahn, Franck Ribéry und Mats Hummels stand Rauf schon zusammen vor der Kamera.



Den Durchbruch erfuhr der Youtube-Kanal 2010, als die Freekickerz im Test auf dem Bolzplatz nachweisen konnten, dass der WM-Ball Jabulani mehrmals die Richtung wechseln kann – was er aber eigentlich nicht können sollte! Das Beweisvideo, das die Gruppe ins Netz stellte, wurde vom US-amerikanischen Sender CNN ausgestrahlt. „Uns hat niemand gefragt, ob uns das Recht ist. Aber im Nachhinein hat uns das einen Riesenschub gegeben“, erinnert sich Rauf. Als der Kanal immer größer wurde, kamen sogar Ausrüster wie Nike, Puma und Adidas auf die Freekickerz zu und baten darum, mit den Amateurfußballern werben zu dürfen. „Wir hätten ehrlich nie erwartet, was für einen Erfolg wir haben würden. Als wir angefangen haben, haben wir einfach auf dem Bolzplatz Freistöße gefilmt, Musik unter die Videos gelegt und sie ins Internet gestellt.“

Weil die Veranstalter von „Champions for Charity“ für ihr Benefizspiel neben Sportlern und Personen des öffentlichen Lebens auch nach Teilnehmern suchten, die im Internet eine große Fangemeinde hatten, fiel die Wahl auf die Freekickerz, die 2017 mit vier Spielern in Mainz mitmachten. „Als wir diesmal wieder gefragt worden sind, musste ich nicht nachdenken. Ich habe nur positive Erinnerungen an die Veranstaltung“, sagt Rauf. In Leverkusen wird neben ihm auch wieder Tim Mohr mit von der Partie sein. Der 25-Jährige spielt für den Fußball-Verbandsligisten Palatia Limbach. Rauf lief früher für den SVN Zweibrücken und den FC Bierbach auf, seit drei Jahren hat er neben seiner Arbeit bei der Karlsbergbrauerei und dem Aufwand, der in den Youtube-Kanal fließt, aber nicht mehr die Zeit, um als Aktiver gegen das Leder zu treten.

Obwohl er bereits mit vielen weltbekannten Fußballern vor der Kamera stand, sei das Treffen mit den prominenten Mitspielern bei „Champions for Charity“ 2017 ein „inspirierendes Erlebnis“ gewesen: „Dirk Nowitzki ist ein richtig witziger, lockerer und bodenständiger Typ. Das ist bei so einem Weltstar nicht selbstverständlich“, erzählt Rauf. Mit dem damaligen NBA-Spieler drehten die Freekickerz im Mainzer Bruchwegstadion sogar noch ein Video, in dem sie das „German Wunderkind“ im Elfmeterschießen herausforderten. Im Tor stand der ehemalige Bundesliga-Schlussmann Timo Hildebrandt.

Neben Nowitzki seien aber auch WM-Held Klose, Formel-2 Pilot Mick Schumacher und Moderator Kai Pflaume sehr umgängliche und sympathische Menschen, sagt Rauf. Serge Gnbary, der heute für den deutschen Rekordmeister FC Bayern München auf Torejagd geht, habe bei dem Spiel damals trotz des Benefizcharakters indes „richtig Gas gegeben“. Und auch die  Kölsche Frohnatur Lukas Podolski habe die Partie durchaus ernst genommen.

Nur um ein wenig mit den Sportgrößen zu kicken, nehmen Rauf und Mohr an dem Benefizspiel am Sonntag aber nicht teil. „Wir haben auf unserem Youtube-Kanal viele Zuschauer, eine große Reichweite. Mit der sollte man etwas Sinnvolles anfangen. Wir machen zwar Unterhaltung, aber wenn man die Möglichkeit hat, auf eine gute Sache hinzuweisen, sollte man das auch tun“, findet Rauf.  Die Erlöse aus der Partie in Leverkusen kommen der Dirk-Nowitzki-Stiftung und Projekten der „Keep Fighting Foundation“ der Familie von Formel1-Ikone Michael Schumacher zu Gute. Bei der Auflage 2017 kamen so rund 100 000 Euro für karitative Projekte zusammen. Priorität habe folglich der gute Zweck und dass die Zuschauer in der BayArena und vor den Fernsehgeräten gut unterhalten werden.

Ganz ohne Ehrgeiz geht Michael Rauf das Spiel aber nicht an. „Ein wenig habe ich in den letzten Wochen schon an der Ausdauer gearbeitet“, sagt der 29-Jährige und muss schmunzeln. Noch stehen für das Benefizspiel nicht alle Teilnehmer fest, Miro Klose hat bislang nicht zugesagt. Aber wer soll Michael Rauf dann den Treffer vorlegen, von dem jeder Heranwachsende träumt? „Ich bin ein großer Formel 1-Fan und Mick Schumacher ist ein super netter Mensch. Ich hätte nichts dagegen, wenn er das diesmal übernimmt.“

www.champions-for-charity.de
www.youtube.com/user/freekickerz