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Triathlon-WM in Hamburg
Lindemann überstrahlt Herren-Probleme

Laura Lindemann landete erstmals auf dem Treppchen in einem WM-Rennen.
Laura Lindemann landete erstmals auf dem Treppchen in einem WM-Rennen. FOTO: Christophe Gateau / dpa
Hamburg. Bei der WM-Entscheidung in der Mixed-Staffel half das Daumendrücken der Bundeskanzlerin nicht mehr: Einen Tag nach ihrem überraschenden dritten Platz im Einzelrennen musste sich Triathletin Laura Lindemann als Teil des deutschen Quartetts in Hamburg mit Rang zehn begnügen. Doch die Sympathie von Angela Merkel wird die Abiturientin aus Potsdam bei ihrer weiteren Karriere begleiten. „Ich bin nun natürlich aufmerksamer auf den Triathlon geworden“, sagte die CDU-Vorsitzende zu ihrer Gesprächspartnerin Lindemann, die dafür eigens einen Kurztrip nach Berlin unternahm.

Das Kurzinterview mit Merkel sowie die rund 140 000 Zuschauern an der Strecke gaben der Junioren-Weltmeisterin den nötigen Rückenwind für das bislang beste Ergebnis ihrer Laufbahn. Dabei war die 21-Jährige mit ihrer Leistung noch nicht einmal vollständig zufrieden: „Im Schwimmen war ich noch nicht bei 100 Prozent.“ Dennoch konnte die Sprint-Europameisterin in der Hansestadt unter Beweis stellen, dass Rang 28 bei Olympia in Rio 2016 nur ein sportlicher Ausrutscher war.

Lindemanns Abschneiden sorgte auch bei der Deutschen Triathlon Union (DTU) für entspanntere Gesichtszüge. „Lauras Leistung bedeutet uns sehr viel. Wir brauchen Helden, deshalb sind solche Erfolge sehr wichtig“, sagte DTU-Vizepräsident Rainer Jung. Bei den Spielen in Brasilien war Lindemann die einzige deutsche Teilnehmerin gewesen. Im Staffelwettbewerb allerdings konnte sie bei unangenehmem Nieselregen ihren zum Teil deutlich jüngeren Teamkollegen nur bedingt helfen. „Aber es ist völlig richtig, dass sie hier Erfahrung sammeln können“, sagte sie. Der Sieg in der 2020 erstmals olympischen Disziplin ging an Australien vor Titelverteidiger USA und den Niederlanden. Der starke Lindemann-Auftritt in der Einzelkonkurrenz überstrahlte, dass die männlichen Athleten aktuell von der Weltspitze weit entfernt sind. Ihr Vereinskollege Lars Lührs enttäuschte als 47., Justus Nieschlag aus Lehrte wurde immerhin noch 15. Bei den Frauen triumphierte Flora Duffy von den Bermudas, der spanische Vorjahressieger Mario Mola gewann die Männer-Konkurrenz.

Zum schwersten Zwischenfall bei der 16. Auflage des größten Triathlons der Welt kam es im Frauenrennen. Juri Ide aus Japan und die Französin Cassandre Beaugrand mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden, nachdem sie mit ihren Fahrrädern in einem Loch auf einer Rampe hängengeblieben waren.