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Pferdesport
Auf dem Pferderücken groß geworden

Sina Lacour startet kommende Woche bei den mitteleuropäischen Meisterschaften in Österreich.
Sina Lacour startet kommende Woche bei den mitteleuropäischen Meisterschaften in Österreich. FOTO: Cordula von Waldow
Zweibrücken. Islandpferde-Reiten: Sina Lacour startet bei den mitteleuropäischen Meisterschaften und träumt von der WM. Von Cordula von Waldow

„Meine Mama ist in der Schwangerschaft geritten, bis es wirklich nicht mehr ging. Ich bin im Grunde auf dem Pferd groß geworden“, erzählt Sina Lacour. Von Anfang an saß das kleine Mädchen im Sattel, zunächst gemeinsam mit Mutter Miriam, bald schon allein. Auch in die Arbeit auf dem Islandpferdehof wuchs die 25-jährige Saarländerin hinein. Sie gewann achtjährig bereits ihr erstes Turnier.

Seitdem reiht Sina Lacour Erfolg an Erfolg, wurde mehrfach Landesverbandsmeisterin. Auch ihren ersten Start bei einer Jugend-DM verwandelte die damals Zwölfjährige 2006 in einen Sieg im Viergang. „Ich ritt einen erst siebenjährigen Hengst meiner Mutter. Er war total cool“, erinnert sie sich. Zwei Jahre später erritt sie den zweiten DJM-Titel, mittlerweile in der Jugend-Klasse. 2013, als Juniorin, gelang der talentierten Reiterin aus dem Bundeskader der Doppelcoup: Sie wurde deutsche Jugendmeisterin in Tölt und Viergang. 2015 siegte sie beim World-Tölt in Dänemark und wurde Vize-Europameisterin im Tölt der Jungen Reiter. „Wenn man von Anfang an immer vorne mit reitet, liegt die Messlatte schon sehr hoch“, räumt sie ein. Dabei ist ihr wichtiger, ein Nachwuchspferd in einer anspruchsvollen Prüfung mit guten Leistungen auf einen hinteren Platz zu reiten, als eine leichte Prüfung zu gewinnen.

Die Durststrecke kam mit dem Wechsel ins Erwachsenenlager vor drei Jahren. „Da ist die Konkurrenz höher.“ Umso mehr freut sich die amtierende Landesverbandsmeisterin im Tölt über ihre Nominierung zur mitteleuropäischen Meisterschaft (MEM) im österreichischen St. Radegund von 9. bis 12. August. Sie wird Kjarkur, den 14-jährigen Fuchshengst, in der Töltprüfung T3 sowie im Viergang V2 satteln. „Er geht auf die Koppel, auf das Laufband zum Konditionstraining und ins Gelände, damit er auf dem Turnier Spaß hat zu laufen“, beschreibt Lacour ihre Strategie.



In einer intensiven Winterarbeit hat sie ihre Pferde gymnastiziert und gezielt auf die Turniersaison vorbereitet. Auf dem Buchenwaldhof in Wattweiler reitet die zertifizierte Trainerin bis zu 15 Pferde am Tag, von den jungen Nachwuchspferden bis zu ihren Turnierpferden Tàri und Svartur. „Viel Dressur, Longieren, Ovalbahn, Gelände, Stangenarbeit“, zählt sie das abwechslungsreiche Programm auf. Die gelernte Büro- und Kommunikationsfachfrau hat sich für ein Leben mit Pferden als Hauptberuf entschieden. Ihr großes Vorbild ist ihr Trainer Jens Füchtenschnieder, Kaderreiter aus Baden-Württemberg und regelmäßig Gast im Landgestüt. „Jens ist Trainer, internationaler Ausbilder, Welt-Richter – und ein guter Freund“, sieht sie sich von ihm bestens unterstützt. Lacour selbst sattelt bei dem Islandpferdeturnier am Wochenende im Landgestüt nicht. „Ich begleite einige meiner Reitschülerinnen und Freundinnen“, plant sie. Bereits am Dienstag geht sie mit Freundin Samantha und Vater Markus, ihrem Hengst und dem Wohnmobil auf die Reise zur MEM. Die deutsche Equipe reist mit 44 Teilnehmern an. Sina Lacour hofft, ihre Leistung abrufen zu können. „Ich werde wohl bei dem ersten Auftritt als Erwachsene noch mal ein bisschen nervös sein“, fürchtet sie. Doch ihr Hengst sei sehr leichtrittig, gechilled und dennoch extrem kooperativ und leistungsbereit. Sie will sich gut präsentieren und damit ihrem Traum näher rücken: einem Start bei der WM im nächsten Jahr.