| 21:55 Uhr

Erster Sieg
VTZ dreht verloren geglaubtes Spiel

Tom Paetow (Mitte) verhalf der VT Zweibrücken-Saarpfalz mit seinen elf Treffern gegen den TVS Baden-Baden zum ersten Saisonsieg in der 3. Liga Süd.
Tom Paetow (Mitte) verhalf der VT Zweibrücken-Saarpfalz mit seinen elf Treffern gegen den TVS Baden-Baden zum ersten Saisonsieg in der 3. Liga Süd. FOTO: maw / Martin Wittenmeier
Sandweier . Die Zweibrücker feierten mit dem 33:31 beim TVS Baden-Baden, einem Mitaufsteiger zur 3. Handball-Liga Süd, den ersten Saisonsieg. Von Jadran Pesic

Absolut nichts für schwache Nerven sind die Spiele der VT Zweibrücke-Saarpfalz in dieser Saison. Beim TVS 1907 Baden-Baden setzten sich die Drittliga-Handballer knapp mit 33:31 (16:19) durch. Fünf Minuten vor dem Ende lagen sie schon fast aussichtslos mit 27:31 in Rückstand, um dann im Schlussspurt die Partie zu drehen. Bester Werfer aufseiten der VTZ war Tom Paetow mit elf Treffern.

„Der Sieg freut mich einfach ungemein für die Jungs. Sie haben heute viel Moral gezeigt und sind mit zwei enorm wichtigen Punkten für uns belohnt worden“, sagte VTZ-Trainer Danijel Grgic, dem die Erleichterung in jedem Wort anzumerken war. Grgics Gegenüber Ralf Ludwig hingegen fand kaum Worte um das zu beschreiben, was in der Schlussphase abgelaufen war. „Aufgrund der guten Anfangs- und Schlussphase der VTZ ist der Sieg nicht unverdient. Es ist nicht leicht zu erklären, was am Ende passiert ist. Besonders bitter ist vor allem, dass uns das gegen einen direkten Mitkonkurrenten passiert ist.“

Die Partie begann aus Sicht der VTZ sehr vielversprechend. Die 3:2:1-Abwehr der Saarpfälzer zeigte sich sehr aggressiv und beweglich. Die Gastgeber hatten gerade in den ersten Minuten einige Probleme, die Gäste gingen schnell mit 4:1 (7.) in Führung. Auch Yannic Klöckner im Tor zeigte gerade in der ersten Halbzeit eine deutliche Steigerung zur Vorwoche. Ähnlich wie die VTZ agierten auch die Gäste aus einer offensiven Deckung heraus, die aber gerade Rückraumspieler Tom Paetow sehr entgegenkam. Paetow traf nach Belieben und war auch sonst Dreh- und Angelpunkt im Angriffsspiel der Zweibrücker. TVS-Trainer Ralf Ludwig ließ seine Mannschaft in der Folge etwas defensiver agieren. Im Angriff führte Maximilian Vollmer sehr ruhig und unaufgeregt Regie und brachte immer wieder den rechten Rückraumspieler Jonas Schuster in guten Positionen. Von Schuster ging ungemein viel Gefahr aus und die VTZ bekam den schnellen Linkshänder kaum in den Griff. Nach dem 6:6-Ausgleich (12.) konnte sich die VTZ erneut leichte Vorteile erarbeiten und führte nach Treffern von Mokris, Petrusis und Wiese wieder mit 9:7 (16.). Davon zeigten sich die Gastgeber wenig beeindruckt. Sie drehten die Partie binnen weniger Minuten (10:9, 19.). Die VTZ-Abwehr verfiel jetzt wieder in alte Muster und auch im Angriff ließ die Konzentration nach. „Wir haben in der Phase zu schnell die Bälle hergeschenkt“, ärgerte sich Grgic. Der TVS nutzte dies geschickt aus und zog auf 17:13 (27.) davon. Zur Halbzeit führte der Mitaufsteiger Baden-Baden verdient mit 19:16.



Nach der Pause blieben die Gastgeber am Drücker. Vor allem die Manndeckung gegen Paetow zeigte ihre Wirkung. Doch die Zweibrücker ließen sich nicht abschütteln und kämpften verbissen um jeden Zentimeter. In der 39. Minute handelte sich VTZ-Spieler Martin Mokris seine dritte Zeitstrafe ein und konnte seine Mannschaft von da an nur noch von der Tribüne aus unterstützen. Von 21:25 (40.) kämpfte sich die VTZ wieder heran (23:25). Nach einer Auszeit erhöhte der TVS auf 26:23. Grgic nahm ebenfalls eine Auszeit und stellte seine Jungs neu ein. Sein Stiefsohn Tom Paetow erwachte jetzt aus seiner künstlerischen Pause und verkürzte mit zwei Treffern wieder auf 25:27 (51.). In der Abwehr agierten die Zweibrücker jetzt noch offensiver und versuchten sich auch immer wieder an einer Manndeckung, was Wirkung zeigte. Alexey Wetz fing einen unsauberen Pass ab, marschierte alleine auf das Gästetor – und vergab. Im Gegenzug dann erhöht der überragende Simon Bornhäußer für die Gastgeber (28:25, 52.). Mokris auf der Tribüne mutmaßte, dass der TVS irgendwann müde werden muss. „Sie haben bislang kaum gewechselt“, sagte er. Ganz stark präsentierte sich in dieser zweiten Hälfte aber auch TVS-Schlussmann Thilo Hafner, der das Torhüterduell mit Yannic Klöckner in der zweiten Halbzeit zu seinen Gunsten entschied. Beim Stand von 27:31 (55.) nahm Grgic seine letzte Auszeit. Fortan agierte die VTZ aus einer 3:3-Deckung heraus. Die Gastgeber sollten damit in der Schlussphase nicht mehr zurechtkommen. Ob es nun an den fehlenden Kräften oder am trügerischen Gefühl der Sicherheit lag, war nicht zu deuten. Zu sehen war aber, dass sich Baden-Baden jetzt einen Ballverlust nach dem anderen erlaubte. „Wir haben auf einmal keinen Abschluss gefunden, sondern noch zusätzlich dem Gegner den Ball in die Hände gespielt“, sagte der TVS-Trainer. VTZ-Kreisläufer Robin Schweitzer brachte sein Team mit dem Tor zum 31:31 eine Minute vor Schluss endgültig wieder in die Partie zurück. Ein anschließender Treffer von Wetz brachte die Führung. Die Verunsicherung war den Gastgebern nun anzumerken. Die Abwehr der Saarpfälzer war nicht mehr zu überwinden. Sie versuchten in den verbliebenen knapp 30 Sekunden möglichst viel Zeit von der Uhr zu nehmen und geduldig auf eine gute Wurfchance zu warten. Petrusis wurde auf Linksaußen freigespielt und nutzte den Platz für die Entscheidung.

„Wir wussten, dass es schwer wird. Trotz des Rückstands wussten wir spätestens seit dem Heimspiel gegen Neuhausen, was alles in der Schlussphase passieren kann und, dass man bis zum Schlusspfiff hellwach sein und an seine Chance glauben muss“, sagte Grgic. Durch den Sieg klettern die Zweibrücker in der 3. Liga Süd etwas nach oben. In Anbetracht der kommenden zwei Aufgaben gegen die Spitzenteams aus Pforzheim und Konstanz waren diese Punkte ungemein wichtig, um etwas mehr Ruhe einkehren zu lassen.