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Boxen
Aus den Flitterwochen in den Ring

Senad Gashi will sich am Samstag in Berlin seinen nächsten Titel sichern.
Senad Gashi will sich am Samstag in Berlin seinen nächsten Titel sichern. FOTO: CHRIS BUECH
Zweibrücken/Marbella. Zweibrücker Boxer Senad Gashi kämpft am Samstag um Titel des WBO-Inter-Continental-Champion im Schwergewicht. Von Edmund Büch

Es ist das Duell zweier Boxgiganten. Zwei ungeschlagene Schwergewichte aus Deutschland steigen an diesem Samstag in der Convention Hall des Estrel-Hotels in Berlin in den Ring: Senad Gashi aus Zweibrücken fordert Tom Schwarz aus Magdeburg heraus. Schwarz will seinen Titel des WBO-Europameisters (WBO-Inter-Conti-Champion) im Schwergewicht zum dritten Mal verteidigen. Und Senad Gashi will es verhindern: „Ich bin super drauf und sehr gut in Form. Ich werde mir in Berlin einen neuen Titel holen“, verkündet er selbstbewusst.

Der gebürtige Kosovo-Albaner Gashi kam 1997 nach Zweibrücken. Von 2007 bis 2014 kämpfte er für den 1. BC Neunkirchen und konnte bei seinen fast 100 Amateurfights diverse nationale und internationale Titel erringen. Im Profiboxen gewann er im Oktober 2015 den Gürtel des Internationalen Deutschen Meisters im Schwergewicht, im Mai 2016 errang er dann den GBU-Weltmeistertitel im Schwergewicht. Nicht umsonst wird Gashi auch „100-Prozent-K.o.-Mann“ genannt. Seine makellose Bilanz: 16 Kämpfe, 16 Knock-Outs.

Seit über einem halben Jahr nun lebt er im sonnigen Marbella in Spanien. Doch nicht nur dort hat sich Gashi, der morgen seinen 28. Geburtstag feiert, auf den großen Kampf vorbereitet. Er hatte zuvor drei Wochen lang sein Trainingscamp im Maximum-Fitness-Gym im thailändischen Phuket aufgeschlagen. Das Training wurde von dem erfahrenen UFC-Veteranen James Mc Swenny geleitet. Zu der intensiven Vorbereitung „unter idealen Bedingungen“ sparrte Gashi unter anderem gegen Russen, Amerikaner, Franzosen und Chinesen.



Die kurze Vorbereitungszeit von nur fünf Wochen „kann man mit höherer Intensität ausgleichen, sodass sich fünf wie zehn Wochen auswirken und anfühlen“, erklärt Gashi. Nach seiner Rückkehr aus Thailand bereitete er sich in den letzten Tagen vor dem Kampf gegen Schwarz in Marbella intensiv auf den Schlagabtausch vor. Lange Flitterwochen waren da nicht drin. Denn trotz des harten Trainings fand Gashi in Thailand die Zeit, seine Freundin Ioana bei einer Zeremonie am Palmenstrand von Phuket zu heiraten.

Doch nun ist alles auf den Titelkampf in Berlin ausgerichtet. Seinen Gegner Schwarz kennt „Gachine Gun“ gut. Im Mai 2016 standen sich beide als Sparringspartner im SES-Trainingscenter in Magdeburg gegenüber. Gashi erinnert sich, dass sie dort einige harte Runden hinter sich gebracht hatten. „Schwarz ist groß gewachsen und hat lange Arme“, sagt Gashi, der mit einem Kampfgewicht von knapp unter 100 Kilogramm in den Ring klettern wird. Er schätzt den Größenunterschied nicht als entscheidend ein: „Er ist an die zehn Zentimeter größer als ich, aber Größe ist nicht alles – auch nicht beim Boxen.“

 Unterschätzen darf Gashi seinen Gegner aber keineswegs. Der 23-Jährige Schwarz kann 20 Siege vorweisen, davon 13 durch Knock-Out. Sein Kommentar vor dem Kampf: „Die Leute wollen eine Schlacht sehen! Brot und Spiele für das Volk. Amen.“ Zunächst hatte sich Gashi vorgenommen, seinen Gegner erst in der zwölften Runde „in den Ringstaub schicken“. Nun aber tönt er kurz vor dem Kampf: „Ich werde ihn in Runde fünf oder sechs zerschmettern“.

Ein Novum in der Zweibrücker Sportgeschichte bringt der Kampf in Berlin zudem mit sich: Denn gleich zwei Zweibrücker sind an diesem Abend beteiligt: Gashi auf der einen Seite. Und in der Ringecke von Tom Schwarz der gebürtige Zweibrücker Enno Werle, der zu den besten Cutmen in Deutschland zählt.

Im zweiten Hauptkampf des Abends um den EBU-Europameistertitel im Schwergewicht stehen sich der Titelverteidiger Agit Kabayel (17 Siege, zwölf durch K.o.) und Miljan Rovcanin (18 Kämpfe, eine Niederlage) gegenüber. Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) überträgt unter dem Mott: „Sport im Osten-Boxen Life“ in der Zeit von 22.50 bis 00.50 live aus Berlin.