| 22:11 Uhr

Spitzenspiel der Handball-Oberliga
Beeindruckende Serie reißt in Budenheim

 Ungewohntes Gefühl: Torwart Marko Ivankovic vom SV 64 Zweibrücken, hier im Spiel gegen Mülheim, überzeugte einmal mehr im Löwen-Tor, konnte die erste Saisonniederlage aber dennoch nicht verhindern.
Ungewohntes Gefühl: Torwart Marko Ivankovic vom SV 64 Zweibrücken, hier im Spiel gegen Mülheim, überzeugte einmal mehr im Löwen-Tor, konnte die erste Saisonniederlage aber dennoch nicht verhindern. FOTO: maw / Martin Wittenmeier
Zweibrücken. Zum Abschluss der Hinrunde hat es auch den SV 64 Zweibrücken erwischt. Nach 14 Siegen in Folge verlor der Tabellenführer der Handball-Oberliga am Samstag das Topspiel beim Dritten SF Budenheim in letzter Minute mit 22:23. Von Roman Kuhn

In einer für die rund 500 Zuschauer unterhaltsamen, spannenden und dramatischen Partie, jedoch zumindest aus Zweibrücker Sicht nicht sehr ansprechenden Vorstellung, lieferten sich beide Mannschaften ein Duell auf Augenhöhe. Letzten Endes gab die famose Leistung von Budenheims Torwart Christian Kosel den Ausschlag zum Heimsieg des Tabellendritten.

Die letzten 30 Sekunden dieses Spitzenspieles könnten auch stellvertretend für die gesamte Spielzeit stehen. Soeben hatte Kevin Knieps die Hausherren mit seinem Treffer zum 23:22 in Führung gebracht. SV-Trainer Stefan Bullacher beantragte eine Auszeit und legte die Taktik für die verbleibende Spielzeit fest, in der die 64er in Überzahl zumindest den Ausgleich erzielen und somit einen Punkt sichern sollten.

Doch dann überschlugen sich die Ereignisse und trieben die vielen mitgereisten SV-Fans schier zur Verzweiflung. Mit dem dritten Ballkontakt nach Wiederanpfiff unterlief Marc Robin Eisel völlig unbedrängt ein Fangfehler. Er verlor den Ball und die Niederlage schien besiegelt. Doch die Löwen schalteten sofort auf eine offene Manndeckung um – und Benni Zellmer eroberte kurz danach tatsächlich den Ball zurück – um ihn aber postwendend durch einen Fehlpass erneut an die Budenheimer zu verlieren. Die letzten zehn Sekunden liefen auf der Hallenuhr herunter. Jetzt brachte Till Wöschler das Kunststück fertig und fing kurz vor dem Abpfiff nochmals einen Pass der Sportfreunde ab, passte zu Eisel, der aber mit seinem Wurf im Abwehrblock der Hausherren hängen blieb. Danach ertönte der Schlusspfiff und die erste Saisonniederlage war besiegelt.



In den 59 Minuten zuvor lieferten sich beide Teams einen vollkommen offenen Schlagabtausch. Keine Mannschaft schaffte es, sich entscheidend abzusetzen. Auf der großen Anzeigetafel der Mainzer Waldsporthalle wurde alleine fünfzehnmal ein Unentschieden eingeblendet. Über beide Halbzeiten marschierten die Rheinhessen und die Zweibrücker ergebnistechnisch im Gleichschritt. Vom 2:2 (6.), 6:6 (14.), 9:9 (25.), 14:14 (40.), 18:18 (50.) bis hin zum 22:22 (59.) lief eigentlich alles auf ein zu erwartendes Remis hinaus.

Doch Bullacher gab sich anschließend als fairer Verlierer: „Wir sind heute sicher der unglückliche Verlierer, aber am Ende ist jeder Sieg verdient, weil der Gegner dann eben das kleine Quäntchen besser war. Christian Kosel war der Matchwinner“, hob Bullacher nochmal die Leistung des Budenheimers Schlussmanns hervor. In das überschwängliche Lob seines Trainerkollegen Volker Schuster, der ein tolles Handballspiel gesehen hatte, bei dem beide Teams Werbung für den Sport gemacht hätten, wollte Bullacher indes nicht mit einstimmen. „Obwohl heute die beiden offensivstärksten Mannschaften gegeneinander angetreten sind, die normalerweise 30 Tore werfen, ist das Ergebnis mit 23:22 überschaubar. Und das lag nicht an einer tollen Abwehrschlacht, sondern an vielen vergeben Chancen und, für ein Spitzenspiel, viel zu vielen technischen Fehlern“, war der Zweibrücker Coach zumindest mit der Leistung seiner Schützlinge nicht zufrieden.

In der Tat standen für die Löwen laut Statistik am Ende 30 technische Fehler und Fehlwürfe zu Buche. Nur bei den Begegnungen gegen Bingen (32) und Eckbachtal (31) war das Spiel der 64er noch fehlerbehafteter. Bemerkenswert ist allerdings, dass alle diese Spiele in den vergangen sechs Wochen stattfanden, was auch Trainer Bullacher bereits vor Wochenfrist mahnend auf den Plan rief: „Die ersten neun Spiele der Hinrunde waren überragend. Aber seit unserem Heimspiel gegen Illtal haben wir nur noch selten vollends überzeugt. Da stand das Ergebnis oft vor dem Erlebnis. Wir haben ein bisschen den Fokus verloren. Als Trainer hat man da ganz feine Antennen, aber man will nicht gleich auf den Putz hauen. Ich hoffe, dass wir bis zum Samstag wieder die Kurve kriegen“, gibt sich der A-Lizenzinhaber aber schon wieder optimistisch. Am Samstag empfangen die Löwen den Tabellenvierten Mundenheim in der Ignaz-Roth-Halle.