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Olympische Winterspiele
Auch Zweibrücken ist in Südkorea vertreten

In Südkorea im Einsatz: Kerstin Kimminus.
In Südkorea im Einsatz: Kerstin Kimminus. FOTO: Pfälzischer Merkur
Zweibrücken/Pyeongchang. Die in der Rosenstadt geborene Kerstin Kimminus arbeitet als Preisrichterin beim Eiskunstlauf der Damen in Südkorea. Von Volker Baumann

Was verbindet die Rosenstadt mit Pyeongchang in Südkorea? Die olympischen Winterspiele der Ski- und Kufen-Asse passen so gar nicht zu den Sportarten, für die die Athleten aus unserer Region stehen. Über olympische Medaillen nachzudenken, das ergibt erst wieder bei den Spielen im Sommer 2020 in Tokio Sinn, wenn Raphael Holzdeppe erneut seinen Anlauf mit dem Stab auf die Sieben-Meter-Marke ansetzt. Aber Winter? Könnte es irgendwo versteckt in der Pfalz doch noch Rennrodler oder Biathleten geben, die man nicht auf dem Schirm hat?

Ganz klar – nein. Und doch hat sich eine ehemalige Zweibrückerin bis in die winterlichen olympischen Sphären nach oben geschafft und nimmt, wenn auch nicht im sportlichen Wettkampf, allerdings mit vielen Einflussmöglichkeiten, als Preisrichterin im Eiskunstlauf teil.  Der Damenwettbewerb gegen Ende der Spiele ist ihr Metier. Die Rede ist von Kerstin Kimminus, geboren in Zweibrücken, aufgewachsen in Ixheim und ehemalige Eiskunstläuferin beim Eislauf- und Rollsportclub Homburg-Zweibrücken (ERCHZ). Schon während ihrer Schulzeit am damaligen Herzog-Wolfgang-Gymnasium war der Weg aufs Eis programmiert und die Zweibrücker Eishalle zunächst ideales Trainingsterrain für die talentierte Eiskunstläuferin.

1983 wechselte sie zur Intensivierung des Trainings zum Mannheimer ERC, wo sie 1984 in Stefan Pfrengle einen idealen Paarlaufpartner fand. Beide wurden bereits 1986 Deutsche Paarlaufmeister und qualifizierten sich für die Olympischen Winterspiele 1988 in Calgary. Dann ein harter Schnitt – Kerstin Kimminus erlitt beim Training einen Bruch des Sprunggelenks und beide mussten ihre Teilnahme an den Spielen absagen. Das Herzog-Wolfgang-Gymnasium schloss 1987, wurde mit dem Helmholtz-Gymnasium zusammengelegt und Kerstin Kimminus erhielt 1990 dort ihr Abiturzeugnis.



1988 begann die Zweibrückerin  als Preisrichterin beim Eiskunstlauf, seit 2000 ist sie internationale Preisrichterin, seit 2004 für internationale Meisterschaften (Europameisterschaft, Weltmeisterschaft) im Einzel- und Paarlaufen, seit 2007 für internationale Meisterschaften im Eistanz.  Seit das neue  Wertungssystem 2006 eingeführt wurde, wird sie außerdem als Technical Controller für internationale Meisterschaften im Einzel- und Paarlaufen eingesetzt. Die Qualifikationen zum Preisrichter und Technical Controller wurden nach regelmäßigen Seminaren und Prüfungen durch den internationalen Dachverband der ISU (Internationale Skating Union) erteilt. Die Preisrichter-Nationen wurden im September für die Olympischen Spiele im Rahmen der Nebelhorn-Trophy in Oberstdorf (Wettbewerb zur Olympia-Qualifikation für die Sportler) ausgelost. Deutschland hat zwei Preisrichter, einmal im Paarlauf- und einmal im Damen-Wettbewerb.

Die namentliche Nominierung der beiden Preisrichterinnen erfolgte dann durch die DEU (Deutsche Eislauf-Union). Und so fügt es sich, dass  Kerstin Kimminus mit einer ganz besonderen Stimmung den Weg nach Pyeongchang angetreten hat: „Ich bin stolz, dass ich für Deutschland werten darf. Für mich schließt sich der Kreis. 30 Jahre nach meiner Olympia-Qualifikation als Paarläuferin und der verletzungsbedingten Nichtteilnahme nehme ich jetzt als Preisrichterin an olympischen Spielen teil“, schwärmt sie von den kommenden Wochen.

Ihr privates Glück und ihre zweite Heimat hat die Sportlerin in Koblenz gefunden, wo sie, nach  Medizinstudium und Promotion über die Bundeswehr in Homburg, bereits seit 1997 als Ärztin und inzwischen als Fachärztin für Chirurgie und Unfallchirurgie in leitender Funktion tätig ist. Ihre Erwartung an die deutschen Teilnehmer in Südkorea: „Bei den Damen (Nicole Schott), Herren (Paul Fentz) und im Eistanz (Kavita Lorenz & Yoti Polizoakis) könnte jeweils ein Platz unter den besten Fünfzehn möglich sein. Unsere Paarläufer Aljona Savchenko und Bruno Massot haben sogar die Chance auf olympisches Gold. Annika Hocke und Ruben Bloemmert könnten ebenfalls unter die besten Fünfzehn kommen. Beim Teamwettbewerb sind zehn Teams am Start, da wäre jeder Platz nach vorne ein Gewinn, 2014 erreichten wir Platz acht.“

Ein Foto aus Kimminus’ aktiver Zeiten als Paarläuferin.
Ein Foto aus Kimminus’ aktiver Zeiten als Paarläuferin. FOTO: Pfälzischer Merkur