| 00:15 Uhr

Handball-Pokal
Löwen kämpfen gegen ihren Pokal-Fluch

Nicolaj Jacobsen (links), der Trainer der Rhein-Neckar Löwen, gibt seinem Spielmacher Andy Schmid Anweisungen. Gemeinsam wollen sie am Wochenende den ersten Pokalsieg in der Vereinsgeschichte der Löwen schaffen.
Nicolaj Jacobsen (links), der Trainer der Rhein-Neckar Löwen, gibt seinem Spielmacher Andy Schmid Anweisungen. Gemeinsam wollen sie am Wochenende den ersten Pokalsieg in der Vereinsgeschichte der Löwen schaffen. FOTO: dpa / Uwe Anspach
Hamburg. Der Handball-Bundesligist und designierte Meister ist bei seinen zehn Teilnahmen am Endturnier leer ausgegangen.

Natürlich ist die fin­stere Pokal-Vergangenheit in der Kabine das große Thema. „Wir können unsere Geschichte nicht ausblenden, das geht nicht. Und diese Geschichte ist, bei aller Stärke der Gegner, auch unsere größte Herausforderung“, sagt Nikolaj Jacobsen, Trainer der Rhein-Neckar Löwen, vor dem Final Four in Hamburg.

Zehn Mal war der deutsche Meister und aktuelle Bundesliga-Dominator bei der prestigeträchtigen Endrunde in der Hansestadt bislang dabei, zehn Mal ging es mit leeren Händen wieder heim. Doch anstatt die „negativen Emotionen“ des Final-Fluchs vor dem Pokal-Showdown an diesem Wochenende irgendwie wegzudrücken, schöpfen die Löwen aus ihrer Horror-Bilanz Mut und Motivation. „Wir wollen den Bock endlich umschmeißen“, sagt Löwen-Sportchef Oliver Roggisch voller Tatendrang. Die Mannheimer, in der Liga auf dem besten Weg zur dritten Meisterschaft in Serie, lechzen geradezu nach ihrem ersten DHB-Pokalsieg.

Richtungweisend dürfte das Halbfinale am Samstag (15.15 Uhr/ARD und Sky) gegen den SC Magdeburg werden. Der Pokalsieger von 2016 kommt mit viel Rückenwind und der Empfehlung von 15 Ligaspielen ohne Niederlage als „Mannschaft der Stunde“ (Roggisch) in die nahezu ausverkaufte Hamburger Arena. Für Jacobsen ist das allerdings nur eine Randnotiz. Er nimmt die Favoritenrolle an und demonstriert Selbstvertrauen. „Wir haben in der Liga in Magdeburg gewonnen und auch gegen die beiden anderen Mannschaften, die beim Final Four dabei sind, keine Punkte abgegeben. Wenn wir unsere Leistung bringen, sind wir das beste Team bei diesem Turnier“, sagt der Däne und warnt gleichzeitig: „Aber auch nur dann.“



Im zweiten Halbfinale stehen sich am Samstagabend (18 Uhr/Sky Sport News HD) im Duell der Außenseiter Endrunden-Debütant TSV Hannover-Burgdorf und der zweimalige Finalist HSG Wetzlar gegenüber. Das Finale steigt dann am Sonntag um 15.15 Uhr und wird live in der ARD und bei Sky übertragen.

Wenn nicht jetzt, wann dann? So heißt es im Umfeld der Löwen. Mit dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt verpassten in diesem Jahr immerhin die beiden anderen Schwergewichte der Szene die Qualifikation. Vor allem das Fehlen der Flensburger könnte ein gutes Omen für den Mannheimer Nationalspieler Patrick Groetzki und Co. sein und erspart ein schmerzhaftes Déjà-vu: Bei den letzten fünf erfolglosen Anläufen war jeweils im Halbfinale Endstation, und jedes Mal ging es gegen die SG Flensburg-Handewitt.

Teams und Fans erleben am Pokal-Wochenende in Hamburg eine Premiere: Erstmals können die Schiedsrichter in strittigen Situationen auf den Videobeweis zurückgreifen. Acht Kameras bieten ähnlich wie in der Champions League einen kompletten Überblick über das Spielfeld und können bei Bedarf ausgewertet werden. Denkbare Anwendungsgebiete sind unklare Abwehrsituationen oder die Frage, ob der Ball in unübersichtlichen Aktionen die Torlinie überschritten hat oder nicht. Dass es Diskussionen wie in der Fußball-Bundesliga gibt, ist allerdings nahezu ausgeschlossen, wie die Erfahrung aus der Champions League zeigt.