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Berger spielt erste komplette Bundesliga-Saison
Amelie Berger ist endgültig angekommen

 Amelie Berger von Handballbundesligist TSV Bayer Leverkusen streckt sich und versucht den Ball abzufangen. Bei der Rückkehr der Linkshänderin zu ihrem Ex-Verein SV 64 Zweibrücken war das Ergebnis von 40:11 Nebensache.
Amelie Berger von Handballbundesligist TSV Bayer Leverkusen streckt sich und versucht den Ball abzufangen. Bei der Rückkehr der Linkshänderin zu ihrem Ex-Verein SV 64 Zweibrücken war das Ergebnis von 40:11 Nebensache. FOTO: Norbert Schwarz
Zweibrücken/Leverkusen. Zweibrücker Handballerin geht bei Bayer Leverkusen in ihre erste komplette Bundesliga-Saison bei den Aktiven. Daniel Konrad

Sie war der Star des Abends. Immer wieder musste sie Autogramme geben und für Selfies bereit stehen. Auch wenn das für Amelie Berger ungewohnt sein musste, es machte ihr sichtlich Spaß. Die 18-Jährige spielt aktuell für Bundesligist TSV Bayer Leverkusen Handball und war vor anderthalb Wochen für ein Testspiel in ihrer Heimat Zweibrücken.

„Es ist immer schön nach Zweibrücken zurückzukommen“, sagt die Schülerin, wieder in Leverkusen angekommen. Das Spiel gegen ihre ehemaligen Mitspielerinnen war für sie ein ganz besonderes Erlebnis. „Es war ein ganz besonderes Feeling in der alten Halle vor vielen Freunden zu spielen“, resümiert die Rechtsaußen-Spielerin, die versucht, einmal im Monat nach Hause zu kommen. Das Ergebnis von 40:11 für den Bundesligisten rückte bei ihrer Rückkehr und dem Klassenunterschied natürlich in den Hintergrund.

Seit zwei Jahren spielt die Linkshänderin nun im Rheinland. Und das hat sie vor allem Einer zu verdanken: Elisa Burkholder. Die beiden spielten in Zweibrücken zusammen und trainierten nebenbei noch Speerwurf. In genau einer solchen Trainingseinheit berichtete Burkholder, dass sie sich Leverkusen mal anschauen möchte. „Ich habe zuerst gedacht. Ohje, das ist schon weit weg. Aber sie hat mich dann mal mitgenommen“, erinnert sich Berger. Burkholder wechselte 2014 zu den Elfen, Berger entschied sich ein Jahr später zu diesem großen Schritt – mit Erfolg. Mit der A-Jugend wird sie im ersten Anlauf deutscher Vizemeister und auch in der vergangenen Saison wird sie mit Bayer Zweiter. „Das waren zwei gute Erfolge, aber ich hätte natürlich gerne die Goldmedaille gewonnen“, sagt sie.



Den Titel wird sie sich aller Voraussicht nach auch in Zukunft nicht sichern können. Stand jetzt, ist sie in ihrem letzten Jugend-Jahr nur für die Frauen-Bundesliga eingeplant. Dort gab sie im Dezember 2016 ihr Debüt und erhielt Anfang dieses Jahres ihren ersten Profivertrag – mit gerade einmal 17 Jahren. „Ich muss immer mal wieder realisieren, wie viel ich schon erreicht habe. Aber ich bin noch nicht fertig, will mich immer weiterentwickeln“, sagt sie entschlossen. In diesem Sommer durfte die Nachwuchshoffnung, die das Sportinternat in Leverkusen besucht und 2018 das Abitur anstrebt, bereits ihr drittes internationales Turnier im Trikot der deutschen Nationalmannschaft absolvieren. Bei der Jugend-Europameisterschaft wurde sie mit dem DHB am Ende Fünfter, war mit ihrer Leistung aber nicht zufrieden. Bei der WM im nächsten Jahr will sie wieder dabei sein, es besser machen und möglichst mit einer Medaille nach Hause kommen.

Bis dahin steht für sie sportlich aber erst mal die Bundesliga an – und in ihrer ersten kompletten Saison darf sie auf einige Einsatzminuten von Trainerin Renate Wolf hoffen. „Sie gibt mir viel Vertrauen. Wir haben auf meiner Position nicht so viele Spielerinnen. Wenn alles gut läuft, werde ich genug Spielzeit erhalten“, erklärt Berger. Das ist für ihre Weiterentwicklung wichtig. Sie trainiert zwar seit Januar fast täglich mit den Leverkusener Frauen, doch im Kraftbereich fehlt ihr noch ein bisschen. Außerdem sind die Erfahrungen für junge Spielerinnen enorm wichtig. Das weiß auch Berger, die die Hauptumstellung von der Jugend auf den Aktivenbereich in der Härte der Zweikämpfe sieht. Neben der Kraft fehle ihr „auch ein bisschen Größe“. Dafür ist sie flink auf den Beinen. „Die Schnelligkeit ist meine Stärke. So habe ich beim Tempogegenstoß meist einen kleinen Vorsprung“, sagt sie. Das nutzte ihr zum Auftakt in die neue Runde am vergangenen Samstag aber wenig. Zwar steuerte sie für ihre Mannschaft zwei Treffer bei, aber am Ende stand eine 20:24-Niederlage bei der SG BBM Bietigheim zu Buche. Am kommenden Samstag steht für Berger und Leverkusen das erste Heimspiel an. Um 19 Uhr empfängt der TSV den TV Nellingen in der Ostmann-Arena in Leverkusen.

In der Schule hat sie den eher nicht. Durch das viele Training hat sie einige Fehlzeiten, die sie selbstständig nacharbeiten muss. „Das ist manchmal ziemlich stressig. Aber wir haben gute Unterstützung. Die Lehrer der Schule geben uns auch Nachhilfe“, erklärt die Zweibrückerin das Prinzip des „Teilzeit-Internats“, wie sie es selbst nennt. Sie wohnt mit zwei Leichtathleten in einer Wohngemeinschaft, die nicht direkt an die Schule angegliedert ist. Um nicht abgehängt zu werden muss sie ihren Alltag klar gliedern. Und in dem spielt Heimweh keine Rolle. „Meine Familie ist bei fast jedem Spiel da und unterstützt mich. Außerdem waren mich schon viele meiner Freunde besuchen. Außerdem habe ich auch hier Freunde gefunden“, erklärt sie und ergänzt: „Nach der Schule verstreuen sich die Wege sowieso, ich bin eben zwei Jahre früher gegangen.“ Und wenn sie dann nach Hause kommt, ist die Freude umso größer.

 Im Testspiel warf Amelie Berger auch einige Blicke auf die Tribüne.
Im Testspiel warf Amelie Berger auch einige Blicke auf die Tribüne. FOTO: Norbert Schwarz